Relativismus und Totalitarismus

„Alle Menschen, Gläubige oder nicht Gläubige sind dazu berufen, den Anforderungen der menschlichen Natur, die sich im Naturgesetz widerspiegelt, nachzukommen und dieses Verständnis als Grundlage für die Formulierung von positiven Gesetzen zu benutzen, die dann von der zivilen und politischen Autorität durchgesetzt werden, um ein friedliches Zusammenleben zwischen den Menschen zu ermöglichen. Wenn das Naturgesetz und die Verantwortung, die es impliziert, verneint werden, dann öffnet sich auf dramatische Weise der Weg zum ethischen Relativismus auf individuellem Niveau und dem Totalitarismus des Staates auf politischem Niveau.“ sagt Papst Benedikt.

Das Naturgesetz welches Benedikt sozusagen als übergeordnetes Recht versteht, weil von Gott gegeben, ein auf die Schöpfung basiertes Recht, dessen Interpretation Teil der katholischen Theologie ist, gelte auch für nicht Gläubige. Welche Anforderungen stellt aber dieses Naturgesetz? Alle jene, die die katholische Ordnung, ihre Moral und Ethik als Wahr erkennen? Was ist, wenn ich diesen Wahrheiten widerspreche? Gehe ich dann den “ Weg des ethischen Relativismus auf individuellem Niveau“? Handelt der (demokratische) Staat beispielsweise totalitär, wenn er Lösung für die Wirklichkeit der Abtreibung und gleichgeschlechtlicher Partnerschaften sucht? Was meint Benedikt, wenn er vom Totalitarismus des Staates spricht? Oder mahnt der Papst eher, als dass er anklagt?

[Ich muss bedenken, dass ich total Mainstream bin. Selbst wenn ich den Strom der verallgemeinerten Meinungen nicht an mir vorüber spülen spüre, so werde ich mich dennoch dem Vorwurf aussetzen mein Denken sei durch linke Medien gebürstet worden, die Abtreibungs- und Homo- und Genderlobby habe in mir einen weiteren Vertreter heran gezüchtet, der das Böse in die Welt bringt. Und außerdem solle ich mich nicht in unreflektiertem Gutmenschentum ergehen. Abgesehen davon…]

Was meint der Papst? Und in wie weit meint er mich?

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4 Antworten

  1. Ich weiss nicht, was Benedikt meint. Ich sehe jedoch den Hang zum paternalistischen Staat, der die Bildungsdefizite der Bürger, die er selber erzeugt hat, durch Überfürsorge kompensieren möchte. Bsp.: die EU als Über-Staat.

    • Hallo Gregor,

      schön zu sehen, dass Sie den Weg nochmal auf meinen Blog gefunden haben. Ihren Kommentar kann ich in zwei Richtungen auslegen:

      1. Die Äußerung Benedikt führte, wenn sie Anwendung im politischen Handeln fände, zu einem paternalistischen Staate.

      2. Die EU stünde bereits beispielhaft für ein solche Tendenz, in dem Maße wie EU-Gesetzgebungen bereits in die nationale Handlungsmöglichkeiten der Politik hineinwirkt.

      Sie scheinen aber eine genauere Idee des Zusammenhangs zwischen Relativismus und Totalitarismus zu verfolgen? In wie fern spielt in ihren Kommentar der Bildungsdefizit hinein?

  2. Ein praktisches Beispiel zu den Naturgesetzen: Vor einigen Jahren ging folgendes durch die Presse: ein junger Mann war nach einem Motorradunfall querschnittsgelähmt, er und seine Lebensgefährtin wollten heiraten, durften aber vom örtlichen Pfarrer nach Anordnung des Bischofs nicht getraut werden (er segnete dann das Paar), weil der junge Mann seit seinem Unfall impotent war. Der Canonicus §1084, 1 besagt:
    „Die der Ehe vorausgehende und dauernde Unfähigkeit zum Beischlaf, sei sie auf Seiten des Mannes oder der Faru, sei sie absolut oder relativ, macht die Ehe aus ihrem Wesen heraus ungültig.“
    Also eine „natürliche Folge“ eines schweren Unfalles: Impotenz „macht eine Ehe aus ihrem Wesen heraus ungültig“. Die geistig-seelische Dimension einer menschlichen Beziehung wird also auf eine Körperfunktion reduziert und eine rein materialistische, aber den Naturgesetzen entsprechende Körperfunktion ist alles bestimmend für die Gültigkeit einer Ehe. Ist das die Moral und Ethik, die uns weiterbringt? Dann doch lieber „den Weg des ethischen Relativismus auf individuellem Niveau“, wobei im Einzelfall das individuelle Niveau sehr hoch und weit weg vom gewöhnlichen Egoismus angesiedelt sein k a n n.
    Viele Grüße, Barbara 1

  3. Herrlich! Genauso wie du in dem Artikel habe ich mich immer mit dem Papst gefühlt. Er lässt ja eigentlich alle wesentlichen Fragen offen. Da widerspreche ich ihm ja gar nciht, wenn ich mir mein eigenes Weltbild mit Werten kreiere…

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