KISSLERN und FAZZEN

Das Kriminologische Institut Niedersachsen (KFN) des bekannten Kriminologen Christian Pfeiffer, der sich gerne auch in die öffentlichen Debatten einmischt und dabei immer der Nimbus der Seriosität umweht, sah sich in der Lage Meldungen, die sich auf eine Studie seines Hauses bezogen richtig zu stellen. Dabei ging es vor allem um einen FAZ-Artikel vom 08.Juli 2007 „Im Neger wird fortwährend gekocht… Eine Studie verzeichnet Gewalt an Waldorfschulen“. Darin hatte der verantwortliche Redakteur, Alexander Kissler, über Forschungsergebnisse zur Gewalt an Waldorfschulen berichtet, die er dem Bericht des Institut entnommen haben will. Der Artikel, so Pfeiffer in seiner Richtigstellung (11.07.2007), die auch Online als PDF-Datei vorliegt, „habe auch dpa und die Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung zu eigenen Meldungen genutzt und enthalte gravierende Fehler und Lücken“.

Kein Grund zur Häme für die Anthrosphäre, aber der Wunsch nach Richtigstellung würde zumindest die betroffenen Medien wieder etwas besser aussehen lassen, als sie es nach dieser Berichterstattung sein können, befindet sich doch die Waldorfbewegung unter Dauerfeuer in diesen Dingen und von jener Seite. Dass sich etwas im Mai medientechnisch ergeben sollte, kündigte mir bereits ein Insider der Kritikerszene Anfang des Jahres an, der schon seit langer, langer Zeit einen zermürbenden Stellungskampf mit Verantwortlichen der Waldorfschulen führt. Er ist in jeder Veröffentlichung seit 2004 Stichwortgeber für die kritischen und tendenziösen Berichte in den Medien. Vielleicht ist es aber auch so eine Art Verschwörungsidee, die mich in der Sache befällt, wenn ich den Namen registriere, oder die Zusammenfassungen seiner Geschichte serviert bekomme, die ich mittlerweile kenne (und die auch im Internet nachzulesen ist). In diesem Fall geht es aber um den Journalisten Kissler, zu dessen Arbeit Herr Pfeiffer fest stellte:

  1. Es wurde keine Studie des KFN zur Gewalt an Waldorfschulen erstellt; Anfang 2005 im Rahmen einer in elf Landkreisen und Städten realisierten Schülerbefragung (zur Gewalt an den Schulen) auch 520 Schülerinnen und Schüler von Waldorfklassen wurden erfasst. Für drei Vorträge an Waldorfschulen hatten die KFN dann eine Reihe von Schaubildern erarbeitet, die nur die Waldorfschulen betrafen und den Querschnitt nicht berücksichtigten. Herr Kissler habe sich wohl nur auf diese berufen. (Recherchiert? möchte man hier fragend anmerken: Ein Telefonat genügt doch wohl, scheint aber nicht üblich zu sein.)
  2. Herr Pfeiffer bescheinigt Herrn Kissler, er habe die „Ergebnisse zu den Waldorfschulen sehr selektiv präsentiert. Besonders ärgerlich ist, dass er einen extrem positiven Befund überhaupt nicht referiert, weil er offenkundig nicht in den Gesamttenor seines Artikels gepasst hätte. Die Waldorfschulen zeichnen sich dadurch aus, dass sich dort der mit Abstand niedrigste Anteil von fremdenfeindlichen Schülerinnen und Schülern ergeben hat (Waldorf 2,8 %, Gymnasien 8,3 %, Gesamtschulen 16,5 %, Realschulen 17,4 % und Hauptschulen 24,7 %). Ein ähnliches Bild zeigt sich zum Anteil der rechtsextrem eingestellten Schülerinnen und Schüler. Hier reicht das Spektrum von 1,2 Prozent an Waldorfschulen bis zum siebenfachen Wert von 9,5 Prozent an Hauptschulen. Wir interpretieren die Daten als klares Indiz dafür, dass die Waldorfpädagogen sich im Schulunterricht engagiert gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus einsetzen. Es erscheint deshalb geradezu absurd, die Daten unserer Schülerbefragung zur Unterstützung einer These einzusetzen, wonach an Waldorfschulen mit rassistischem Gedankengut gearbeitet wird, das Herr Steiner in den 30er Jahren produziert haben soll. “ [Hervorhebung nerone]
  3. Ferner von Herrn Kissler verschwiegen ist die mit 24,2 % niedrigste Rate von Gewalttätern, die sich für Waldorfschulen ergeben.Pfeiffer führt das auf kleine Gewaltbereite Gruppen zurück die als gewaltätige Mehrfachtäter aktiv sind. Dass das zur Realität der Waldorfschule gehört hängt mit den bekannten “ zerrütteten“ Familienverhältnissen zusammen, also getrennter Elternhäuser (mit 36,1% um 6,5% Punkte über Durchschnitt) und der aus der Gesamtstudie gewonnen Erkenntnis bezüglich der Gewaltbereitschaft der Kinder mit solchem Hintergrund. Und weiter: „Umso bemerkenswerter erscheint es, dass sich zu Waldorfschulen ein weiterer überaus positiver Befund ergeben hat: dort beklagen sich die Schüler am seltensten über massives verbales Mobbing durch Mitschüler und auch die Täterrate liegt insoweit mit 5,1 Prozent weit unter den Vergleichsquoten der anderen Schulen mit durchschnittlich 12,2 Prozent. Dies spricht für ein weitgehend friedliches Schulklima.“

Abschließend weist Herr Pfeiffer nochmals darauf hin, dass Herr Kissler „diese gravierenden Mängel seines Artikels hätte vermeiden können, wenn er mit Herrn Pfeiffer oder einem der an der Untersuchung beteiligten Mitarbeiter gesprochen hätte. Dieser journalistischen Aufklärungspflicht ist er jedoch nicht nachgekommen.“

So kann man sich Herrn Pfeiffer nur in dem Fazit anschließen, in dem er konstartiert, es ginge „ihm ja offenkundig nur darum, seinen Text über Rudolf Steiners Rassentheorie damit anzureichern, dass er die Waldorfschulen mit unseren Daten in ein schlechtes Licht rückt.“

Herr Pfeiffer schuldet die Richtigstellung seiner wissenschaftlichen Arbeit und seinem guten Ruf. Sie fand zeitnah, nach am Tage ihrer Veröffentlichung Eingang in einen Artikel der Süddeutschen Zeitung die diese Meldung von der dpa bezog. Ich bin gespannt zu hören was die FAZ und Herr Alexander Kissler sich schuldig bleiben. Ich schrieb via Mail an die Reaktion, da ich nicht überblicken kann, ob nicht vielleicht schon eine Richtigstellung gedruckt wurde. Ich bin gespannt ob und welche Antwort ich erhalten werde. Die FAZ sollte auf diese Paymentgeschichten verzichten sonst bleiben die im Netz unsichtbar in vielen Themen.

Danke für den Hinweis an TdZ

Zu spät für die Welt, aber nicht zu spät für einen Kommentar. Heut finde ich Links, die sich auf Pfeiffer beziehen. Ich stell die nach und nach hier rein:

 

  • NNA-NEW
  • KfN (wie konnte ich nicht an den Link denken?)
  • NWA sagt
  • was sagte denn eigentlich die FAS?

2 Antworten

  1. buuuh

  2. […] KISSLERN und FAZZEN […]

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