Walters Fall

Natürlich hat mich das beschäftigt. Das Thema drängte sich ja geradezu auf. War es eine mediale Hetze? Mixa ein Opfer? Die mediendiktierte, sekulare Gesellschaft als Täter? Dazu noch die bellenden Bischöfe als williges Jagdrudel die, ihren Herren (der Beifall klatschenden Medienmeute) zum Gefallen, besonders wild kläffen und jeder Fährte nachstellen?

Jedenfalls wird der Papst Gründe gehabt haben Mixas Gesuch anzunehmen, so wie er Gründe gehabt haben wird dieses auch nicht aufzuheben. So wie Mixa bereits falsch beraten war die Watsch’n unter den Tisch fallen zu lassen, so war er auch darin falsch beraten der Welt ein Interview zu geben. Warum hat er zum Einen nach einer Rehabilitation der medialen Öffentlichkeit gesucht (vor allem so früh und zu diesem Zeitpunkt) und zum Anderen an seiner Resignation gerüttelt? Ich verstehe das einfach nicht. Nicht, dass ich ihm grundsätzlich eine solche Rehabilitation nicht gegönnt hätte (ob sie berechtigt wäre oder nicht sei dahin gestellt und wird wohl niemals zweifelsfrei geklärt werden). Ich verstehe nur nicht, dass ihm dieser Schritt scheinbar wichtiger erschien als das kommende Gespräch mit Benedikt (ich schließe dies allein aus der Abfolge der Geschehnisse). Womöglich wäre der väterliche Rat Benedikts gewesen eben nicht an die Öffentlichkeit zu gehen, oder andere Worte zu wählen – vielleicht sogar jene, die er jetzt in einem Brief an die Gläubigen gerichtet hat. So erscheint es mir, als hätte er vor der öffentlichen Meinung bestehen wollen, die man vielleicht fürchten muss, der man aber guten Gewissens auch aus dem Weg gehen kann. Wichtiger wäre doch, dass meine Nächsten mir vertrauen und ich mit mir selbst ins Reine komme; Ruhe finde; und meine Nächsten nicht mehr Leid zugefügt wird durch die Aufmerksamkeit die die Öffentlichkeit auf mich richtet? All diese, in meinen Augen widersprüchlichen Verhaltensweisen eines Geistlichen machen ihn zwar zur tragischen Figur, passen aber nicht zur Opferrolle, die ihm in konservativen katholischen Kreisen zugedacht wird.

Aber – und das erweitert die Trauer und Scham – ebenso unsäglich ist der Umgang mit dem menschlichen Makel des Mitbruders seitens der Bischöfe, die dessen (mutmaßliche) Alkoholerkrankung an die Öffentlichkeit ziehen (oder Dossiers an Journalisten weiterreichen [lassen]). So oder ähnlich stellt sich nämlich die Retourkutsche in meinem beschränkten Wissenshorizont dar – alles nur Spekulation. Wie so Vieles beim Fall des Bischofs. Neine, das ist wirklich nicht vorbildlich.

Und dann noch die Frage, wie mit Problemen innerkirchlich umgegangen wird. Immerhin gibt es Aussagen, vieles dessen was nun „bekannt“ wird hätte man schon zuvor gewusst. Warum dann keine früheres, bedachteres und gelenktes Einschreiten, welches vielleicht zur Läuterung und Klärung geführt hätte und jenen (der Kirche, dem Bischof, der Gemeinde) Schutz geboten hätte, die heute aufs Gröbste beschädigt erscheinen? Nicht dass ich irgendwelcher Vertuschung das Wort rede, aber zu aller erst ist diese Angelegenheit eine innerkirchliche, sofern keine juristischen Mittel eingelegt werden und auch kein Urteil vorliegt.

Häme? Nein. Nicht von mir. Nicht heute. Aber ich gebe zu, dass ich enttäuscht bin, das hier der Geschmack zurück bleibt, dass eine Institution an den eigenen Massstäben scheitert. Ich weiß nicht wie ich es anders schreiben soll, denn sicherlich ist Kirche immer mehr, als nur ein Fall, ein Bischof oder zwei, etc. Dennoch werden viele in Deutschland sich abwenden und ihre „Kultursteuer“ (wie ich meinen freiwilligen Mitgliedsbeitrag nenne) nicht mehr verrechnen lassen. Naja, so oder ähnlich

5 Antworten

  1. Ich finde es gar nicht so falsch, dass es im Wesentlichen um die Täter geht, wenn es darum geht eine Tat einzuordnen. Das Opfer braucht keine Öffentlichkeit, wenn die Mechanismen funktionieren. Opfer brauchen Aufmerksamkeit, wenn sie ihr Recht nicht bekommen.So wie hier: http://patergregormueller.jimdo.com/

    Das ist aber schwer spekulativ, wenn man nicht selbst betroffen ist.

  2. Ich find gut, dass die Opfer im Hintergrund bleiben dürfen. Ich kann mich noch erinnern, als der Bischof nach Bekanntwerden der Anklagen zum „freundschaftlichen Gespräch“ lud. Man stelle sich das vor: das sehr mutige Opfer muss dem Prügelbischof in einem Gespräch, in welchem er sich als großzügiger Freund darstellen wird, gegenübersitzen und aufpassen, dass all seine Argumente nicht weggeredet werden.
    Da macht man ja den Bock zum Gärtner.

    Warum hat vorher keiner eingegriffen? Weil die Kirche zu mächtig war, und jeder wusste, man verbrennt sich möglicherweise die Finger. In den achtzigern, erinnere ich mich, hat keiner mehr die Hand vor den Mund genommen. Allerdings wusste jeder, dass Täter nur versetzt wurden. Jeder war empört, aber keiner konnte was tun. Das hat sich durch den aktuellen Skandal endlich geändert.

  3. Ich schreibe nicht über einen Täter. Mixa hat geschlagen, das ist soweit öffentlich bestätigt. Ob es tatsächlich weitere Opfer gibt, weiß ich nicht. Und die Medien wohl auch nicht. Was man verurteilen kann ist lediglich der Umgang mit dem was bekannt ist. Und das sieht nicht gut aus. Weder auf Mixas Seite noch auf der Seite der DBK.
    Ich sehe es übrigens auch als Recht der Opfer im Hintergrund zu bleiben. Nicht jedes Opfer hat Lust von Maischberger über Will bis hin zu Illner durch gereicht zu werden. Aber außer den wehrhaften Opfern der priesterlichen Schläge sind keine weiteren bekannt. Vielleicht muss man sagen: bisher. Vielleicht kann aber auch einfach sagen: zum Glück, denn es hat keine gegeben? – Das ist ab. Das ist aber alles Spekulation.

    • ich meinte nicht maischberger bis will sondern z.b. zeitungen u.ä oder so, da kommen immer nur täter vor ausser bei verkehrsunfällen und naturkatastrophen

  4. viel interessanter ist, warum hat vorher keienr eingeriffen, wie auch immer und warum geht es immer nur um die täter und die opfer sind und bleiben im hintergrund

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