Von einem Pionier

Also, liebe Zweifler an dem Sinn der Aufarbeitung: wir leben mitten drin, alle, in diesen Kräften, die wir entweder zu lesen verstehen, oder eben nicht. Und wenn wir nicht mitleiden mit Gescheiterten (und wer ist nicht gescheitert: Christus, Gandhi, Martin Luther King, Dutschke, Steiner…), dann verstehen wir nichts, wird in uns nicht Neues beginnen.

Arfst Wagner schreibt hier in einem beinahe emotional wirkenden Beitrag so etwas wie einen Apell sich der Geschichtsbetrachung zu stellen. Der Ton wirkt bald schon resignativ.

Dagegen antwortet M. Eggert fast trotzig und aufmunternd dem „Pionier“ Wagner, dass mit den Mitteln des Netzes die Arbeit fortgesetzt würde. Eine Arbeit der Kritik und der Aufarbeitung, an der man nicht vorbei käme, eine Arbeit die dahin führt, dass man sich unausweichlich seiner Geschichte stellen muss. Eggert war einer der ersten Anthronauten hier in der Sphäre, denen ich begegnete und die ich mit dem identifizierte, was ich bis dahin unter anthropsophischer Wirklichkeit verstanden hatte. Bis dahin kannte ich ja nicht die folgende Geschichte:

Er (Uehli – Anm. nerone) hat aber im Grunde nur breit getreten und so richtig satt rassistisch gemacht, was schon von Steiner über die Rassen gesagt wurde. Uhli hat das eben ganz anders aufgefasst und beschrieben, was heute in deutschen und dornacher Kreisen so gern relativiert wird. Die verbreitete anthroposophische Aufarbeitung und Interpretation war eben rassistisch. Es war ein sehr verbreitetes Buch in der Szene und gehörte zur Pflichtlektüre jedes Waldorflehrers. Das ist alles schon sehr, sehr peinlich.

schreibt Eggert zum Ende seines Kommentares.

So oder ähnlich sehe ich das auch

Eine Antwort

  1. Recht hat der Mann wenn es darum geht sich seiner Geschichte stellen zu müssen.
    Wenn ich mir ansehe das es mir mit 28 Jahren Probleme bereitet meine persönliche Geschichte aufzuarbeiten und mich ganz privat den Höhen und Tiefen zu stellen … wie schwer muss es dann einer Institution fallen öffentlich solche Geschichtsaufarbeitung zu betreiben?
    Ich glaube das es für einen solchen Prozess viel Vertrauen gegeben sein muss. Ich würde es nicht zulassen mir von einem Menschen der nie Alkohol getrunken hat aufzählen zu lassen wie oft ich auf verschiedenen Partys zu viel getrunken habe. Ich hätte den Eindruck das er das 1. nicht tut um mir zu helfen 2. nicht nachvollziehen kann wie soetwas passieren kann und 3. eine oder mehrere verborgene Motivation hätte die er mir verschweigt … kurzum ich hätte kein Vertrauen zu einem solchen Menschen und würde ihm nicht zutrauen mir irgendwie weiterzuhelfen. Und obwohl ich weiss das seine Fakten richtig sind und ich selbst die Folgen meiner Fehltritte deutlich gesehen habe .. von diesem Menschen könnte ich sie nicht annehmen.
    Ich weiss nicht ob die Idee das man Vergangenheitsbewältigung bei anderen induzieren kann realisierbar ist. Man kann Menschen die sich danebenbenommen haben stigmatisieren und aus der Gesellschaft ausgrenzen … aber werden sie dadurch zu besseren Menschen? Hat die Gesellschaft etwas davon?
    Zu allem Überfluss reden wir von einer Zeit und von Menschen die schon so weit zurückliegt das es schwer fällt sich richtig zu erinnern. Wer hat sich nicht alles in der Retroperspektive selbst zum Wiederstandskämpfer stilisiert weil er einmal eine Depesche nicht weitergeleitet hat oder von einem Verfolgten wusste und ihn nicht anzeigte? Es ist inzwischen glaube ich bewiesen, das wir Menschen uns unsere Vergangenheit individuell zusammenbasteln.
    Genauso wie ich der Meinung bin das es schwer genug ist sich selbst zu ändern und man nicht damit anfangen sollte andere zu ändern … so finde ich auch das man mit der Vergangenheitsbewältigung bei sich anfangen sollte. Es wird sich so oder so nicht mehr restlos ausklären lassen was in der Vergangenheit alles schiefgelaufen ist … das geht vieleicht noch mit der letzten Woche aber schon mit dem 11.9.2001 haben wir ganz fiese Probleme damit.
    Will man die Geschichte einer Institution aufbeiten dann führt eine verständnisslose Grundhaltung ganz sicher nur dazu das diese Institution sich passiv dagegen zu wehren versucht. Oder man erreicht irgendwann ein Verbot dieser Institution, damit ist ihr dann ultimativ der Weg verbaut sich zu verändern. Das da jemand die Anthroprosophie verbieten lassen will ist ein Eindruck den man bei dieser Thematik aus Sicht der Anthroprosophie leicht bekommen kann. Es hat solche Forderungen schon gegeben und auch im Kontext von Rassismusvorwürfen. Kann man das den Leuten übel nehmen die auf der Anderen Seite erklären dürfen das Eurythmie und Homosexualität ursächlich nichts miteinander zu tun hat?

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