Ein paar Gedanken zum Zölibat

Nach dem kelien Ausblick auf die Interessenlage der letzten Zeit, will ich kurz mal abhandeln: Ist das Zölibat schuld am Missbrauch? Ich könnte mich kurz fassen und einfach beherzt: Nein! rufen. Für mich war das der erste Impuls, als die medial geprägte Gesellschaft einheitlich in diese Kerbe schlug. Und bis heute bleibe ich bei dieser Auffassung, auch wenn meine Küchenlogik vielleicht zu kurz greift.  Müssten denn nicht dann auch alle anderen 99% der Päderasten zöllibatär leben? Oder, anders gefragt: würde nicht zwangsläufig die Familie von der Keimzelle der Gesellschaft zur Folterkammer Schutzbefohlener pervertieren, da ja der medialen Gesellschaft auch bekannt sein müsste, dass die allermeisten Mißbrauchälle im Schutze der Familie stattfinden, jeden Tag, auch jetzt. So sehr ich die Empörung teile, wie sich der Umgang mit den Schweinepriestern bis vor einigen Jahren in der Kirche abzuspielen schien, dem Versetzen von hier nach dort, etc. –  so sehr wird auch klar, dass die Kirche bereits vor der medialen Flutwelle ihre Regularien im Umgang mit dem Thema Missbrauch geändert hatten (kann man nachlesen – kostet Zeit, eignet sich nicht für Schlagzeilen).

Nicht nur das:  es kommt mir so vor, dass der Umgang mit priesterlichen Verfehlungen einer anderen Tradition folgt als die des Zölibates. Das Zölibat ist ein Gelöbnis, welches aus freien Stücken von erwachsenen Männern abgelegt wird.  Sie wissen also im besten Falle, worauf sie sich einlassen (deswegen tun es ja auch immer weniger).  Die Kirche kann froh über jeden sein, der so fest gereift ist, dass er mit dem Gelöbnis auch jene Freiheit erfährt, die er zum Wohle seines Glaubens, der Kirche und seiner Gemeinde einsetzen kann. Die andere Tradition, jene etwas männerbündleriche, innerkirchliche Tendenz, den Altarraum sauber zu halten, indem man den Dreck hinters Chorgestühl fegt, ist eine, die hoffentlich immer weniger Rückhalt in der Kirche erfährt und zu Staub verfällt. Gerade in Deutschland hat eine solche Tradition auch keine Zukunft. Die Gemeinden werden kleiner und rücken somit ihren Bischöfen auch nach und nach mehr auf die Pelle.

Und mir scheint, die hingehen wissen eigentlich nicht warum sie hingehen. Wozu eigentlich katholisch? Im Grunde sagt ihnen der Papst nichts mehr, das Zölibat ist lästig, die Sexualmoral spricht die Menschen auch nicht an, weil sie sie nicht verstehen, es gibt Streit über die Riten, Streit um die Frauenordination, die Laien in der Kirche. Und Priester? In einer Do-it-yourself-Gesellschaft? Es geht um einen Haufen kleine Gesellschaften zu organisieren scheint, nicht um eine Gemeinschaft die sich einem Glauben verschrieben hat und damit seinen Traditionen. Warum lehnen Menschen eigentlich Traditionen ab?

Könnte sagen: ist nicht meine Problem! Aber irgendwie sorge ich mich schon um den Verfall der großen Mahner in einer Gesellschaft die sich nicht beschränken lernt. – Immerhin bin ich bekennender katholischer Atheist.

7 Antworten

  1. So, ihc hatte was geschrieben, und aus Versehen weggeklickt, das bekomme ich jetzt nicht mehr hin… Vielleicht später.

  2. tja, was ist das? Ich suchte ein wenig nach einer Definition für das mich mit geprägt hat. Ob das nun wirklich katholisch war, weiß ich gar nicht mal. Die Menschen um mich herum definierten das so. Viele Geschichten auf die wir uns in unserem Kulturkreis beziehen sich auf christlich/jüdische Ursprünge. Die Moral und somit auch die Abgründe, die sie beschreibt, das Gute und seine Negation, Schuld, Sühne – all das findet sich in der katholischen Tradition und somit in einem riesigen Kanon euro/amerikanischer Kultur. Diese Wurzeln anzuerkennen oder wahrzunehmen ist, glaube ich, eine gute Grundlage andere Kulturräume zu verstehen.
    Andererseits: was fange ich mit dem was ich aus guten Gründen für nicht glaubhaft halte an? Mir wäre lieber ein göttlicher Geist durchströmte die Kirche, vielleicht wäre sie dann ein bessere Institution. Tatsächlich erkenne ich eher eine Hingebung Einzelner in einen Glauben, als einen durch Tradition eingemauerten Glauben. Aber das Göttliche erschließt sich mir nun mal nicht. Das macht mich wohl dann zum Atheisten.
    Und wieder andererseits wäre es schade in eine zunehmende Beliebigkeit der Werte ab zu driften. Wenn nur noch das Mögliche unser Handeln bestimmt, wird die Welt nicht besser. Da ist es mitunter vielleicht ganz gut, wenn anchronistisch anmutende Stimmen der Gesellschaft ein Gegenmodell zumuten, die eben Grenzen aufweisen. Oder so. Deswegen arbeite ich mich längs dieser Grenze ab. Und deswegen bleibe ich der Herkunft dessen, was mich kulturell, intellektuell und irgendwie moralisch prägt, verpflichtet. Und da fiel mir nichts besseres ein, als „katholisch atheistisch“ – auch als Abgrenzung zum Dawkinismus.

    • Lieber Nerone,
      meinst du, Werte sind beliebig, wenn sie nicht aus einem festgesetzten Kanon stammen?
      Ich glaube, dass Werte geschaffen werden. Wie dieser Vorgang vonstatten geht, kann man sicher genauer beleuchten. Man kann dabei auch auf das Wort „Gott“ verzichten, oder du kannst es, und ich tue es oder so. Aber jedenfalls bestimmen sicher äussere Umstände irgendwie mit, welche Wertvorstellungen für gut und richtig gehalten werden. Dennoch möchte ich fest daran glauben, dass wir Herr im eigenen Haus sind. WIR SELBST, und niemand anderes, bestimmen, was gut ist. Das ist doch der eigentliche moralische Kerngedanke. Wie kommst du darauf, dass sei beliebig? Es ist doch ein ganz klarer Gedanke.

      Wenn nur noch das Mögliche unser Handeln bestimmt

      Was meinst du damit bitte? Könntest du das genauer ausführen?

      • Die Beliebigkeit der Werte meint die Abwendung von bisher gültigen Wertekanon. Zwar liegt darin einerseits die Chance zur Veränderung, sozusagen zu einer Evolution der Ideen. Jedoch unterliegt nicht selten eine Relativierung von Werten, wie sie bis dahin galten einer rein individualistischen Weltwahrnehmung. Wenn es also für den Einzelnen gut ist eine Grenze zu überschreiten, dann mag er das tun. Das führt aber immer auch zu einer Konfrontation mit dem worauf sich Gesellschaft beruft, ihre grundlegenden Werten. Da entstehen Probleme. Darin liegen dann die großen Themen: Euthanasie, Schwangerschaftsabbruch, Selbstbestimmtheit, Sexualität, Bodyforming, Altern, Tod, etc (hierin steckt sozusagen „das Mögliche“). Wir mögen zwar die Herren unseres eigenen Hauses sein, aber als soziale Wesen sind wir von dem, worauf die Gesellschaft sich einigt. Das heißt auch, das wir verantwortlich sind uns an diesen Themen auch außerhalb unseres Hauses zu beteiligen. Also auch laut auf zu schreien, wenn sich jemand Botox spritzt z.B. und die Medien anfangen zu sagen: Ohne Botox bist nur ein halber Mensch!

      • Jetzt verstehe ich besser was du meintest. Trotzdem, gerade das Beispiel mit dem Botox ist ja eines, das zeigt: hier entstehen neue Werte, wie die Selbstbestimmung über den Körper im Zeitalter allgemeinzugänglicher SchönheitsOPs. Ist doch ganz neu. Auch dass Frauen gegen den allgemeinen Zeitstrom schwimmen dürfen, sich nicht einzufügen haben, ist immer noch ein neuer Wert, ein sich entwickelnder Wert. Das bleibt doch nicht gleich, sondern verändert sich im Verlauf von kurzer Zeit.

  3. Du, wie definierst du bitte „katholischer Atheist“?

  4. Ja, all deine Überlegungen könnte ich soweit unterschreiben, Nerone. Ich hatte diese Fragen auch sehr lange Zeit im Kopf. Der Zölibat, und auch andere Traditionen, auch die wunderbaren Sakramente der katholischen Kirche sind doch Perlen in einem Schatzkästchen, ein Erstgeburtsgeschenk, dass man nicht für einLinsengericht herschenken sollte. Es gibt keine Antwort daruf, jedenfalls nciht für mich.
    Ausserdem konnte ich feststellen, das gewisse Fragen, die doch im Zentrum von Religiösität stehen sollten, dort in der Vergangenheit vorhanden waren, heute aber überhaupt nicht mehr gestellt werden. Was ist eigentlich eine frohe Botschaft? Wer ist es, der mir diese überbringt? Warum gibt es im Islam eine solche Überbetonung des Wortes, insb. des geschriebenen? Was ist Fleischwerdung, und wie geht das vor sich? Was hat Maria getan?

    Überhaupt interessieren mich vorwiegend solche Überlegungen, die sich aus einer LIEBENDEN BEZIEHUNG zu den Wesen ergeben, von denen Religion spricht.

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