Auslieferungsstopp für Steiner Aufsätze!

Nachdem Ende September 2007 Strafanzeige gegen den Rudolf Steiner Verlag in Dornach gestellt wurde, stoppt dieser die Auslieferung eines Buches seiner Gesamtausgabe. Es handelt sich um den Titel: Gesammelte Aufsätze zur Literatur 1884-1902″.

Während der Versuch einer Indizierung von Steiners Schriften in Deutschland über die Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Schriften noch etwas absurdes hatte, zielt diese Strafanzeige präziser in die Essentials anthroposophischer Überzeugungen.

Die Strafanzeige wurde von Michael Grandt und der Aktion Kinder des Holocaust gestellt. Dass die Nachlassverwaltung das Buch zurücknimmt kann als Teilerfolg der Ankläger gelten und zudem als verstecktes Eingeständnis des Dornacher Verlagshauses des Rudolf-Steiner-Archives gewertet werden, dass das Werk Steiners problematischer ist, als es über Jahre hinweg von der institutionellen Anthroposophie dargestellt wurde.

Cornelius Bohlen, Präsident der Nachlassverwaltung erklärte der BAZ:

“ Wir gehen die Kommentierung der umstrittenen Passagen im nächsten Jahr an. Wir sind der Auffassung, dass einzelne Punkte rassistisch wirken können.“

NWAII schrieb zu dem Kontext folgendes:

„Wenn man besagte Passagen in Steiners Werk endlich auch offziell von Seiten des Bundes oder der AAG als das bezeichnen würde, was sie sind, nämlich rassistisch und antisemitisch, dann bestünde die Hoffnung, sich mit einer solch unzweideutigen Stellungnahme der Vereinnahmung durch Nazis zu entziehen. So lange man sich aber weigert, etwas anzuerkennen, was offensichtlich ist, eben an der Doktrin festhält, Steiner habe nichts Rassistisches oder Antisemitisches geschrieben, so lange wird man auch damit leben müssen, dass Rudolf Steiner von Nazis – […]“

Es ist der ennervierende Konjunktiv der Nachlassverwaltung und Anthro-Verantwortlichen, der den Kritikern in ihrem Vorgehen recht zu geben scheint. Seit Jahren schon liegt der Vorwurf auf dem Tisch. Die Kombattanten haben in ihre Stellungen bezogen die Aktion Hollocaut und Michael Grandt, Lichte, Husemann-Kastein, sind Namen die schon lange auf dem Plan stehen und auf die Probleme hingewiesen und sie angeprangert haben. Eine Debatte über die Integrität der Kritiker ist an dem Punkt fehl am Platze, wo man mit ihnen übereinstimmen kann. Das belegt NWAII auch in folgendem Zitat:

„Fest steht, dass unter einigen Anthroposophen eine tief empfundene Überlegenheit der anthroposophischen Weltdeutung anzutreffen ist. Dabei werden historisch-kritische Erkenntnisse der konventionellen Wissenschaft oftmals hartnäckig ignoriert. Das betrifft jedoch nicht nur Werke, wie das von Helmut Zander oder anthroposophie-kritischen Journalismus wie er in Info3 stattfindet, sondern es betrifft vor allem den Umgang anthroposophischer Verantwortungsträger mit rassistischen oder antisemitischen Aussagen Rudolf Steiners (vgl. Rudolf Steiners Verlag). „

Womöglich werden jene aus der Szene, die selbst schon oft genug mit dieser Thematik aufwarteten erleichtert und dankbar aufatmen, wenn es am Ende jene ungeliebten Kritiker sind, die durchsetzen, dass das geschieht was Dornach versäumte. Hierzu NWAII:

„Angesichts der Tatsache, dass die Anthroposophie kein Historiker-Verein ist, gibt es zwar erstaunlich viele Publikationen zu geschichtlichen Themen von anthroposophischen Autoren; einige davon sind durchaus von Sachkenntnis im Sinne akademischer Konventionen geprägt. Eines, das sich mit der Frage auseinandersetzt, warum bestimmte anthroposophische Vorstellungen offenbar prima anschlussfähig sind zu den Ansichten von Nazis und Neo-Nazis, ist jedoch noch nicht geschrieben worden. Es wäre an der Zeit. „

Ich zitiere hier NWAII weil er zwar nicht der beste Freund von Kritiker Grandt und anderen ist, aber in manchen Inhalten zumindest eine ähnliche Kritik formuliert. Michael Grandt konstatiert:

„Allerdings kann die Anthroposophische Gesellschaft und die Nachlassverwaltung sich nun nicht mehr auf den Standpunkt zurückziehen, dass Rudolf Steiner ein unbeschriebenes Blatt in Sachen Rassismus sei, denn das Bundesfamilienministerium und die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien haben bereits im September bei zwei anderen Bücher von Rudolf Steiner festgestellt, dass diese Elemente aufweisen, die aus heutiger Sicht als rassistisch zu bewerten sind. Jetzt stoppt die Nachlassverwaltung ein weiteres Buch von Steiner aufgrund derselben Vorwürfe.“

Das bildet tatsächlich die Faktenlage ab. Und die Antroposophische Gesellschaft, sowie die Nachlassverwaltung muss sich Versagen vorwerfen lassen, bleiben sie doch Getriebene. In Unkenntnis der Strukturen in Dornach wollte man gern einen Rücktritt nahelegen – wem auch immer. Denn seit Jahren schwelt das Thema, seit Jahren werden Abwehrschlachten geführt, seit Jahren lässt man geschichtswissenschaftliche Autodidakten Desinformationsprosa verfassen, anstatt beispielsweise der Forderung von NWAII nachzukommen oder sich mit Spezialisten wie Helmut Zander zusammen zu setzen.

Die Informationen und Zitate habe ich der Presseerklärung von Herrn Michael Grandt vom 24.11.2007 entnommen .

3 Antworten

  1. Für mich bleibt die Fragestellung übrig, warum es möglich ist, dass die NPD in Deutschland immer noch nicht verboten ist, warum Österreich sogar Regierungen am sehr rechten Rand bildet, und gleichzeitig die Anthros sich Rassismusvorwürfe gefallen lassen müssen.

    Nun sind Rassismusvorwürfe ja nicht dasselbe wie die Kritik an einzelnen Passagen aus Steiners Gesamtwerk. Die Fragestellung drängt sich aber eben doch auf.

    Selbst achte ich immer auf eine gute Mischung meiner Lektüre, es soll von allem etwas dabei sein.

  2. 3sat, Kulturzeit, news:

    „Vertrieb von Steiner-Buch gestoppt

    Aktuelles vom Mittwoch, 28.11.2007

    [HIER INHALT GELÖSCHT – WAR DER TEXT DER MELDUNG DES SENDERS, KANN WAHRSCHEINLICH DORT NACHGELESEN WERDEN…]

    HALLO HERR LICHTE, DIESEN POST HATTE ICH ÜBERSEHEN. ICH HABE MAL ALLES GELÖSCHT, WAS MAN AUCH BEI 3SAT NACHLESEN KANN. BITTE GEWÖHNEN SIE SICH DIESES COPY/PASTE-DING AB. DIE INFORMATION HATTE KEINEN MEHRWERT, VERSTEHEN SIE? WENN ES DARUM GEHT DARZUSTELLEN, DASS SICH DIE ÖFFENTLICHKEIT DAFÜR INTERESSIERT; MACHEN SEI EINEN EINZEILER MIT DEM HINWEIS AUF DEN SENDER. DAS GENÜGT. DAS NUR ZUR ERKLÄRUNG; WEIL IHNEN SO ETWAS IMMER WIEDER PASSIERT. DESWEGEN -UND NUR DESWEGEN- SCHLUMMERN SOLCHE BEITRÄGE NOCH IN DEM MODERIEREN-ORDNER!

  3. Lieber Nerone,
    danke für diese ausführliche Post. Es ist was in Bewegung gekommen, was ich schon für fast nicht mehr möglich gehalten hätte. Dass immer noch im Konjunktiv gesprochen wird “ dass einzelne Punkte rassistisch wirken können.“ ist ein Wehmutstropfen. Warum machen die es sich so schwer dabei?
    Andreas

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