Editorial

„Toleranz können wir nur gegenüber einer aus guten subjektiven Gründen abgelehnten Überzeugung üben, und zwar in der Weise, dass diese kognitive Ablehnung gleichwohl keine praktisch „unüberwindliche“ Abneigung nach sich zieht.

Die Erwartung von Toleranz mutet uns zu, eine auf kognitiver Ebene fortbestehende Nicht-Übereinstimmung, die aus Gründen der Konsistenz nach der Auflösung von Widersprüchen drängt, auf der Ebene sozialer Interaktion in dem Sinne auszuhalten, dass wir sie for the time being dahin gestellt sein lassen. “

Jürgen Habermas – Festvortrag zum Leibniztag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften am 29. Juni 2002

Wie steht es mit der Sättigung?

Nun, ich muss sagen, es lässt sich gut auch außerhalb der Bloggosphäre leben. Es lässt sich auch ganz gut außerhalb der Themen leben, die hier im Blog bis zum Oktober 2008 bearbeitet und diskutiert wurden. Irgendwie juckt es mich aber wieder ein wenig Präsenz zu zeigen. Ich bin gespannt, ob ich mich von den Themen der Vergangenheit lösen kann. In welche Richtung könnte denn ein Blog wie dieser nehmen, der ja in der Vergangenheit immerhin ein wenig Aufmerksamkeit einer kleinen Gruppe von Interessierten als Forum diente?

Alte Weggefährten werden sehen, dass ich mich von dem Thema Anthroposophie inhaltlich trennen will. Ich will das hinter mir lassen. Ich bin sozusagen damit durch, die Sättigung ist erreicht. Ich habe im Rückblick einen Kenntnisstand erreicht, der mir ausreicht und in mir auch keine Toleranz hinsichtlich der eigenen Beschäftigung mit Fragen zulässt, die mich nicht berühren. Möglicherweise ein Grund dafür mag der sein, dass wir weitestgehend aus anthroposophischen Zusammenhängen raus sind. Allein der Ortswechsel und der Schulwechsel der Kinder hat uns von der Anthroposophie und ihren Themen entfernt. Somit ist für auch ein Fortführen einer Auseinandersetzung mit dem Thema belanglos geworden, da ja der erste Impuls für den Blog eine halböffentliche Fragestellung hinsichtlich der Weltanschauung, auf der sich die Schule meiner Kinder beruft war.

Neue Ziele, neue Fragen, neue Interessen?

Ich sehe noch  keine neuen Ziele, nur eben die alten sind aus meiner Sicht abgearbeitet. Interessen generiert man auch nicht neu, sondern nimmt man mit, insofern werde ich mich Umschauen im Feld der Meinungen, Weltanschauungen, Philosophie, Politik und Gesellschaft und diese hier und da kommentieren. Und was die Fragen angeht: Die Frage ist mein Credo.  Eine Frage ist immer neu, selbst wenn sie schon mal gestellt wurde ist sie unverbraucht, weil man sich der Antwort nicht sicher sein kann. Das Leben und die menschliche Existenz enthält zu viele Möglichkeiten, als dass man sich über die Antwort einer Frage sicher sein könnte.

Themenfelder

Die Themenfelder werden sich also nach und nach erschließen und entsprechend geordnet werden. Man wird das über die Bloggroll ablesen können. Man wird es nach und nach über die Sortierung der Seiten nachvollziehen. Es wird sich ergeben.

21.05.2010

Anthroposophie, Rudolf Steiner, Waldorfpädagogik –

alles Themen, die nur einige wenige Interessieren dürften. Vielleicht durch die Presse hin und wieder die Öffentlichkeit aufgescheucht, erlebt man plötzlich einen Recherche-Hype: der Blog wächst, die Kommentare strömen auf einen ein und dann ebbt das Interesse wieder auf ein normales Maß ab und es bleibt nur noch ein übler Beigeschmack nach der Hysterie zurück. Zudem zeigt sich bei vertiefter Einsicht in die Thematik z.B. zu den sich wiederholenden Vorwürfen gegen die Waldorfschulen oder den Ideen Steiners, dass zum einen der Diskurs sehr offensiv und öffentlich von der beschuldigten Seite aufgenommen und diskutiert wird. Das Interesse des Blogs lässt zudem nach, je mehr man den Eindruck hat nichts Neues zumThema denken zu können. Versteckt im Netz gibt es eine Menge Gegenöffentlichkeit zu den Kritikern der Anthros und Waldis, sowie fundierte Kritik und aktuelle Diskussionen, die die Fragen und Inhalte bei nerone bereits diskutieren. Sicherlich wird es einige Ergänzungen und neue Fragestellungen geben, die von nerone besprochen werden können. Der Reiz, die eignenen Gedanken hier mit anderen zu teilen und kommentieren zu lassen nimmt ja nicht ab.

Nachdem nerone Online ging, stellte ich sehr bald fest, dass die Auseinandersetzung mit der Anthroposophie Steiners, seiner Weltanschuung und seiner esoterischen „Wissenschaft“ nach einer Abgrenzung zu eigenen Anschauungen und Überzeugungen verlangte. Dieser Überlegung, sowie der Tatsache folgend, dass das Interesse zu dem selbstgewählten Themenbereich rund um die üblichen Steinereien abnimmt, da mein persönlicher Informationsstatus eine gewisse Sättigung erreicht. Was aber die oben angeführte Abgrenzung betrifft geht es ja im positiven Sinne um eine Standortbestimmung. Nicht das nerone hier Innerstes zu Äußerst kehren will. Blogs haben jedoch interessanterweise tatsächlich starken Bekenntnischarakter. Also werden wir dem auch hier in Zukunft nachgehen.

Die Schlagworte, zu der Struktur auf nerone

Das führt zu einer Neuordnung der Schlagworte, die als Menuepunkte in Zukunft durch das Blog führen werden. Da gibt es die bereits festgelegten Kategorien Anthroposophie, Waldprfpädagogik, Waldorfschule und Waldorfkindergarten. Sicherlich wird es den Bereich Logbuch weiterhin geben. Das Logbuch soll laufende Recherchen und Projekte auf dem Blog sekundieren, Quellen in der Vorschau oder der Nachsicht eines reflektierenden Beitrages besprechen. Um Kulturthemen herum werden sich Literatur und Kunst gruppieren können. In wie weit das dauerhaft realisierbar ist, wird sich zeigen. Mir schwebt so etwas wie Interwiews vor, Fragestellungen zu Themenkreisen, die auf nerone besprochen werden.

Falls der intime Kries meiner Leser zu dieser konzeptionellen Einleitung Anregungen haben, den HInweis finden mein Anliegen sei vermessen oder es würde sich lohnen den Weg zu beschreiten, dann lasst doch ruhig Kommentare fallen.

22 November 2006


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5 Antworten

  1. […] Editorial […]

  2. […] mit intensiver Debatte über Rudolf Steiner und seine Epigonen verbracht. Auf Marcos  Weblog NERONE konnte ich die Themen bis Ende 2007 immer noch gut mitverfolgen. Ich habe den Diskussionsfaden aber […]

  3. Hi Michel,

    mir geht es gerade genauso. Hab ich das geschrieben? Ich sollte mich dem Inhalt nochmal widmen und es überarbeiten.

    Ich gehe mit einem Interview schwanger, dass ich zu führen mir vornahm. Ich bin bisher nicht dazu gekommen es zu realisieren. Es kommt noch.

    Mit der Sättigung ist es so, dass die Notwendigkeit Steiner zu lesen sich aufdrängt. Damit wird mir leider einiges genommen. Andererseits ändert es nichts an der Sympathie für die bekannten Aktuere und den Respekt vor ihrer Tradition. Ich denke darüber nach in loser Folge meine Lektüren kommentiert hier abzubilden. Das wird mir wahrscheinlich den Ruf verderben, aber vielleicht kommt man ja ins Gespräch über Wahrnehmung, Wirklichkeit und Wahrheit…

  4. Na, ich las dieses Editorial unvermittelt und konnte erst nicht glauben das es schon im November 2006 geschrieben war. Es schien mir das es nach alle Erfahrungen im letzten Jahr reif geworden und verfasst war. Aber… es stimmt doch, es ist offenbar einundhalb Jahr alt.
    Wie ist es jetzt mit der Sättigung der eigene persönliche Informationsstatus? Das Vorhaben um selbst Interwiews (!) aufzunehmen hat sich leider nicht erfüllt. Vielleicht ist das einen nächsten Schritt?

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