und ein frohes neues Jahr

Ich will langsam und nicht mit einem Furioso aufwarten. Ich sehe mich gerade erst in der Anthrosphäre um und lese einige interessante Artikel bei den Egoisten in gewohnter Qualität: Nachdenklich, Erklärend, Aufklärend.

Der Bensch-Zyklus wird fortgeführt (Federführend durch R. Reinsprerger), ebenso wie Staudenmeiers Darstellung einer ganz anderen Waldorfgeschichte, die versucht eben das in den Blick zu nehmen, was sonst keine Beachtung fände, nämlich ein differenziertes Bild auf die Reformpädagogik in der Nazizeit.

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Ich komme aus ruhigen netzfreien Tagen zurück. Nicht aber Anthroposophie-freien Tagen. Ich habe gerade zu Letzt eine spannende Erfahrung gemacht mit einem befreundeten Paar, dass mit der gemeinsamen Tochter erst in die Konflikte gerät, die diese Paarung intellektuell im Grunde schon bereit hielt.

Er ein Humanist, areligiös, ungläubig, ein Menschenfreund. Sie Anthroposophin, seit Kindesbeinen in der Christengemeinschaft, gläubig. Beide natürlich liebenswürdig – Freunde eben. Ihrer Überzeugung und ihrer Bedürftigkeit für die religiöse und spirituelle Entwicklung ihres Kindes Sorge leisten zu müssen widersetzte ihr Mann sich nicht. Das macht ihn nicht zwingend zum Heiligen, aber es steckt auch eine Menge Vertrauen in einem solchen Schritt. Auf der anderen Seite weiß ich aus eigener Erfahrung, dass es schlicht an mangelndem Interesse für die Themen liegen kann, dass man andere mit Dingen betraut, die einem zunächst als unwichtig erscheinen. Das wird dann schnell zum Ding der Anderen gemacht.

Erst spät spürt man die Probleme auf. Mir fiel auf, dass Vieles von den im vergangenen Jahr mehr am Rande untersuchten Erscheinungen mit unterschiedlichen Traditionen, die ich hier und Andernorts behandelt hatte oder schlicht erfahren habe in der Beziehung dort wieder zu finden ist. Vor allem aber konnte ich erleben, wie wichtig es ist, die Traditionen des Anderen nicht zu verletzen, oder durch eigene Anschauungen zu annektieren. Unterstellte Religiosität ist ebenso Gift, wie kategorisch angenommene Weltfremdheit.

Solche (Paar-) Konstellationen verlangen ein hohes Mass an Gesprächsbereitschaft und den Willen zu Grenzüberschreitungen und zwar nicht die des Partners, sondern der eigenen Grenzen. Bis eben hin zu dem Punkt an dem sich Analogien herausbilden, aus den unterschiedlichen Geschichten und Bildern die Inhalte darstellen, die womöglich das Gleiche wollen (zumindest in der Einigkeit einer Beziehung kann man das so annehmen – oder hoffen!).

Am Ende geht es wieder mal um die Toleranz. Ist gegenseitiger Respekt gegeben, dann gelingt sowas, glaube ich.

So oder ähnlich…

Eine Antwort

  1. Vielen Dank für den freundlichen Überblick. Ich bin froh, in Staudenmaier und Regina Reinsperger kompetente Mittäter gefunden zu haben. Ich kann mir auch vorstellen, dass Arfst mal wieder was schreibt. Und ein sehr interessanter Artikel ist mir gerade geschickt worden. Das macht jetzt in dieser weise Spass, ich habe meine Freiheiten, etwas thematisch zu experimentieren und mich in Neuland vorzuwuchten. Ich denke, so ein Blog muss sich entwickeln, und da sehe ich bei mir einen Weg.

    Zu Dir: Du hast letztes Jahr eine eigene Form anthroposophischen Dialogs kreiert. Das ist doch was. Gabs so noch nie, in dieser Weise fair moderiert, sehr geduldig und weitherzig. Was will man mehr? Insgesamt möchte ich damit sagen: Man muss sich erfinden im Netz, man muss eine angemessene Form schaffen. Die wird dann auch angenommen, weil sie ein neues Medium ist, in gewisser Weise. In der Entwicklung steht weniger im Vordergrund, was die Technik hergibt, sondern mehr, was jetzt wirklich für eine Reihe von Leuten innerhalb ihres jeweiligen diskursiven Kontextes, diese Form angemessen ist. Als Waldorffach passte das wahrscheinlich zu Plastizieren: Man schafft Ausdrucksformen. Man baut Ausdrucksmedien. Eine virtuelle Bildhauerei. Na, so weit ein paar Nachtgedanken..
    Michele

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