Identität

nerone ist ein Blog und eine Identität im Netz. Meine Identität. Letztlich nicht leicht mir streitig zu machen, nach bald einem Jahr Webpräsenz, wie ich denke. Hinter nerone steht ein Name und zwar im Impressum.

Hinter dem Impressum und der Angabe der Adresse, meines Klarnamens usw. steht eine grundsätzliche Überlegung (*). Es sollte mich vor dem Anonym bewahren. Vor diesem grauenhaften Monster, dass jegliche Verbindlichkeit, Höflichkeit und den Respekt frisst, die Menschen, einander – mehr oder weniger – entgegen bringen, wenn sie sich in die Augen schauen müssen.

Marketingfuzzis würden nerone vielleicht als Etablierung einer Marke bezeichnen, denke ich. Da ich diesen halböffentlichen Raum im Netz gewählt habe, um meine Auseinandersetzung mit dem Thema Anthroposophie, Steiner, Rassismus zu bewältigen, hielt ich es für angebracht dem Teil von mir, der sich dieser Arbeit widmet eine eigene Identität zu geben. Schließlich ist dieses nicht mein einziges Steckenpferd.

Mit freundlichen Gürßen

Marco Jansen

(*) Es gibt netzpräsente Freunde, die mir dringlichst davon abrieten mich derart im Netz anzuzeigen. Selbst Journalisten täten dies nicht. Deren Referenzadresse wäre ja auch die jeweilige Plattform der Veröffentlichung. Vielleicht muss ich am Ende eingestehen, dass ein weiterer Grund dieses Schrittes Naivität war. Dennoch halte ich die damals getroffene Entscheidung für richtig.

14 Antworten

  1. Meiner Meinung nach ist es nicht viel anderes wie im gewöhnlichen Leben: man lernt einer immer mehr kennen wenn man mit einander umgeht. So ist es mir auch mit Nerone gegangen. Man nimmt Teil an seiner (zugegeben: aufgeschriebene) Erfahrungen und lebt mit. Ich für meine eigene Anteil bin sehr interessiert was Nerone findet von das eine oder andere Topic (besonders was Anthroposophie und anthroposophische Bewegung/Gesellschaft betrifft, weil ich selbst Anthroposoph bin). Seinen Charakter zieht mir an: es ist Haltung darin, und Kraft, viel Kraft, wie ‘smooth’ er vielleicht ist und wieviel Vorsicht er auch ausübt. Na, das ist gerade was mir anzieht, seine Überlegenheit. Ich lerne davon.
    Gerade vor kurzem in dem Auseindersetzung um ‘Josef kommentiert’ liebe ich seine Haltung. Er selbst fühlt sich die Situation möglich nicht gewachsen, aber das Gefühl habe ich gar nicht. Seine Ehrlichkeit, das nicht über sich selbt Hinausgehen, das Stehen für sich selbst, spricht für Ihm. So ist es im Leben auch. In schwierige Situationen lernt man einander wirklich kennen. Und man bekommt Kraft davon; ich empfinde das jedenfalls so.
    Es ist sehr gut möglich das ich viel zu positiv im Sache Mensch bin. Aber das ist gerade was für mich Identität ausmacht: das Spüren von Entwicklungspotential. Man entwickelt sich aneinander und miteinander, hat Gemeinsamkeiten. Bewusstsein bekommt man eben von Unterschiede, von das Andere bei den anderen Menschen. Sei weniger furchtsam, möchte ich sagen. Es bleibt virtuell, man wird nicht leiblich geschlagen (auch wenn es so fühlen kann, ich weiss es). Die Anonimität liebe ich nicht. Aber ich bin gewöhnt mich schriftlich auszudrücken, ich bin berufsmässig Redakteur und bin mir daher die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten meistens bewusst. Das wird hier erhöht durch die Umstand das ich mich in eine fremde Sprache ausdrücken muss. Dann ist man behindert um zu schnell in eine Diskussion einzusteigen, auch ist es schwierig die Feinheiten und Nuances im Diskussionverlaufs gut zu folgen. Wenn man die Leute ein bisschen kennt, wird es schon leichter (wie im gewöhnlichen Leben, möchte ich wiederum sagen). Es ist sowieso immer eine Frage von Übersetzung. Meine holländische Bezugsrahmen sind andere wie die deutsche. Ich kann meine eigene Kontext auch nicht voraussetzen.
    Gut, ich hoffe hiemit ein zweckentsprechende Beitrag geliefert zu haben. Ich finde es sowieso eine interessante Wahrnehmung bei mir selber, um nicht nur Zuschauer und Leser sein zu wollen, sondern das Bedürfnis zu haben wirklich teilzunehmen (es ist auch spannend, die adäquate Wörter im Wörterbauch auf zu suchen und zu finden; man lernt viel über Sprache – das ist vielleicht die Kern: bloggen es ist eine Sprache-Übung). Es ist auch meine Sache, offensichtlich.
    Michel Gastkemper, Rotterdam

  2. Das bereits a. a. O. angesprochene Diskussionsforum nensch hat ein Prinzip: Schreiben unter Klarnamen. Das wurde gelegentlich dahingehend kontrolliert, dass ein „auffällig“ gewordener Teilnehmer aufgefordert wurde, eine Kopie des Ausweises o. ä. an die Admins zu schicken. Abgesehen davon, dass diese Regelung ein hohes Mass an Disziplin (von seiten der Admins) verlangt, erhöht es (das ist zumindest meine Erfahrung) die Hemmschwelle, dort etwas zu veröffentlichen. Das hat Vor- und Nachteile.

    Der Vorteil liegt darin, dass man sich gut überlegt, was man schreibt (auch als Beitrag).Trolle waren allerdings verhältnismässig selten (kamen aber wie Wirbelstürme). Ist aber z. B. ein naher Verwandter in einem Pflegeheim tätig, werde ich vermutlich kaum einen Beitrag über Misstände in Pflegeheimen schreiben, die vielleicht noch auf seinen Informationen basieren, da dies mit Repressalien für den anderen verbunden wäre. Da ist dann auch ganz schnell der Nachteil: Die Leute möchten sich nicht äussern, da sie irgendwann „ergooglebar“ sind und in keinem Fall mit einer politischen Meinung, die sie vor fünf Jahren in eienr bestimmten Lage geäussert haben, jetzt noch identifiziert werden. Ich kenne Leute, die nicht einmal in Blogs anonym kommentieren möchten.

    Pseudonyme enthemmen natürlich. Und es gibt viele Menschen, die ihre Existenz dahinter verbergen, um dann „lustig“ als Troll ein Parallelleben im Netz zu führen. Viele leben dieses Paralllelleben auch als Blogger. Unter Umständen eine ungeheuere destruktive Kraft.

    Zur Lektüre eines Textes ist es für mich zunächst vollkommen uninteressant, wer unter dem Pseudonym „nerone“ geschrieben hat. Ich erkenne mit der Zeit einige Vorlieben und Vorbehalte. Die Person bekommt Kontur über das Geschriebene. „Private“ Interessen eines Schreibers sind für mich für die Rezeption (und Beurteilung; Gewichtung) eines Textes eigentlich unerheblich. Ich weiss, ich befinde mich damit nicht unbedingt „auf der Höhe der Zeit“, die immer auch die Vita neben dem Autor hervorholt. Grosse Teile der Literaturkritik vermischen Leben und Werk, um ihre Deutung des Werkes aus dem Leben des Autors abzuleiten.

    Ich halte das für falsch und ziemlich oberflächlich und möchte Persönliches von Autoren (also auch Bloggern) möglichst lange nicht erfahren, zum den Blick „frei“ zu haben. Natürlich entsteht mit der Zeit unter Umständen eine Neugier, auch den Menschen „dahinter“ besser kennenzulernen. Das kann man dann immer noch versuchen.

    Die Idee der Impressumpflicht für Blogs resultiert natürlich aus gewissen Erfahrungen der Vergangenheit. Hierunter haben jetzt alle zu leiden, die einfach nur in Ruhe und anonym Texte ins Netz stellen wollen. Wenn ich meine Identität in einem Impressum offenlegen muss, macht ein Pseudonym keinen Sinn mehr (ausser, dass Suchmaschinen natürlich das Pseudonym in grösserer Zahl finden werden).

  3. hatten wir irgendwo, stimmt ist eines meiner themen, meine hypothese, wenn blogger zeit und korrektur auf ihr geschriebenes verwenden, dürfte die persönlichkeit eher verborgen werden wie bei anderen artikeln auch. in mails und im chat, wenn da eigentlich nur man selber und der pc ist, wird vieles geschrieben, was man sich life mehrfach überlegen würde sowohl positiv als auch negativ als auch an persönlichem. mit etwas übung kann man nonames im chat wieder erkennen, wenn die sich nicht wirklich grosse mühe geben und auch unter verschiedenen namen in maillinglisten auftauchende trolle sind identifizierbar. sprache und ihr gebraucht sind schon ziemlich individuell. die inhalte können zur legendenbildung beitragen, müssen aber nicht

  4. Ja stimmt, da hatten wir doch auch schon mal drüber geschrieben? Aber auch anderswo habe ich mir darüber Gedanken gemacht. Es ist ein ständiges Thema, dass ich sehr spannend finde. Zum einen die alternative Identität, die mit Macken und so. Oder wie in „Talk Talk“ von TC Boyle, die gestohlene Identität. Die eigene ist aber noch immer außerordentlich spannend. Kann man überhaupt Rollen spielen?

    Fürs Netz würde ich die Frage stellen: Ist man was man schreibt? Steht zwischen den Zeilen wirklich ein Teil der Person, die da schreibt? Ich glaube schon, dass man die Technik des Schreibens und Lesens soweit perfektionieren kann, dass sich aus der Art wie geschrieben wird Persönlichkeit ablesen lässt. Das tut es im Übrigen gerade bei ungeübtem oder im Affekt Geschriebenem, wie ich finde. Andererseits eignet sich die Schrift in erster Linie zur Legendenbildung, glaube ich. Ist jetzt mal so eine gewagte These von mir….

  5. hallo nerone,
    eigentlich nahm ich nur bezug, weil du irgendwo etwas geschrieben hattest von deiner identiät als nerone hier und sonst nichts. und ich dann feststellte, dass da ettliches von dir im netz zu finden ist. im zweifelsfall absolute öffentlichkeit, da folge ich felix. aber in meinen augen als durchdachter entschluss und nicht, weil es gerade mal so gekommen ist. jeder von uns wird nicht nur im netz immer mehr zur gläsernen person. das imho interessante im netz incl chat und mailinglisten ist, das einerseits die „kern“ persönlichkeiten besser zu sehen sind als life (bei josef kommentiert fand försterliesel gerade wieder zum wohligen versteck life zurück) aber es andererseits auch die möglichkeit gibt, das manche menschen ihre sonst verborgenen macken voll ausleben, was dann für alle anderen zu stress führen kann. wobei alles facetten des mensch sind und für mich von den motiven her interessant.

  6. hallo barbar2

    ich müsste die alten Blogdinger aus dem Netz nehmen. Die Fotos sagen nicht viel aus. je mehr Bilder im Netz kursieren, um so weniger ist der Informationsgehalt derselben.

    Nein der Auslöser warst du nicht wirklich, Barbara. Ich dachte nur ich sag es mal deutlicher. Hatte das Gefühl dieser Zusammenhang sei notwendig…

  7. interessant was ich da vermutlich ausgelöst habe;-)
    ein grund für einige sind bis zu 200 spam mails pro tag. der goy hat das mit einem jpg mailadresse gelöst.
    also ob so viel privates incl bildern in alle öffentlichketi sprich netz müssen?
    ich bin zwar, wenn man nach mir googelt auch eine ziemlich öffentliche person, aber nur der teil, der sowieso fpr hunderte öffentlich ist

  8. Georg,

    was du schreibst bestätigt mich ein wenig, eben doch im Hintergrund sichtbar zu sein, betrifft er doch auch Öffentlichkeitswirksame Themen. Glaube ich…

  9. @Daniel
    Offene Flanke – bspw. für Abmahnungen irgendwelcher durchgeknallter Pseudoanwälte…

    Aus dem verlinkten Artikel wird deutlich, dass die „Impressumpflicht“ umstritten bleibt, allerdings sieht man es als besser an, wenn es passiert. Ich frage mich nur: wozu? Eine eindeutige Rechtslage gibt es nicht. Wem habe ich damit geschadet, KEIN Impressum angegeben zu haben?

    Theoretisch ist die Breitenwirkung natürlich irrelevant. Aber die Zahl der Leser kann ich an den Fingern zweier Hände abzählen. Und warum ein Blog, der über mein Privatleben handelt nicht impressumpflichtig ist, müsste man erst einmal erläutern…

  10. Mein Blog besitzt keine Breitenwirkung

    Das ist eigentlich irrelevant. Es geht nur um die Inhalte, Themen und Zielgruppe deines Weblogs. Im Grunde fällt nahezu jedes Weblog, das nicht über seine Haustiere berichtet und nur Geschichten aus dem Privatleben wiedergibt, mindestens in die Kategorie „typisches Weblog“, und ist nach deinem verlinkten Artikel auch impressumspflichtig, sprich Name und Adresse. Ob als Adresse Email-Adresse reicht, weiß ich nicht. Aber mir ist es egal, ich nutze mein Blog „beruflich“ und habe keinen Grund, meine Adresse nicht zu hinterlegen.

  11. Offene Flanken wofür?

  12. Ob ein Impressum für einen Weblog tatsächlich per se Pflicht ist, dürfte mindestens befragbar sein. Mein Blog besitzt keine Breitenwirkung und ich sehe nicht ein, offene Flanken in Form eines Impressums anzubieten.

    Näheres (und vielleicht interessantes) dazu hier: http://www.telemedicus.info/article/259-5-Fragen-zu-Impressumspflichten-in-Weblogs.html

  13. Ja, Daniel, das war auch mit ein Grund für mich, das in der Form hinein zu setzen. Viele scheinen das aber über e-mail zu lösen, kombiniert mit einem Haftungsausschluß. Ob das reicht, weiß ich auch nicht. Wollte nicht noch mit Juristerei anfangen – im Netz muss man ja eigentlich immer über alles perfekt bescheid wissen, wenn man mitmachen will😉 .

    Andere verknüpfen ihre reelle Identität mit dem Pseudonym so eindeutig, durch den Hinweis auf Copyright, wie z.B. Georg Keuschnig von „Begleitschreiben“. Juristisch mag das passen oder nicht -wie gesagt, keine Ahnung- mir erscheint es plausibel.

  14. Meines Wissens ist ein Impressum Pflichtangabe für Weblogs.

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