Beppe Grillo

Who is? Was geht uns das an? Wer ist Beppe Grillo? Nun Beppe Grillo ist ein Phänomen. In Italien. Politiker und Journalisten hassen ihn und haben Angst vor ihm. Beppe Grillo ist gelernter Kabarettist. In Genova geboren hat er sich ins Fernsehen gearbeitet und schließlich wieder hinaus. Denn heute hat er eine Mission. Beppe will Italien von den politischen Parteien befreien und – ganz aktuell – geht er gegen die Kaste der Journalisten vor. Seine schärfste Waffe ist sicherlich sein Talent für eine messerscharfe Rhetorik: volksnah, vulgär, aggresiv.  Zumanderen bedient er sich des Web20. Beppe ist ein „Babbo“blogger. Einer der 340.000 (!) Menschen erreicht hat, die ihm ihre Unterschriften für eine Aktion gaben, mit der er sich an die Regierung wandte. Beppe hat aber zudem den V-Day ins Leben gerufen. Der Vaffa-Day ist ein Tag der sich einer der Institutionen oder Persönlichkeiten des italienischen Staates widmet von denen Beppe und seine Anhänger enttäuscht sind, denne sie Unfähigkeit, Korrumption, Machtmisbrauch vorwerfen und denen sie auf öffenbtlichen Plätzen lautstark:

Partecipa al V-day!

Vaffanculo zurufen, was ich unzensiert als Fickt-euch-ins-Knie übersetzen würde, oder ähnlich. Jedenfalls schickt ein großer Teil der aufgebrachten und enttäuschten Italiener auf diese Weise ihre Eliten dahin wo sie glauben, dass die Politik die sie serviert bekommen herkommt (weswegen sie ja auch stinkt): zum Arsch.

Beppe wirft den Politikern Unfähigkeit vor. Er äußert, was eine „gefühlte“ Mehrheit der Italiener von ihrenEliten denkt. Beppe ist ein Populist. Mit Sicherheit. Und er mobilisiert. Sein Blog bringt täglich neues und die Tagespolitik füttert ihn. Seien es horrende Aussagen von Politikern oder ihr generelles Versagen. Geht es um nicht eingehaltene Versprechen, nicht entsorgten Müll in Neapel, bestechliche Gewerkschaften, Meinungskartelle (ein schwerwiegendes Problem in Italien.)

Die Meinung in Italien wird vom Staat und von privaten Betreibern  kontrolliert. Der Staat nimmt dabei direkten Einfluß auf seine Sender (RAI). So der Vorwurf. Nicht Information sei Ziel der Sender sondern Desinformation. Die Menschen würden mit seichtester Fersehunterhaltung still gehalten. Die Informationen würden von Müll (sic)  zugedeckt , begraben oder schlicht zurückgehalten. Wer das italienische Fernsehen ein wenig kennt, der weiß durchaus, dass so ein Nachmittagsprogramm an Brave New World erinnern kann. Lauter fröhlicher Leute, halbnackte (durchaus schöne) langbeinige Frauen, die gut gekleidete, geliftete Herren umschwirren und banale Lieder singen. La dolce vita eben. So kenn ich dieses Fernsehen zumindest. Es gibt dort mehr Gründe abzuschalten als einzuschalten (ist es hier anders -nun, ein wenig) Beppe, das Internet, der Blog bietet sich als Alternative an. Hier wird kommentiert was das Zeug hält. Und es wird aufgemischt. Das ist auch amüsant, aber eben genauso schmerzlich. Gezeichnet wird ein Italien, welches am Rande des Zusammenbruchs steht. Ein Italien, das in einem Sumpf abtaucht, eine Demokratie der ihre wichtigste Vorraussetzung fehlt: nämlich dass der Bürger die Wahl hat. Nach Beppe hat der Bürger keine Wahl. Gleich welche Partei ans Ruder kommt, immer  spielen die Eliten mit den gleichen Partnern und es ist immer das gleiche Spiel.

Zwischen Realität und Illusion, stellt Beppe die Demokratie  als Betrug am Bürger dar. Die Betrüger sind die Eliten.

Was stellt Beppe aber an Stelle der Demokratie? Das konnte ich noch nicht heraushören. Er wirkt zu sympatisch, unbequem zwar, vom Duktus her aber verständlcih. Es geht ihm um das Prekariat, die Umwelt, die Justiz, die Wirtschaft – und alle Themen geht er mit der Pose dessen an, der müde ist sich selbst darum kümmern zu  müssen:

„Warum?“, brüllt Beppe in die Kamera, „warum muss ich mich wieder einmal darum kümmern? Ich habe keine Lust mehr dazu! Ich will zurück zu dem was ich früher machte! Kümmert Ihr euch verdammt noch mal darum! Porca Puttana.“

Was mich erschrickt, ist  dass einem der Eindruck vermittelt wird einem Zerfallsprozess einer Gesellschaft zu zusehen. Sie zerbricht zunächst und als erstes an der Unfähigkeit ihrer Politiker, schließlich ihres ungenügenden Gemeinwesens und ihrer Kultur des Menefregismo (ein italienischer Begriff für eine besondere italienische  Eigenart: Ist-mir-doch-egal, könnte es übersetzt werden, beschreibt die Haltung gegenüber dem Gemeinwesen).

Und Beppe ist ein Beschleuniger –  ein Brandbeschleuniger? Ein charismatischer Anführer? Was wenn da ein Funke überspringt? Die Sorge und Angst vor einer weiteren bleiernen Zeit, die Italien fest im Griff hatte zu Zeiten der Brigate Rosse kann ich verstehen.

In Beppe den zu sehen, der das Feuer legt? Nein dem kann ich nicht folgen. Die von ihm Kritisierten, die Politiker, die Journalisten legen diese Fährte . Ich sehe die Verantwortlichkeit bei jenen die nicht handeln. Die aktuelle Müllproblematik in Neapel zum Beispiel. Usw. Beppe Grillo spricht von den Versäumnissen, die er nicht verantwortet, aber den Großteil der Gesellschaft treffen. Un dennoch – dennoch, macht mir das Phänomen Beppe Grillo ein wenig Angst… Aber unter uns: eine zentrale Forderung ist das 25 Abgeordnete das italienische  Parlament verlassen sollen. All jene nämlich die eine Anklage am Hals haben. So blöd klingt das nicht. Da Grillo auch ein Web20-Phänomen ist wollte ich ihn euch mal vorstellen. Ausserdem gibt es und um ihn herum sehr interessante Diskussionen, die auch die Netzkultur angehen. Komme ich noch mal auf ihn zurück, hab ich ihn schon mal ein wenig vorgestellt.

Der Ansehensverlust der Politik hat dramatische Dimensionen angenommen, neue Populisten wie der Komiker Beppe Grillo treten auf den Plan. Grillo bezeichnet sich selbst als Parteienzerstörer; mit eigenen Listen will er an den nächsten Kommunalwahlen teilnehmen. Grillos über das Internet rekrutierte Gefolgschaft zählt Hunderttausende.

Die Zeit 

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