Das Problem mit dem Internet

Wenn man, so wie ich, nach längerer Pause das Bloggen wieder aufnimmt, kommt man schon ins Grübeln über die Meinungen, die dort so kursieren. Spannend ist wie jede Meinungs-Sparte Verschwörungstheorien das Wort redet und liest man auf der einen Seite, so wird man die selben, wenn nicht gar die gleichen Vorwürfe auf der anderen findet. Ich habe mir in letzter Zeit einen Spass daraus gemacht und auf einem österreichischen katholischen Infoportal gelesen (Ein paar neurotische Theorien: Homolobby, LinkeMainstreamPresse, gewalttätige Islamisten, Sex, Materialismus, die deutsche Bischofskonferenz, etc.). Dort schreibt ein Kommentator zu einem Artikel und vor allem zu den Kommentatoren, dass „das Problem bei dieser Sache doch ganz einfach [ist]: JEDER nimmt nur zur Kenntnis, was er zur Kenntnis nehmen will….Auch ihr „Teilstudium“ (ein ganzes hätte mich übrigens mehr beeindruckt…) erstreckte sich vermutlich nur auf das, was Sie schon von vorneherein glauben wollten oder?“ Dieser Kommentar, so wie der Hinweis auf die Selbstgefälligkeit des hier angegriffenen Kommentators (mit Sicherheit ein „Rechtgläubiger“) Tatsächlich erlebe ich diese Haltung nicht nur bei anderen Internisten, sondern muss mich mitunter miteinbeziehen in diese Herde der Voreingenommenen. Ich kann die erwähnte Seite nicht ohne die Unterstellung lesen, dass die Menschen die dort lesen und kommentieren sich auf der richtigen Seite wähnen – und das finde ich ehrlich gesagt recht unangenehm. Nicht so sehr, weil ich selbst gern auf der richtigen Seite stünde, sondern weil ich Sorge hätte, wenn diese so etwas wie Macht in den Händen hielten, die Freiheit leiden würde. Ein Glück leben wir in einer Zeit, die nicht den Zwängen dieser Leute ausgesetzt ist, sondern in der um Grenzen gerungen werden muss.
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Ein paar Gedanken zum Zölibat

Nach dem kelien Ausblick auf die Interessenlage der letzten Zeit, will ich kurz mal abhandeln: Ist das Zölibat schuld am Missbrauch? Ich könnte mich kurz fassen und einfach beherzt: Nein! rufen. Für mich war das der erste Impuls, als die medial geprägte Gesellschaft einheitlich in diese Kerbe schlug. Und bis heute bleibe ich bei dieser Auffassung, auch wenn meine Küchenlogik vielleicht zu kurz greift.  Müssten denn nicht dann auch alle anderen 99% der Päderasten zöllibatär leben? Oder, anders gefragt: würde nicht zwangsläufig die Familie von der Keimzelle der Gesellschaft zur Folterkammer Schutzbefohlener pervertieren, da ja der medialen Gesellschaft auch bekannt sein müsste, dass die allermeisten Mißbrauchälle im Schutze der Familie stattfinden, jeden Tag, auch jetzt. So sehr ich die Empörung teile, wie sich der Umgang mit den Schweinepriestern bis vor einigen Jahren in der Kirche abzuspielen schien, dem Versetzen von hier nach dort, etc. –  so sehr wird auch klar, dass die Kirche bereits vor der medialen Flutwelle ihre Regularien im Umgang mit dem Thema Missbrauch geändert hatten (kann man nachlesen – kostet Zeit, eignet sich nicht für Schlagzeilen).

Nicht nur das:  es kommt mir so vor, dass der Umgang mit priesterlichen Verfehlungen einer anderen Tradition folgt als die des Zölibates. Das Zölibat ist ein Gelöbnis, welches aus freien Stücken von erwachsenen Männern abgelegt wird.  Sie wissen also im besten Falle, worauf sie sich einlassen (deswegen tun es ja auch immer weniger).  Die Kirche kann froh über jeden sein, der so fest gereift ist, dass er mit dem Gelöbnis auch jene Freiheit erfährt, die er zum Wohle seines Glaubens, der Kirche und seiner Gemeinde einsetzen kann. Die andere Tradition, jene etwas männerbündleriche, innerkirchliche Tendenz, den Altarraum sauber zu halten, indem man den Dreck hinters Chorgestühl fegt, ist eine, die hoffentlich immer weniger Rückhalt in der Kirche erfährt und zu Staub verfällt. Gerade in Deutschland hat eine solche Tradition auch keine Zukunft. Die Gemeinden werden kleiner und rücken somit ihren Bischöfen auch nach und nach mehr auf die Pelle.

Und mir scheint, die hingehen wissen eigentlich nicht warum sie hingehen. Wozu eigentlich katholisch? Im Grunde sagt ihnen der Papst nichts mehr, das Zölibat ist lästig, die Sexualmoral spricht die Menschen auch nicht an, weil sie sie nicht verstehen, es gibt Streit über die Riten, Streit um die Frauenordination, die Laien in der Kirche. Und Priester? In einer Do-it-yourself-Gesellschaft? Es geht um einen Haufen kleine Gesellschaften zu organisieren scheint, nicht um eine Gemeinschaft die sich einem Glauben verschrieben hat und damit seinen Traditionen. Warum lehnen Menschen eigentlich Traditionen ab?

Könnte sagen: ist nicht meine Problem! Aber irgendwie sorge ich mich schon um den Verfall der großen Mahner in einer Gesellschaft die sich nicht beschränken lernt. – Immerhin bin ich bekennender katholischer Atheist.

Womit hat sich nerone die letzte Zeit beschäftigt?

Eine kleine Zusammenfassung über die Themen, die sich mir aufgetan haben, als kleines Exposè künftiger Spielwiesen?

Zum einen gab es natürlich wieder die Beschäftigung mit Weltanschaulichem. Diesmal ging es um  eigene Herkunftstraditionen: Was macht eigentlich die katholische Kirche so? Da gab es genügend Stoff! Sind alle Priester Päderasten? Ist das Zölibat schuld daran? Ist der Papst besser als sein Ruf? Erleben wir in unserer Hemisphäre eine neue Christenverfolgung? Sind Priester nur deshalb Päderasten, weil sie von der homosexuellen Ideologie unterwandert sind? Was ist eigentlich ein Mixa? Etc. pipapo. Meine Überlegungen dazu kann ich ja mal bei Gelegenheit zum besten geben. Hier und da habe ich das mal kommentiert.

Dann habe ich ein paar gute Bücher gelesen, deren Titel mir entfallen sind. Gerade lese ich Jurek Beckers Bronsteins Kinder mit großem Genuss. Eine Neuentdeckung für mich. Ich werde mich auf Beckers Werke stürzen.  Zumindest Jakop der Lügner steht noch auf meiner persönlichen toreed – Liste. Achso! Nicht so gut wie ich erwartet hatte war der neue Phillip Roth Demütigung. Als Fan vom alten Mann mit Prostatabeschwerden war ich enttäuscht über den dünnen Plot und die mager ausgebauten Charaktere. Aber ich meine Dennis Scheck hat über das Buch gesagt: „Selbst ein schlechter Roth ist ein gutes Buch.“ Da gehe ich mit ihm d’accord.

Dann lese ich nebenher einiges über die Region, in die es mich verschlagen hat. Über die Allemannen, das Herzogtum Baden, Lörrach, Hebel. Eine spannende Lektüre, vor allem wenn man versucht die Stränge in  dem kleinen Ort, in dem wir leben zusammen zu führen, wobei mir einige Artikel eines Dorfchronisten weiterhelfen – oder besser noch: Ausgangspunkt sind. Dieser Chronist war seines Zeichens der Lehrer im Ort. Die alten Leute kennen ihn noch. Sehr spannend. Auch wie sich über die Jahre die Flurnamen im Ort erhalten haben und sich dann in den Namen der Bauernfamilien im Ort bis heute widerspiegeln.

Natürlich beschäftigt mich auch Griechenland und der ganze Rest. Wenn man mich fragen sollte: Ich sehe das so wie die Kanzlerin. Es geht um  mehr als nur den Euro. Das ist nicht allein eine Währungsfrage.  Sollte die Währungsunion zerfallen, so zerfällt auch die Union – und dann zurück auf die Bäume! Sollte sich die Eurozone aber erholen, dann geht sie -irgendwann- gesterkt und reifer aus der Krise wieder heraus. (hoffentlich – es gibt bestimmt viele Argumente die dagegen sprechen, aber wir werden sehen…)

Dann gab es viel zu tun, in und um das Haus herum. Derzeit ist der Garten dran. Die Rasenfläche wird neu angelegt (von mir: ich wühle in der Erde, grabe um, arbeite Komposterde ein, nivelliere – immerhin bin ich Ingenieur!) Um im Dorfe anzukommen meldet man sich im Fussbalverein an, spielt mit den alten Herren Fussball und versucht sich daran zu gewöhnen gemeint zu sein, auch wenn man nicht versteht, was gemeint ist. Umdrülle, hiekeie, laloh, sel und sel… Ich werde es nicht mehr lernen – aber verstehen hoffentlich irgendwann schon. Allerdings wiederholen mir die Jungs gern alles noch mal in Hochdeutsch, oder in dem, was sie dafür halten. Ich fühle mich wohl bei den alten Herren – und als selber solcher sowieso!

so oder ähnlich vergeht hier die Zeit

Neues Editorial

Wie steht es mit der Sättigung?

Nun, ich muss sagen, es lässt sich gut auch außerhalb der Bloggosphäre leben. Es lässt sich auch ganz gut außerhalb der Themen leben, die hier im Blog bis zum Oktober 2008 bearbeitet und diskutiert wurden. Irgendwie juckt es mich aber wieder ein wenig Präsenz zu zeigen. Ich bin gespannt, ob ich mich von den Themen der Vergangenheit lösen kann. In welche Richtung könnte denn ein Blog wie dieser nehmen, der ja in der Vergangenheit immerhin ein wenig Aufmerksamkeit einer kleinen Gruppe von Interessierten als Forum diente?

Alte Weggefährten werden sehen, dass ich mich von dem Thema Anthroposophie inhaltlich trennen will. Ich will das hinter mir lassen. Ich bin sozusagen damit durch, die Sättigung ist erreicht. Ich habe im Rückblick einen Kenntnisstand erreicht, der mir ausreicht und in mir auch keine Toleranz hinsichtlich der eigenen Beschäftigung mit Fragen zulässt, die mich nicht berühren. Möglicherweise ein Grund dafür mag der sein, dass wir weitestgehend aus anthroposophischen Zusammenhängen raus sind. Allein der Ortswechsel und der Schulwechsel der Kinder hat uns von der Anthroposophie und ihren Themen entfernt. Somit ist für auch ein Fortführen einer Auseinandersetzung mit dem Thema belanglos geworden, da ja der erste Impuls für den Blog eine halböffentliche Fragestellung hinsichtlich der Weltanschauung, auf der sich die Schule meiner Kinder beruft war.

Editorial

Derivate

via

aus dem skizzenbuch


Wahr

Da dieser Blog sich auch an Wahrheitssucher und Sinnentdecker wendet und immer wieder mit Begriffen wie Wahrheit, Wirklichkeit und Realität hantiert, biete ich uns heute folgenden denkwürdigen Satz an:

„Wenn es nur eine einzige Wahrheit gäbe,
könnte man nicht hundert Bilder
über dasselbe Thema malen.“

Pablo Picasso

Gefunden hab ich diese Wahrheit bei Ulysses – danke dafür!