Einen Gedanken noch

So wie ich in letzter Zeit die Debatte um die katholische Kirche verfolge, erscheint es mir als sei die treibende Kraft der zunehmenden Säkularisierung die Kirche selbst. Es ist nicht unbedingt der Wunsch der gläubigen Menschen sich außerhalb der Gemeinden oder im Privatesten ihrem Glauben hinzugeben, der nicht die Grundfestigkeit der dogmenhörigen „Rechtgläubigkeit“ kennt. Über kurz oder lang werden sich jene, die sich heute noch engagieren wahrscheinlich auflösen und in die Gesellschaft diffundieren.  Die Kirche wird sie betrauern und für sie beten, dass sie nicht dem Zeitgeist anheim fallen und dabei übersehen, dass der Zeitgeist so langsam in die Jahre kommt.

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4 Antworten

  1. Mit Säkularisierung meine ich das Zurückweichen der Kirchen aus dem öffentlichen Raum – aber auch das sich Abwenden gläubiger Menschen von der Institution. Dieser Prozess zieht ja auch ein Auflösen von Gemeindestrukturen nach sich. Wenn man das weiter denkt, dann hat das wiederum eine gesellschaftliche Komponente, da die Orte der Gemeinschaft verloren gehen. Ich denke Kirche hatte auch eine gesellschaftlich integrative Rolle.
    @zettelkasten
    Ich habe das immer so verstanden, auf der Spannung zwischen weltlicher und kirchenpolitischer Macht fußte die Entwicklung unseres Rechtssystems, der Menschenrechte, etc. Es mag also sein, dass Kirche sich auf einen Kern fokussieren muss, was aber ersetzt den Faktor in seiner Bedeutung für den Widerstreit der Ideen? Die Medien? Die Philosophie?

    • Religion im besten Sinn ist doch für die Menschen da, die in sich ein freies Geistesleben entwickeln wollen. Auch wenn du noch nicht soweit bist, kannst du also einen ehrenwerten Weg gehen. Überall da, wo Religion mit Macht verknüpft wird, wird sie wesensfremd, weil nicht mehr auf die Freiheit, also Gott, abzielend. Meine Gegenfrage lautet also: wie willst du Machtmissbrauch mit Philosophie oder den Menschenrechten kaschieren? Die Erfahrung zeigt doch, was dabei herauskommen muss.

      Ich bin der festen Überzeugung, dass die gesamte humanistische Bewegung, die Entwicklung der Menschenrechte, und damit unsere gesamte Kultur Ergebnis der Geistesarbeit von Freidenkern jedweder religiöser und sonstiger Richtung ist. Nie wird eine Verwaltungsorganisation Derartiges hervorbringen können.

      Das Rechtssystem passt sich immer wieder den Gegebenheiten an, ebenso wie die Politik. Nicht sie beherrscht uns, sondern WIR MACHEN SIE. Das war schon zu Zeiten der Römer so, von denen wir sie haben, und auch die gesamte weitere Geschichte.

      Drüber hinaus wirst du, wenn du religiöse Einrichtungen betrachtest, sehen, dass es zwar eine gewisse gesunde Umschichtung gibt, dass jedoch user gesamtes Sozialwesen, welches auf kirchlichen Gründungen beruht, das System auch heute noch durchdringt. Du musst dich nur dafür interessieren. Geh doch mal in ein Seniorenheim, das sind kulturelle Mittelpunkte, viele Veranstaltungen des dörflichen und städtischen Wesens finden dort statt. Oder die Krankenhäuser, Kinderheime etc und so viele Schulen…

  2. Ich würde sagen, Kirche ist eben da, wo sie keinen Machtfaktor mehr enthält, genau am richtigen Ort. Mag sein im Privaten, oder auch öffentlich-privaten Raum. Aber gerade diese Verknüpfung von Religion mit Politik, das war doch der ärgste Feind der Kirche. Man sollte nicht darauf hereinfallen.

    Ja, und wenn es diesen Faktor nicht mehr gibt, muss man sich eben überlegen, was der eigentliche Kern von Religion ist…

  3. was verstehst du unter säkularisierung?

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