Hiroshi Sugimoto – Seascapes

Was schert mich, dass da einer zu den bedeutensten Fotografen der Welt gehört. Solcherlei Superlative sind höchstens interessant, nicht aber entscheidend für den Zugang zu einem Werk. Genau so wenig ist der Begriff Avantgarde ein Qualitätsmerkmal. Oder das Attribut „sperrig“ – eines jener Attribute, derer man sich bedient wenn man sich nicht traut zu sagen, dass man von der Kunst, die man sich gerade zumutet gar nichts hält.
Ich wußte im vorher schönerweise nur wenig mehr als nichts von Sugimoto und der Ausstellung, meine mich aber an einen wohlwollenden Artikel bei Georg Keuschnig zu erinnern, den ich allerdings eher überflogen habe. (Ich werde im Nachgang vielleicht darauf eingehen.) Unbeleckt aber dennoch nicht uninformiert durfte ich durch die Ausstellung gehen, hervorragend geführt durch Judith, einer niederländischen Künstlerin, die in Düsseldorf lebt und arbeitet (das Wunder des Lebens bringt wunderbare Freundschaften hervor) und nebenher, immer gut vorbereitet im K20 Niederländer durch die Ausstellung führt. Diesmal war es die mittägliche Führung. Eine halbe Stunde für den Kultursnack während der Mittagspause. Ich durfte mit.

Gleich zu Anfang erlebt man dreierlei. Man betritt die Austellungshalle, die sonst eingenommen von den üblichen didaktischen Wegen mit ihren Wänden verstellt ist, jetzt aber den Blick von Stirnwand zu Stirnwand frei gibt. Und dann die Höhe. Und schließlich die schöne Gestalt des Lichtbandes, dass sich über die gesamte Länge hinzieht. All das.

Dann die lange Wand, die sich mit leicht zurückweichenden Schwung, hineingestellt, jenseits der Raumachse – eine Wand die in strenger Präzision die Arbeit trägt, die mich auch im Nachgang noch am meisten Beeindruckt hat. Sugimoto nannte die Bilder, die er für dieses Projekt entwickelte Seascapes. Es ist Teil einer Serie von vielen tausenden Bildern aus dieser Serie, deren Auswahl der Künstler selbst hier aufgehängt hat, so wie er auch die Ausstellungsarchitektur entwickelt hat. Es scheint als gebe dieser Perfektionist nichts aus der Hand.

Die hier ausgestellte Serie zeigt Meere. Eine Eindrucksvolle Bilderreihe, beginnend in eine tintendunklen Eins aus Meer und Himmel, dem dann die Meereszustände folgen die zum Mittag führen, eine mystisches Auferstehen oder eine profane Trennung, Meiose, Reduktionsteilung, Eiweis, Eigelb. Die Mitte des Tages zelebriert die vollendete Trennung. Am deutlichsten und von einer unerhörten grafischen Strenge teilt sich das Bild in ein Schwarz/Weiß längs der von Sugimoto streng eingehaltenen Bildmitte. Von hier läutet der Nachmittag ein und es scheint, als sei der Mittag auch eine Art Spiegelachse, als wiederholte sich der Prozess nun nur in entgegngesetzte Richtung. Aber das Detail verrät, dass hier anderes geschieht und ausserdem vertrauen wir längst dem Autor der Bilder als präzisen Chronisten von Zeit, Vergänglichkeit, Evolution, Raum. Am Ende wieder das tintendunkle Eins: Meer-Himmel.

4 Antworten

  1. […] denkt Christoph zu Hiroshi Sugimoto – Seascapesnerone zu MethodenMartin zu Methodenlichte zu MethodenAnnette zu Hiroshi Sugimoto […]

  2. Lieber Nerone, hast du die Bloggerei aufgegeben oder machst du nur eine Pause?

  3. Ich find Nerone spannender.

  4. Die Ausstellung ist bald vorbei, oder?
    Hm, vielleicht sollte ich doch noch reingehen? Der Nachbar fand sie „zu finster“.
    Aber Meer find ich eigentlich doch sehr spannend…!

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