Hätte ich gern…

Ich hätte gern eine konfessionslose Waldorfschule.

38 Antworten

  1. Homogenität bezeichnet die Gleichheit einer Eigenschaft über die gesamte Ausdehnung eines Systems (Wikipedia). Ich bin bei dem Begriff eher mathematisch/physikalisch geprägt und denke weniger an Milch sondern eher an Homogene Felder.

    Ich meinte mit der wirklich etwas unglücklichen Formulierung das man als Lehrer mit dem was man unterrichtet gleichzeitig mehrere Schüler ansprechen muss. Da die Schüler aber in den seltensten Fällen alle auf dem gleichen Wissensstand oder gleich Aufnahmefähig sind muss er Kompromisse eingehen und von der ganzen Klasse einen gemittelten Wissensstand, Aufnahmefähigkeit und Lernbereitschaft annehmen.

    Das läuft auch an Regelschulen, Unis, bei Vorträgen, im Bundestag oder bei Wahlveranstaltungen so. Einer redet und spricht seine Zuhörer so an wie er glaubt das die meisten es verstehen. In einem Kurs für Fortgeschrittene werden die Inhalte des Anfängerkurses als gegeben betrachtet, im Bundestag ein gewisses Vokabular und auf der Wahlveranstaltung ein gewisses gemeinsames Interesse angenommen.

    Also Pasteurisiert und Ultrahoch erhitzt ist nicht notwendig mit homogenisiert zu verbinden. Es sind Methoden um Flüssigkeiten Homogen zu machen. Bei virtuellen Gruppen (die Schulklasse) ist Homogenität nur eine Betrachtungsweise denn die Schüler bleiben wie die Moleküle oder Atome der Milch sowieso inhomogen.

  2. Hallo Marco,

    ich denke schon, dass die von Herrn Täubler angeregte Lektüre von „Erziehung zur Anthroposophie“ von Prof. Klaus Prange hilfreich, informativ und spannend sein könnte – auch für Sie.

    Worum geht es denn? Sehr wichtig doch vor allem, dass man in die Lage versetzt wird, eigene Erfahrungen – Ihre Erfahrungen – einzuordnen, dass man nicht immer gebannt auf den Einzelfall schaut.

    Den einzigen „Vorwurf“, den man Prange machen könnte, ist, dass er das [Zitat Prange] „Steiner-Projekt“ zu gut versteht: er ist einer der kundigsten Anthroposophen, die ich kenne, weiss weit mehr als jeder durchschnittliche Waldorflehrer. Da mag das ein oder andere praxisfremd erscheinen, ist es aber nicht.

    Zu Martin, Zitat:

    „Ein Lehrer der seine Klasse homogenisiert kann sie als Ganzes adressieren … das stellt eine notwendige Arbeitserleichterung bei der verfügbaren Kraft und Zeit dar.“

    Mindestens eine unglückliche Formulierung.

    Ich kenne „homogenisiert“ eigentlich nur von der Milch, dazu fällt mir nur noch „pasteurisiert“ und „ultrahocherhitzt“ ein. Dass man so mit Menschen umgeht – und das auch noch als notwendig betrachtet: interessant …

  3. Letztlich redet hier doch jeder über Dinge von denen er/sie keine Ahnung hat. Gerade wenn man aus dem einen System das Andere zu beurteilen versucht.

    Herr Täubler, danke für ihren freundlichen Hinweis. Seine Kernaussagen kenne ich und irgendwo auf diesen Seiten findet Prange auch erwähnung. Was hat aber der Blick des Wissenschaftlers Prange mit der Wirklichkeit gemein?

    Ich bin etwas jünger und sehe das vielleicht anders als Sie, aber für mich zählt in erster Linie die eigene Erfahrung. Da ich also noch munter durchs Leben schreite bin ich dabei diese erfahrung zu sammeln. Dazu gehört auch der kritische Blick auf das System, welches ich als alternative für meine Kinder zu dem Dreigliedrigen System auswählte. Ich habe aber keine „heile Welt“ gewählt“. Ich bin weit davon entfernt alles zu entschulden was die Waldorfwelt bereit hält. Im Gegenteil! Sie macht mir bloß keine Angst. Auch hier wieder: Im Gegenteil! Je mehr ich mich damit beschäftige, kann ich die Elemente, die ich ablehne auch argumentativ formulieren und deutlich machen. Dennoch baucht es mehr als den Blick aus dem Wachturm um die Menschen, die Umstände und die Qualitäten zu verstehen, die in Systemen operieren. Ich bin also ein wald und Wiesenforscher. Und dieser Blog ist mein Forst.

    Schön, dass Sie uns besucht haben.

    Mit freundlichen Grüßen

  4. Sie machen mir aber Spaß werter Herr Täubler.

    Sie haben scheinbar ‚überlesen‘, das ich als Grundproblem warum man sich als Lehrer die Arbeit so erleichtern ‚muss‘ das Verhältnis Schüler/Lehrer benenne. Das hat wenig überraschend etwas mit Geld zu tun und stellt für mich die Ursache dar warum es keine hinreichend perfekte Schule mit individuellem Ansatz gibt. Zwar ist Qualität nicht durch Quantität zu ersetzen, aber die Aufmerksamkeit des Lehrers ist genau wie die jedes anderen Menschen nicht wirklich teilbar.
    Die Klassen werden (obskur hin oder her) auch an den Regelschulen homogenisiert. Dort findet man aus meiner Sicht sogar einen leicht höheren Anpassungsdruck.
    Und sich bei einer Darstellung mit der man etwas aufzeigen möchte nicht von Zwischenfragen/Grundsatzfragen aufhalten zu lassen nennt man ganz schlicht Monolog, Vortrag oder Rede und nicht Diktatur … eine Kommunikationsform die auch außerhalb der Waldorfschulen weit verbreitet ist.

    Ich beschäftige mich zwangsläufig mit Waldorfpädagogik denn ich bin mein halbes Leben maßgeblich dadurch geprägt worden. Ich werde aber nicht Prange lesen nur weil Sie das für nötig befinden. Meine Liste mit noch zu lesenden Büchern umfasst wesentlich wesentlich wichtigere Dinge die überhaupt nichts mit Anthroposophie im weitesten Sinne zu tun haben.

    Nur weil sie etwas älter sind und meinen mich einordnen zu müssen (anhand von ein paar hundert Wörtern?), muss das nicht heißen das Ihre Annahmen irgendetwas mit der Realität zu tun haben.

    Wenn ich behaupten würde das die leichte Wahrnehmungseinengung, die Sie dazu bewegt hat mich ziemlich aus dem Zusammenhang zu zitieren und Dinge die an jeder mir bekannten Schule/Uni vorkommen „Obskur“ zu nennen, damit zu tun hat das sie bestimmte Dinge sehen wollen ohne wirklich hinzusehen … dann hätten sie völlig recht damit das ich einfach keine Ahnung habe wer die paar Zeilen geschrieben hat die mich gerade ein bisschen aufregen.

  5. Sehr geehrter Blogger,

    also, ich bitte um Verzeihung,

    ich bin mit den Tiefen des Internets (bin schon etwas älter) nicht so vertraut,

    Ich bin gerade mal einigen anderen Links Ihrer Seite gefolgt, und war dann hier wohl doch vollkommen falsch.

    Wie gesagt, werter Blogger, wenn Sie sich tatsächlich mit Waldorfpädagogik beschäftigen wollen, sei Ihnen Prange empfohlen.

    Ich verbleibe mit herzlichen grüßen, trotz alledem,

    H. J. Täubler.

  6. Zitat:

    „Ein Lehrer der seine Klasse homogenisiert kann sie als Ganzes adressieren … das stellt eine notwendige Arbeitserleichterung bei der verfügbaren Kraft und Zeit dar.
    Eine „notwendige Arbeitserleichterung“?“

    Ich lese hier jetzt zum zweiten Mal, habe nicht alle möglichen vorausgegangenen Eintragungen und Kommentare gelesen, aber es scheint mir doch recht obskur zuzugehen.

    Zitat:

    „Wer als Lehrer einführt das seine Aussagen nicht zu hinterfragen sind kann sich wesentlich tiefer oder weiter in bestimmte Richtungen bewegen ohne sich an Grundsätzlichen Fragen (die auch oder gerade schon von Fünfjährigen kommen) aufzuhängen.“

    Ja, es lebe die Diktatur und die autoritäre Erziehung, Alles andere ist unpraktisch und bereitet den Herrschenden unnötige Umstände. Und „was“ ist schon das Dasein eines Fünfjährigen im Vergleich zur Arbeitserleichterung eines erwachseneren Lehrers!

    Mit befremdlichen Grüßen, H.J. Täubler

  7. Ich möchte nochmal auf dem Frontalunterricht rumreiten, auf der nicht individuellen Förderung und auf der anscheinend willkürlichen Gleichschaltung der Schüler (oder Einteilung in 4 Temperament-Gruppen) sowie das „Der Lehrer hat recht“ Phänomen: Das alles läßt sich IMHO nur mit einem wesentlich anderen Mengenverhältnis von Schülern und Lehrern bewerkstelligen.
    Ein Lehrer der seine Klasse homogenisiert kann sie als Ganzes adressieren … das stellt eine notwendige Arbeitserleichterung bei der verfügbaren Kraft und Zeit dar. Wer als Lehrer einführt das seine Aussagen nicht zu hinterfragen sind kann sich wesentlich tiefer oder weiter in bestimmte Richtungen bewegen ohne sich an Grundsätzlichen Fragen (die auch oder gerade schon von Fünfjährigen kommen) aufzuhängen. Beides Kompromisse die weit weit von einer idealen Schule entfernt sind aber die dem Lehrer das Arbeiten erleichtern.

    Ganz kurz noch zu der Frage „Wer ist frei (von Weltanschauungen) [davon] und warum sollte man das überhaupt wünschen?“
    Die Pluralisierung der Gesellschaft sowie die kulturelle Globalisierung fordert zunehmend Menschen die andere Kulturen nicht von der Warte der eigen Kultur sondern von einer globalen Perspektive betrachten. Wenn man sich klar darüber werden will was die eigene Kultur ist, dann kann man das nur indem man sich bewusst man wie sie einen prägt. Ich wünsche mir frei von Dogmen zu sein und von Weisheiten die Erkenntnisse anderer sind, sie haben mir früher sehr geholfen aber als kreativ Schaffender stehen sie heute als Autoritäten in meinem Weg.

  8. Sehr geehrter Blogger,

    Ihr Eintrag beschränkt sich auf einen Satz.
    Ich frage mich, was das sein soll, eine „konfessionslose Waldorfschule“?
    Meinen Sie eine Waldorfschule ohne Anthroposophie, also ohne ihre ureigene Grundlage und Zielsetzung?

    Das wäre so wie katholische Kirche ohne Bibel. Eine seltsame Vorstellung.
    Wenn Sie das Buch von Rüdiger Ivan durchgelesen haben, empfehle ich Ihnen Klaus Prange: Erziehung zur Anthroposophie. Darstellung und Kritik der Waldorfpädagogik, Bad Heilbrunn 2000.

    Der oder die Autoren der Seite „NWA“, auf die sie verlinken, haben den renommierten Pädagogikprofessor bereits gelesen und wie der aktuelle Eintrag verdeutlicht, auch verstanden.

    Falls Ihnen eine tatsächliche kindgerechte Erziehung vorschwebt, verstehe ich nicht, wie sie das mit Waldorfschulen in Einklang bringen wollen, die doch stattdessen ausdrücklich eine anthrogerechte Zielsetzung intendieren und realisieren.

  9. Hallo Felix,

    Ich lese gerade bei Iwan dem Schrecklichen. Der rüttlet ein wenig an den Pforten. Bin gerade bei Seite 100 und frage mich – wie will man das alles Stemmen, was er kritisiert? Zumal es kaum zentralisierende Strukturen gibt, etc.? Andererseits weiss ich das der Portfoliogedanke bei den Lehrern der Oberstufen angekommen ist. In Düsseldorf wird das in Hiblick auf die Jahresarbeiten untersucht und weiterentwickelt. Wie ich finde mit wachsender Kompetenz.

    Ja: Zur Freiheit erzihen, was heisst das eigentlich? Darüber müssen wir nochmal debattieren! Jetzt fehlt für Vieles die Zeit. Deswegen nur einen kurzen Gruß.

  10. Lieber Marco,

    wie gesagt: ich verstehe ganz gut, was du meinst.
    Drum nur noch einen kleinen Hinweis zu einem der angesprochenen Aufstoß-Anlässe, an dessen Für und Wider ich immernoch operiere: die Frage, wie man – methodisch – „zur Freiheit“ erzieht.
    Mit dieser Frage beschäftige ich mich nun schon (um Jotteswillen) 2 Jahrzehnte und bislang hat mir pädagogisch-konzeptuell der Ansatz von Rebeca Wild mit Abstand am besten gefallen.

    Hast du, by the way, schon den aktuellen Rüdiger Iwan gelesen (Die neue Waldorfschule – Ein Erfolgsmodell wird renoviert)? – Gefällt mir sehr gut.

  11. Mir ist das in der bislang bekannten Praxis auch zu eng. Viel zu eng. Das liegt aber nicht am Prinzip „Weltanschauung“, sondern an der Regentschaft von Phantasielosigkeit, Traditionalismus, Unselbstständigkeit und christlichem Konfessionalismus unter Steiners Erben.

    Das ist der Schuh um den es mir geht. Da ich im System stecke versuche ich auch aus dem System heraus zu argumentieren. Die Weltanschulichkeit ist das eine, die Konfessionsgebundenheit das andere. Der Geruch mancher Inhalte missfällt mir, so wie auch die Rückwertsgewandtheit der Mittel. Insofern danke ich dir für das obige Schlußwort. Es ist das was ich kritisiere.

    Das mit der Weltanschauung sehe ich in Details anders. Sicher ist es richtig, dass ein verändertes BEwusstsein insichtlich der Vorstellungen, was den Kindern gut tut vereinen kann. Andererseits gibt es auf dem Weg dennoch genug Trennendes. Das zu entdecken ist vielleicht immer schmerzhaft. Da die Schulen aber als Initiative firmieren ist es umso schwiergier, wennman feststellt, dass man als Eltern nur Zaungast zu sein scheint. Ich kann sagen, aus eigenr Erfahrung,: Dem ist nicht so. Man kommt zu Gesprächen. Dennoch ein mühsamer Weg, weil man immer wieder mal an Punkte kommt, wo man lieber ginge als bliebe. … Dann erst greift bei mir der Vergleich. Dann erst stellt sich die Frage: Wo gehe ich mit den Kindern denn hin?

    Es geht doch dort los, wo im Regelsystem, das sich als reine Bildungsvermittlungsstelle versteht, Defizite gesehen werden.
    Das ist allerdings ein Bild, dass mir die Sturheit der Lehrer auch in WS vermittelt. Aus irgendwelchen Gründen werden die kleinen Kinder gleich geschaltet. Es gibt nur das System der Temperamente, eine individuale Förderung scheint nicht statt zu finden. Die Kinder entwicklen sich aus Zufall und durch den Willen der Eltern. (Bitte: das ist eine Einseitige Darstellung besorgetr Eltern!) Das mag nicht anders als auf Regelschulen sein. Aber warum sollte ich dann das hinnehmen, was ich nicht verstehe oder ablehne? Frontalunterricht, lesen mit bescheuerten Texten, was der Lehrer sagt ist Gesetz, etc… Was ist daran bitte Erziehung zur Freiheit? Naja, mal Dampf abgelassen… Danke jedenfalls für den Kommentar…

  12. Lieber Marco,

    es geht wohl eigentlich um mehrere Themen. Ich fange mal dort an, wo m.E. die Wurzel liegt😉

    Ich halte den Vergleich mit der Regelschule nicht nur für legitim, sondern für grundlegend wichtig. Es muss ja einen Grund geben, warum Eltern nach Alternativen zur Regel suchen und dann u.a. die Waldorfschule wählen. Das Problem besteht aus meiner Sicht darin, dass man meint, das Angebot einer Alternative könne bzw. müsse ohne einen bestimmten „weltanschaulichen Hintergrund“ sein. Das ist aber schlechterdings unmöglich, denn eben durch eine von der regulären abweichende Weltanschauung kommt es überhaupt erst zum Bedürfnis nach Alternativen; das gilt auch für die suchenden Eltern. Ich weigere mich nachdrücklich, mich der etablierten Unsitte zu beugen und unter „Weltanschauung“ verengend etwas zu verstehen, das dem modernen, wissenschaftlichen Zeitgeist und rationaler Welterklärung prinzipiell entgegensteht und dem Privatbereich des Glaubens zuzuordnen ist. Für diesen Umstand gibt es einen passenden Begriff: Religion. Religion kann konstitutives Element einer Weltanschauung sein; letztere erschöpft sich aber nicht in religiösen Inhalten, selbst dort, wo sie massiv vorhanden sind. Es handelt sich bei einer Weltanschauung – um mal einen treffenden Satz aus Wikipedia zu zitieren – um eine „auf Wissen, Erfahrung und Empfinden basierende Gesamtheit persönlicher Wertungen, Vorstellungen und Sichtweisen, die die Deutung der Welt, die Rolle des Einzelnen in ihr und die Sicht auf die Gesellschaft betreffen.“ – Wer ist frei davon und warum sollte man das überhaupt wünschen?

    Es geht doch schon bei dem vielfach gerade auch von nicht-anthroposophischen Eltern geteilten Wunsch nach „kindgemäßer“, „ganzheitlicher“ Schulerziehung los; bei dem Wunsch nach einer gleichwertigen Ausbildung von „Kopf, Herz und Hand“. Es geht doch dort los, wo im Regelsystem, das sich als reine Bildungsvermittlungsstelle versteht, Defizite gesehen werden. Dass sie gesehen werden, liegt an einer abweichenden Weltanschauung; die Menschen- und Gesellschaftsbilder, die den Vertretern der Regelschulen auf der einen und den nach Alternativen suchenden Eltern auf der anderen Seite eignen, stimmen nicht überein; sie unterscheiden sich zum Teil drastisch. Und selbst über die Ziele und Zwecke schulischer Ausbildung besteht längst kein gesellschaftlicher Konsens mehr (vgl. die aktuelle Debatte um G8).

    Man kann alternativpädagogischen Angeboten m.E. nicht zum Vorwurf machen, dass sie eine bestimmte Weltanschauung vertreten. Eben darin liegt ihre Basis und es ist letztlich sogar dasjenige, was ihre Berechtigung ausmacht. Man kann und sollte allerdings einfordern, dass diese Weltanschauung möglichst transparent gemacht und die Art und Weise explizit reflektiert wird, in der sie in den Unterricht einwirkt (das unterbleibt bei Regelschulen völlig, weil man der Illusion weltanschaulicher Neutralität anhängt, als sei ein staatlich regulierter Lehrplan und der Verzicht auf Kreuze, Kopftücher und Heilandsgeschichten Garant für die Abwesenheit von willkürlichen und kontrovers beurteilbaren Zweck- und Sinnbestimmungen).

    Detlef Hardorp, mit dem ich vor über 10 Jahren dieses Thema bei den „Waldorfs“ diskutiert habe, versicherte mir, dass die meisten Waldorfschulen inzwischen dazu übergegangen seien, die ehemals freiwillige „Elternschule“ – Informationsabende für interessierte und neue Schuleltern – verpflichtend anzubieten, um Ahnungslosigkeiten im Vorfeld zu vermeiden. Ich habe keine Ahnung, inwieweit das flächendeckend so gehandhabt wird und was Inhalt dieser Informationsveranstaltungen ist; vielleicht gibt es da noch Verbesserungsbedarf.

    Meines Erachtens liegt übrigens die größte Stärke der Anthroposophie in der heutigen Zeit genau in dem Umstand, dass sie ganz bewusst Weltanschauung sein will; sie könnte sich selbst quasi als Werbeveranstaltung für einen neu formulierbaren „Mut zur Weltanschauung“ betrachten. Denn in der Opposition gegen das Ideal einer aseptischen, wertneutralen, „objektiven“, interesselosen und rein äußerlichen Betrachtung des Lebens – das ohnehin nie zu erreichen ist, aufgrund des blinden Fleckes namens „selbstvergessener Beobachter“ aber nach wie vor angestrebt wird – besteht ihr Wesen.
    Mir ist das in der bislang bekannten Praxis auch zu eng. Viel zu eng. Das liegt aber nicht am Prinzip „Weltanschauung“, sondern an der Regentschaft von Phantasielosigkeit, Traditionalismus, Unselbstständigkeit und christlichem Konfessionalismus unter Steiners Erben.

  13. Hallo Felix,

    Dem Vergleich mit den Regelschulen gehe ich mal einfach aus dem Weg. Ich rede ja von einer Waldorfschule! Meine Kinder besuchen eine solche. Ich bin mir auch bewusst, dass es um ein Problem der Eltern geht, die auf die Schule der Kinder blicken. Es ist ganz wenig ein Problem des Kindes. ICH störe mich an Inhalten, ICH beanstande Inhalte. ICH tue es an meiner Kinder statt, so wie ich für diese die Schulwahl traf.

    Würde die Weltanschaung explizit gemacht und reflektiert werden, dann gebe es kaum Probleme, denn dann wüsste man als Eltern vorher was Waldorf nachher manchmal bedeuten kann. Stark „christlich“ wäre ja noch was… Aber egal. Mir geht es um das Festhalten an Texten um einer Tradition willen, die eigentlich nicht Bestandteil des Unterrichts sein sollte. Diese Tradition, die so alt nicht ist, gehört m.E. in den Religionsunterricht. Sonst verschliesst sich die Schule anderen Konfessionen. Das kann ich ganz persönlich reflektieren und dann sagen, die Waldorfschule ist eben nichts für mich – oder es könnten die Waldorforganisationen das thematisieren und reflektieren. Je nach Gusto hört man mal ein JA und mal ein Nein zu der Frage, ob Waldrofschulen eine weltanschauliche Schule seien. Watt denn nu? Und welche Weltanschauung? Und warum?

    ICh z.B. habe keine Probleme damit mit dem Füller über Inhalte zu wischen, die meine Kinder im Unterricht mitbekommen. Ich wage sogar den offen Widerstand zu dem Spruch: „Der Lehrer hat aber gesagt…“ Aber ist es das was du mit reflektiert meinst?

    Übrigens: Ich rege mich über einen Teilaspekt auf, der mich sehr aufgeregt hat. Es bleibt dabei, dass ich viele Ansätze schätze und auch deren Sinn erkenne. Gerade im Vergleich mit solchen Kindern, die nicht auf der WS lernen. Neulich erst mal so einen Vergleich ziehne können.

    Was die Lehrmittel angeht bestand bei dem Jungen vieles aus Schnellheftern und ein paar Büchern. MIr schienen gerade die Übungsblätter den Prinziep Zufall zu folgen. Was hängen bleibt, bleit hängen. Grammatik wird zwar beigebracht, aber nicht „hinterlegt“. Die Schreibübungen weisen den selben Stand auf, wie die meines Sohnes. etc.

    Das Problem mit der Vorstellungskraft teile ich mit vielen Eltern sicherlich auch. Ich leide vor allem unter dem Defizit in den Fremdsprachen. Was ich für einen Standortvorteil hielt scheint zu verpuffen. Trotz Beschäftigung seit der ersten Klasse müssen die Kinder in den höheren Klassen ziemliche Defizite aufweisen. Aber so kommen wir zu einem anderen Thema…

    „eigenverantwortlichen und willentlichen “ – dazu kann ich nur sagen, dass die Kinder ohne den Rückhalt zu Hause nicht ihren Stoff erlernen könnten. Das ist unter Erfahrung zu verbuchen. Da sind wir vor allem bei den Fremdsprachen gebeutelt (schon wieder.) und misstrauisch geworden. Die Didaktitk liegt beim Lehrer und nicht bei der Pädagogik. Deswegen sollten auch die Lehrer entsprechend gut ausgeblidet mit den Schülern umgehen. Ich erkenne Defizite. Ich bitte den VErgleich zu Regelschulen zu vermeiden. Er wäre fehl am Platze. Wenn die Alternative zu einer Alternative die Regel ist, dann brauchen wir keine Alternative! Deswegen halte ich Argumentation mit Vergleichen für schwierig!

  14. Lieber Marco,

    wohl weiß ich ganz gut, was dir da sauer aufstößt – ich habe es schon zu meinen Schulzeiten und danach, auch öffentlich, kritisiert.
    Trotzdem: Ich glaube nicht an die Möglichkeit einer „weltanschaulich neutralen“ Pädagogik bzw. an einen nicht-weltanschaulich geprägten Unterricht. Worum es m.E. nur gehen kann ist die Frage, inwieweit die in den Unterricht hineinwirkende Weltanschauung reflektiert und explizit gemacht wird. Da haben Waldorfschulen Defizite; aber noch weitaus größere haben staatliche Schulen.
    Inzwischen bin ich außerdem der Ansicht, dass beispielsweise die stark „christliche“ Färbung der Waldorfinhalte in der Unterstufe nur dann wirklich problematisch ist, wenn sie auch im Elternhaus unkritisch weiterwirkt.

    Und zu Kai:
    Die Begründung für den Schulwechsel war auch bei uns ganz überwiegend leistungsbezogen. Wobei ich das für Blödsinn halte. Ich habe an der Mannheimer Waldorfschule das baden-württembergische Zentralabitur absolviert – mit der waldorfspezifischen Besonderheit eines verpflichtenden ersten LKs (Deutsch) und der riesigen Auswahl zwischen Mathe, Englisch und Französisch als LK 2. Mit den Leistungskursen Kunst und Sport, wie das an dem einen oder anderen Gymnasium möglich ist, konnte man bei uns kein Abi machen, wobei das Oberstufenkollegium auf entsprechende Schüler- und Elternerregungen unisono immerzu dasselbe antwortete: Das Abitur ist ein Allgemeinbildungsabschluss und wer den haben will, sollte in der Lage sein, ihn in *allen Fächern* mit entsprechender Leistung zu schaffen.
    Das Problem ist, dass manche Eltern sich offenbar nicht vorstellen können, wie noch in der Mittelstufe reichlich drucklos vor sich hinschulenden Kids dann rechtzeitig „die Kurve“ kriegen sollen.
    Leider greift diese Phantasielosigkeit inzwischen auch in Waldorfkollegien um sich; das Vertrauen ins Konzept eigenverantwortlichen und willentlichen Lernens schwindet – m.E. zu Unrecht.

  15. glauben Sie wirklich, dass man mit ca. 2 Stunden Religionsunterricht pro Woche der permanenten anthroposophischen Beeinflussung entgegenwirken könnte?

    :-)))))))))
    Nun – dann machen wir vielleicht 10 Stunden Religionsunterricht, um die Schule zur weltanschaulichen Neutralität zu führen …

  16. Lieber Nerone,

    Sie haben sehr hohe Vorstellungen davon wie pluralisiert und ‚zur Freiheit führend‘ Erziehung sein sollte. Das kann man schon idealistisch nennen. Ich bewundere soetwas.
    Nun sind die Idealisten, die es wiederum für eine ideale Schulbildung bräuchte da draußen … und schon gar nicht unter den Lehrern breit gesäht.
    Sehen Sie so ein Waldorfschullehrer den gibt es in zwei Ausführungen; Entweder er/sie wusste schon vor der Ergreifung des Berufes, das es sein Ideal ist auf einer Waldorfschule zu lehren (Nachteil; stark Antroprosophisch). Oder aber (was ich für schlimmer halte) er/sie wollte eigentlich nicht Lehramt studieren musste dann aber doch und wollte eigentlich auf eine Regelschule, wurde aber nicht genommen/kam nicht klar, hat ein Jahr Fortbildung zum Waldorflehrer gemacht und hat jetzt einen Job. Ja Waldorflehrer machen eine einjährige Zusatzausbildung.

    Bleiben Sie engagiert, dann werden Sie auch persönlich in die Bildung Ihres Sprößlings eingreifen und Ihm die Resourcen mitgeben die man zum pluralistisch, aufgeklärten, kritischen und freien Denken braucht. Dazu muss zum Glück nicht alles super laufen mit der Bildung. Oft klappt das auch über den zweiten Bildungsweg namens Leben😉

  17. Hallo Kai,

    glauben Sie wirklich, dass man mit ca. 2 Stunden Religionsunterricht pro Woche der permanenten anthroposophischen Beeinflussung entgegenwirken könnte? Soll das ein wirksames Korrektiv sein?

    Ich glaube das nicht.

    Darüber habe ich mich auch mit offiziellen Vertretern der evangelischen Kirche gestritten, wohlgemerkt „gestritten“. Ich habe den Verantwortlichen erklärt, dass ich es für eine Riesendummheit – einen strategischen Fehler – halte, den Waldorfschulen ein Gratis Entlastung- „Argument“ zu liefern, Ihr Argument.

  18. Tröstend wäre mir ein Gedicht mit ästhetischer Relevanz.

    Sie wissen ja wie ich, dass der Lehrer einer Waldorfschule als Künstler auftritt.
    Das Kind dient ihm als Leinwand, dann wäre das Gedicht die Farbe.
    Mir gefällt die Farbe nicht.

    Zu den religiösen Inhalten: Sie lesen ja schon einige Zeit auf nerone. Ich bin ein Freund von Traditionen. ich neige dazu sie zu respektieren oder ich versuche mich darin. Ich umklammere gerne vielfältige Traditionen. Wir auch schon Besuch von Neuheiden, Nihilisten und vielen ungenannten , verborgenen Traditionen. Ein Spiegel dessen was Gesellschaft ausmacht. Wenn wir Glück hatten, waren Juden, Muslime, Hinduisten hier. Was ich an den Texten oben mitnichten beanstande ist ihre Ausrichtung. Es ist die Summe und in ihrer Summe ihre Einseitigkeit. Dann noch steht ihnen ihre Theosophische Grundlage ins Gesicht geschrieben – eine Einsicht, die einem nur mit dem notwnedigen Background auffallen kann (das kann natürlich nicht für Goethe gelten: das gilt erst dann für Goethe, wenn er zu dem exaltierten Albert Steffen in Nachbarschaft gestellt wird).

    Ich habe nichts gegen Wertevermittlung, wenn sie nicht einseitig daher kommt. Das ist hier – innerhalb des Lehrmittels Buch – aber der Fall. Das heisst nicht, dass der Unterricht dem entspricht. Es heisst dennoch, dass ich das Lehrmittel ablehne. Für mich ist das wie ein Burkagebot für den „Geist“ der Kinder. Habe ich nicht gebucht. Lest euch frei. Lasst euch nicht eng machen: Die Gedanken sind frei, keiner kann sie erraten. Und hier: Christos, dich presit die Kreatur; Das sind Lebenskräfte, die dauern bis zum Tode und noch über den Tod hinaus – ich mein:was sind das für Inhalte? Dann die ganze moraline Schwülstigkeit.

    Ich bin froh, dass mein Sohn Cohones hat und laut singen kann und spielt und fantasiert und Grundsätze entwickelt, sie übt, sich übt. Und ich denke nicht, dass es ihn irgend schaden was da im Hintergrund an Material auf ihn harrt. Aber mit der Schule ist es wie mit den ersten Leibchen die man seinen Kndern kauft: Da sind immer so Bärchen drauf, es gibt sie in Rosa oder in Blau. Das alles sind Signale für die Großeltern und Eltern, die sich mit dem Produkt identifizieren solllen. Das kann ich mit dem Lehrmaterial nicht, auch wenn mein Sohn es liebte. Wie gesagt, ich dachte ich hätte eine bewusste Entscheidung getroffen, also stelle ich nun ganz bewusst ein Lehrmittel in Frage, dass ich nicht erwartet hatte. Und Inhalte. Ich dachte tatsächlich es gäbe keine Weltanschaulichen Bestandteile im Unterricht. Diese Text enthalten Weltanschuung.

    Ein marxistisches Lesebuch enthielte andere Texte, ein Kapitalistisches wäre tabellenlastig, ein demokratisches hätte Textanfänge mit der Aufforderung die Geschichte zueende zu schreiben, oder das schönste Ende durch eine Wahl der Klasse mehrheitlich zu bestimmen, die Katholen hätten alle Heiligen, die Evangelen alle Sünden, Dawkins einen Gegenbeweis usw. Finden wir das gut? Diese Einseitigkeit, die ich die vorherigen Anschauungen beschreibe? Wo blieben denn dann die Grenzgänger? Wo schult man die Toleranten? Wie schult man Toleranz? Durch eigenes tun würden Anthroposophen wahrscheinlich sagen. Warum überantwortet man dieses Tun dann dem Anderen? Heute?

  19. Ich habe bedenken dahingehend ob sich christlich/religiöse Inhalte aus der Bildung völlig ausklammern lassen.
    Immerhin hat unsere Kultur doch einen sehr großen Bezug zu diesem Thema und kein Einzelner kann einfach daran vorbei schielen … man kann sich dahingehend blind stellen, aber das heißt nicht das einen das nicht beeinflusst hat.
    Das werden Sie in dieser Reinheit in keiner Lehranstalt bis hin zur Universität bekommen.

    Vielleicht tröstet Sie das Ihr Kind bei einem Gedicht nicht die Auflage hat es für ‚die absolute Wahrheit‘ zu nehmen sondern einen gewaltigen Interpretationsspielraum hat.

  20. An Himmelfahrt
    im Vogelbau
    der Eier zart
    azurnes Blau.

    An Pfingsten schon
    zum Fluge flügg.
    O Zwitscherton!
    O Sommerglück!

    Rotkehlchen schwingt
    sich aus dem Nest.
    Sein Seelchen singt
    purpunes Fest.

    O Heiliger Geist
    in der Natur!
    Christos, dich preist
    die Kreatur!

    Aus dem Lesebuch… ein Beispiel, welches erst in der Summe seine Tendez „geoffenbart“.
    Davor Texte von einem Jakob Streit und einem Michael Bauer. Sachen wie: Birke und Pappel, Von der Tanne, Das Kreuzlein auf der Preiselbeere.
    Kein Zweiglein kommt ohne Gottesbeweis aus! Keine Frucht ohne Beleg für eine All-Eine Verbindnung. Alles mit moralischem Anspruch natürlich.

    Freilich geht mir das Herz auf und es soll hier als Gegensatz zu obigen Gedicht stehen, wenn ich so etwas lese:

    Gleich und Gleich

    Ein Blumenglöckchen
    Vom Boden hervor
    War früh gesprosset
    Im lieblichen Flor;
    Da kam ein Bienchen
    Und naschte fein.
    Die müssen wohl beide
    Für einander sein.

    Wer errät die Dichter? Jedenfalls ist das zweite Gedicht auch Bestandteil des Buches.

    Oder sonne Sätze:
    „Denn Menschenwesen, wenn sie erwachsen sind, gewinnen die schönsten Kräfte für ihr Leben, wenn sie einen solchen Blumenstrauß aus der Schule mitnehmen können. Das sind Lebenskräfte, die dauern bis zum Tode und noch über den Tod hinaus.“

    und und und

    Das ist nun mal eine gewisse Präsenz, an der ich nicht vorbei schielen kann. Ich bin sicher mich stört es mehr als meinen Sohn; der kann schielen! Aber ich bin sicher, dass ich das nicht gebucht habe. Weder inhaltlich, noch von einem ästhetischen Standpunkt aus! Ich mein: es ist ein Lesebuch. Wenn Goethe drin ist wünscht man sich vergleichbares. Ich ziele jetzt vor allem auf die lyrische Qualität.

  21. „…Inhalte, die in den Hauptunterricht hinein “wirken”. ….es geht mir um die schiere Präsenz..noch nicht den Zeugnisspruch. “

    welche inhalte, präsenz meinst du denn? mir ist das noch nicht ganz deutlich. nenn doch mal beispiele.
    dr. sumbolle

  22. Das mit dem Religionsunterricht gilt auch für unsere Schule. Es geht mir um die Inhalte, die in den Hauptunterricht hinein „wirken“. Sonst hätte ichmir meine Verzweiflung gespart…

    Und es geht ja wie gesagt nicht um den Vergleich mit einer „Staatsschule“. Es geht um das „Hier und Jetzt“ um mal ein Klischee zu bedienen.

    Es geht mir auch nicht um die Menge oder möglichen Vehemenz im Vortrag weltanschaulicher Inhalte, es geht mir um die schiere Präsenz! Ich halte das für unlauter. Damit meine ich noch nicht den Zeugnisspruch.

  23. Danke Kai für den Hinweis.
    Ich halte das für wertvoll. Ich denke auch die Auseinandersetzung mit dem Thema führt zu einer Tunnelschau bezüglich mancher Themen. Auf die häufigsten Gründe, von Deiner Seite angesprochen, denke ich, wird das auch der tatsächliche Anlass sein Schulen zu verlassen. Ich glaube auch nicht, dass es zu Indoktrination der Kinder oder der Elternhäuser kommt. Mich (MICH) nervt es einfach nur, andere finden es dufte und suchen genau das. Aber das ist etwas für Spezialisten.

    Zudem höhre ich, dass die Shculen unterschiedlich „strenge“ Ausrichtungen haben.

    Vielen Dank noch mal…

  24. Ach ja, das hab ich vergessen : es gibt bei uns evangelischen, katholischen und nicht konfessionellen Religionsunterricht sowie den Unterricht der freien Christengemeinschaft. Eine weitaus breitere Auswahl als an den meisten Staatsschulen.

  25. an unserer Waldorfschule habe ich schon mal eine Befragung von Elternhäusern durchgeführt, deren Kinder die Schule vorzeitig verlassen haben. Von Elternseite wollten wir die Gründe erfahren, weil ein Abgehender Schüler auch negative finanzielle Konsequenzen für die Gemeinschaft bedeutet. Kein Befragter nannte zu starke Betonung antroposophischer Inhalte. Die häufigsten Gründe waren mal ganz vereinfacht: Schlechter Fachunterricht (Fremdsprachen, Naturwiss.) im Vergleich zum Gymnasium, persönliche Dislikes zwischen Lehrer-Schüler o. Lehrer-Eltern.

  26. Hallo Marco, Hallo Martin,

    natürlich kann man „gesamtgesellschaftlich“ debattieren.

    In einem für die Waldorfschulen ganz wesenhaften Punkt halte ich das sogar für dringend erforderlich:

    Es scheint derzeit in unserer Gesellschaft einen Trend zur Privatisierung von Bildung – von Schule – zu geben. Vor den Konsequenzen warnen unisono die GEW und der Deutsche Lehrerverband. Zwei Interessenverbände, die man verkürzt als „verfeindet“ bezeichnen könnte … da muss also wirklich was passiert sein, dass sie plötzlich gemeinsam sprechen.

    Was ist passiert? Es passiert jeden Tag, dass „privilegierte“ Eltern ihre Kinder auf einer Privatschule anmelden. Frage ich warum, höre ich jedesmal lange, lange Ausführungen. Bin ich nur nett und stur genug, dann höre ich irgendwann:

    „Ich wohne in Neukölln, ich habe keinen Bock auf Ausländer!“ (so passiert)

    – Wie hoch ist der Anteil von Ausländern an Waldorfschulen?

    – Wie hoch der Anteil „Sozialbenachteiligter“?

    Wo soll das hinführen?

    Marcos Thema war hier aber ein anderes. Er sagt doch sinngemäß: Ich habe ganz pragmatisch ein Angebot angenommen, das ich für das beste hielt. Am besten für meine Kinder. Jetzt stelle ich fest, dass im Angebotspaket etwas – undeklariert – enthalten war, das ich nicht haben wollte: die Dominanz einer Weltanschauung, die ich zumindest in Teilen für problematisch halte.

    Und das halte ich für DAS Problem der Waldorfschulen. Sie sind härtere Konfessionsschulen als die, die sich tatsächlich offen so bezeichnen, sich nicht „Frei“, sondern evangelisch, katholisch, etc. nennen.

    Eine öffentliche Schule mag viele Probleme haben, schlechte Lehrer und so weiter und so weiter. Ich war an einem normalen Gymnasium und war nicht eben von meinen Lehrern begeistert. Aber erträglich war das vor allem, weil es keine gemeinsame ideologische Grundlage gab, kein monolithisches allgemeinverbindliches Ganzes: Da war der eine Lehrer dann eben „blöd“, das war´s dann aber auch schon. Jede normale öffentliche Schule ist viel freier, als die beste Waldorfschule.

    Ganz zu schweigen von der Deklarationspflicht, die von den Waldorfschulen verletzt wird.

  27. Ja ich glaube sie haben da sehr recht das die Waldorfschule in diesem Punkt keinen Deut besser ist als andere Schulen.
    Ich meine ja auch nicht das die Waldorfschule von meiner generellen Forderung nach konfessionlosen Schulen ausgenommen sei😉

    Das Phänomen das man bei Vertragsabschluss etwas versprochen bekommt das dann hinterher nicht eingehalten wird kann man allgemein nur dadurch beseitigen das man darauf besteht. Ich hoffe das es ’nur‘ um Religionsunterricht geht und nicht um religiöse Elemente in anderen Unterrichtsfächern.

  28. Naja, Martin,

    das sehe ich aber komplett anders. Meine Forderung geht an die Schulform, der ich meine Kinder anvertraut habe. Ich rede hier nicht von „öffentlich -rechtlichen“ Schulen. Ich habe als Elternteil gar keine Erfahrung mit „öffentlich -rechtlichen“ Schulen. Ich kritisiere hier Systemimmanent. Würden mich „öffentlich -rechtlichen“ Schulen interessieren, dan würde ich jene kritisieren und die Konfession der die eben gerade folgen. Ich kritisiere aber die Konfessionslastigkeit einer Waldorfschule. Was immer man darunter verstehen mag. Ich bin mir zwar bewusst, dass schon der Name der Schulen auf den Schulgründer verweisen, dass desen Präsenz aber recht umfassend ist törnt mich ab. Und zwar aus Elternsicht.

    Zu klein gedacht finde ich den Gedanken ausserdem nicht, wenn er sich nur an die Waldorfschule richtet. Es kommt auf den Absender an. Ich habe mich ja entschieden in dieser kleinen Gemeinschaft aktiv zu sein. Die kleine Gemeinschaft macht mir Angebot, dass ich nur in teilen an nehmen mag. Ich stelle fest, dass für jene, die schon Waldorfsozialisation haben manches leichter anzunehmen ist, als für mich. Das ist ja auch eine Wahrheit. Aber man hat mir das Angebot gemacht und gesagt es gibt keine Zugangsvoraussetzung für die Teilnahme. Jetzt bin ich drin und stelle eine Kleinigkeit fest. Die aber gefällt mir nicht. Konfessionelle Bindung wird in „öffentlich -rechtlichen“ Systemen übrigens sehr breit diskutiert. Der Verlauf zwischen Kreuz, Soutane und Kopftuch wird gesamtgesellschaftlich geführt. Die Gesellschaft rüttelt sich. Was tut die Waldorfschule? Einfach sagen das es immer schon so war? Das finde ich ein wenig klein.

    Stimmt sie haben recht: Ich habe „kritikose“ geschrieben! Sorry.😉
    Die Analogie, die sie zum „Bildungssystem“ sehen ist wahscheinlich nihct so weit her geholt. Ich bin da ja wie gesagt kein Spezialist. Aber könnte es sein, dass die Waldorfschule nicht besser ist, in dieser Sache, als die „öffentlich -rechtlichen“ Schulen?

  29. Irgendwie muss ich beim Eintritt in die Waldorfschule etwas von dem kritischen Geist den andere am Eingang liegen gelassen haben aufgesammelt haben. Kann man ja nicht genug davon haben😉
    Im Ernst; Was ist mit konfessionslosen Regelschulen? Ich meine mich da an so Diskussionen um Kopftücher und Kreuze an katholischen Schulen in Bayern zu erinnern.

    Und dann schreiben Sie von „kritikose Affirmation von Werten, die nur deswegen toleriert werden, weil man den Rest mitnehmen will.“ In meinen Augen ist das das System Bildung wie es sich real manifestiert. Man möchte einen Schulabschluss, eine Ausbildung, ein Studium … man möchte ja mal etwas werden. Aber sehen Sie Kinder da jetzt unabhängig von der Frage ob Waldorfschule oder nicht gut beraten?
    Wir brauchen DRINGEND Eliteuniversitäten und die bösen Kommunistien von der Linkspartei haben sich erdreistet darüber nachzudenken die verschiedenen Bildungsschichten (Haupt, Real, Gymnasium) aufzubrechen. Ist ja klar das uns die Freiheitspartei Nr.1 davor bewahren muss das wir die Pluralität von Bildungsklassen nicht verlieren. Irgendwo müssen ja auch die Verlierer von morgen zur Schule gehen.

    Ehrlich ich halte die Idee diesen Wunsch nur an die Waldorfschule zu richten für viel zu klein gedacht. Wir brauchen diesen Wunsch für ALLE Schulen.

  30. an Gräten kann man ersticken, wie stirbt man an einer Fisch-Vergiftung?

  31. ein fisch ohne fleisch sind: gräten;-))

  32. Hey Waldorf,

    !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!OFFTOPIC!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    ich bin Ihnen ein wenig hinterher gestiegen und habe einen weiteren link zu einem gewissen Muschalle gefunden:

    hlg Waldorf
    _________________
    Studien zur Anthroposophie
    nerone.wordpress

    Diese zwei Adressen verlinken Sie als Signatur auf Freigeisterhaus, der Adresse, die Sie mit Ihrem Namen verknüpfen.
    Gehe ich rechjt, dass Sie nicht Herr Muschalle sind? (Welches Schweinchen hätten Sie denn gern…)
    Ich bin halt jetz irgendwie interessiert, deswegen die Nachfrage. Sie sind ja auch nicht das erste Mal hier. Würde mich freuen, wenn ich erfahren dürfte, wieso Sie mich verlinken, was ich natürlich begrüße. Und warum verlinken Sie Herrn Muschalle und warum das Freigeisterhaus? Ist das mehr als Fährten legen?

  33. Übrigens kümmern sich Unternehmen, die UP-TO DATE sind um ihre Mitarbeiter, die kündigen in besonderen Maße. Es werden Feedbackgespräche gehalten, um heraus zu finden, warum man die Mitarbeiter nicht halten konnte.

    Das wär doch was

  34. Man müsste die Elternhäuser fragen und die Schüler separat, sowie die Schulabgänger. Wie aber müssten die Fragen lauten?

    Es ginge zum einen darum heraus zu finden, in wieweit sich die Vorstellung der Befragten mit der anthroposophischen Weltanschauung deckt.
    Fragen nach
    Wiedergeburt,
    monistischen Ansätzen,
    evolutionäre Menschheitsbilder, etc.

    Schließlich die konkrete Frage
    nach dem eigenen Weltbild,
    nach dem eigenen Gesellschaftsmodell (um Schnittmengen zu klären),
    nach der Bedeutung Steiners und
    der Kenntnis seiner Schriften und
    der Bedeutung die diesen beigemessen werden

    zur Pädagogik
    zum Menschenbild
    zur Eurythmie
    zur Formalismen
    usw.

    Sowas wäre doch interessant. Ein Werkzeug jedenfalls mit dem so ne Bewegung arbeiten könnte, deren Gründer der letze ware, dessen seherischen Fähigkeiten die Bewegung akreditiert.

    Ich schlage das mal als Jahresarbeit vor!

  35. „Machte man mal eine Umfrage in den Schulen“
    Die Idee ist richtig gut. Ich stelle mir das mit einer Phone-Box in UTube vor. Die Kids (selbst Waldörfler?) haben doch alle ihre Seiten auf UTube. Auf jeden Fall viele, oder? Man müsste das nur Einigen sagen und schon ginge es rum wie ein Lauffeuer. Und die Umfrage wäre im Gange. Wie wär’s? Wie klingt das?
    Herzlich,
    Elisabeth

  36. Lieber Herr Waldorf,

    das stimmt. Das mit dem Sektenbeauftragten. Aber sehen sie es doch mal so: durchaus positiv bewertbare Eigenschaften dieser Pädagogik würde sich jenen öffnen, die den Weltanschaulichen Teil nur mit Bauchschmerzen folgen können. Vielleicht ergibt das Fisch ohne Fleisch, aber ich denke die eigentliche Idee einer jeder Pädagogik sollte sich auf die Bildung der Kinder richten und der Ausbildung ihrer Fähigkeiten, nicht aber auf die kritikose Affirmation von Werten, die nur deswegen toleriert werden, weil man den Rest mitnehmen will. Machte man mal eine Umfrage in den Schulen – mich würde wirklich interessieren, wie die Haushalte und wie die Schüler das bewerten würden, was an anthroposophischen und theosophischen Inhalten in den Formalismen des schulischen Alltags sich manifestiert. Ein All-Over-Bild sozusagen. Es kann durchaus sein, dass also Elternhäuser und Schüler ein Institut verlassen, dass sie in großen Teilen gelangweilt hat, weil sie Inhalte nur um einiger Kerninhalte der Pädagogik in kauf genommen oder erlitten haben.

    Bei allem Respekt vor Traditionen, empfinde ich manches an der Schule auch als Grenzüberschreitung gegenüber der (meiner) eigenen Tradition. Das das so kommen kann liegt zum einen an der Vielfältigkeit des Lehrerpersonals, zum anderen aber auch an der undeutlichen Kommunikation der Schulen im Vorfeld. Sich auf Waldorf einzulassen heisst auch ein wenig den kritischen Geist, der einen in diese Schule brachte an der Pforte abzugeben. Dass zumindest ist meine Befürchtung. Nicht zuletzt liegt es an dem „heiligen Geist“ der mitunter die selbstverwalteten Schulen begleitet. Bedrohlich ist das letzten Endes weniger für die „User“ des Systems, als für das System selbst. Ich denke es stirbt dann ab.

  37. Werter Herr Nerone,

    interessantes Bekenntnis.

    Werter Herr Lichte,

    an einer solchen Schule hätte nichtmal ein Sektenbeauftragter etwas zu beanstanden.

    hlg Waldorf

  38. was ist das?

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: