Ich lese gern die Kommentare

Derzeit und generell, mache ich mich an manche Artikel im Netz sozusagen durch die Hintertür heran. Dann überfliege ich Texte , je nach Gemütslage schnell oder langsam, und schaue erst mal in die Kommentare hinein.                                                                UPDATE Daraus ergibt sich zum Teil schon die Problematik des Textes, die Kontroverse des Inhalts und manchmal, durch geistreiche Formulierung, der Inhalt selbst eines langen Artikels. Bei Gronbach erschließt sich mir der Inhalt seiner Texte nicht wirklich. Das ist nicht meine Welt. Da aber hier AnthroNRW drüber steht, fühle ich mich zu Besuchen verpflichtet und habe ja auch schon nutzen daraus ziehen können, verweist Gronbach doch auch schon mal auf Schnittmengen, die ich gerne aufnehme.

Die Kommentarstrecke, die sich gerade auf den Artikel über Jelle van der Meulen entfaltet scheint auf Anderes hinzuweisen, als ich jemals aus dem Text heraus gelesen habe (weil ich ihn ja kaum gelesen habe). Irgendwie geht es da gar nicht um den Autor van der Meulen.

Worum geht es aber dann?

UPDATE

Da es gerade um Kommentare geht, will ich auf diesen Zusammenhang hinweisen! Die Einschätzung von Stefan Niggemeier bezüglich der gegen ihn laufenden Abmahnungskampagne vom TittenmitGeldmitHeissenknöpfenProduzenten Callactiv, lässt mich nicht kalt. Er befürchtet das Ende freien Kommentierens:

„Hätte Callactive mit diesem Vorgehen Erfolg, wäre das meiner Meinung nach das Ende der offenen Diskussion in Foren und Blogs, in den Leserkommentaren von Online-Medien und im Internet überhaupt. Selbst Beiträge, die unmittelbar nach ihrem Erscheinen vom Seitenbetreiber gelöscht werden, könnten dann kostenpflichtige Abmahnungen nach sich ziehen; sämtliche Kommentare müssten vor ihrer Veröffentlichung überprüft werden.“ , schreibt Niggemeier.

10 Antworten

  1. Danke für den Hinweis, Christoph. Vielleicht sollte ich eine Rubrik eröffnen: Alles was sie NWA gepostet haben, aber nie veröffentlicht wurde.
    Ich biete mich dafür gerne an. Voraussetzung: es wurde ihm zuvor angetragen, natürlich.

    Ich fände es schade, wenn er sich als Gesprächspartner derart disqualifizieren würde. Von der Sorte gibt es beiderseits der Demarkationsgrenze genug und unsereiner findet kaum Ansprechpartner. Die einen Verurteilen blind, die Anderen wehren blind ab. Beide bedienen Dogmen, beide verschließen sich in den Tempeln ihrer „Erkenntnisse“, beide beten ihre Mantren ab ihrer eigene Einweihung in Sachen Wahrheit gewiss. Ich hoffe immer noch, dass NWA kein Esoteriker ist. Mal sehen. Andererseits ist seine Aussage ja: Nicht füttern, nicht streicheln, no paseran.

    Ich weiß ja nicht wie es dir geht, aber mir ginge es gar nicht so sehr zu Missionieren, sondern den breiten Blick auf die Problematik (im Gespräch) zu wahren. Ich sehe deutliche Ansätze bei NWA, die ich so unterzeichnen kann, würde ihm aber darstellen wollen, an welchen Punkten ich warum zu anderen Schlüssen komme. Das setzt freilich voraus nicht irgendwelchen Reflexen verdächtigt zu werden. Ich übe mich darin. Ich habe ihm jetzt oft genug vorgehalten er stünde unter Ideologieverdacht. In seinem letzter Beitrag (Es geht ums Ganze) distanziert er sich von dieser Unterstellung recht eindeutig und sendet mir/uns die Retourkutsche. Ich muss da nicht drauf beharren. Hoffentlich liest er weiter mit. Das Internet kann Kommunikation bedeuten.

    Mal sehen Christoph, ich bleib gern noch ein wenig dran. Danke für die Info und deine Umfrage ist, wenn auch sicher nicht repräsentativ, dann doch für uns Blognasen genug Anlass zur Diskussion. Was macht das Goetheanum schon damit? Was glaubst du kann das bringen? Ist das für die überhaupt relevant? Ich stelle dir diese Frage nochmal in deinem Blog bei der Umfrage. Da kann man darüber diskutieren.

  2. Apropos Kommentare: NWA löscht weiterhin jegliche unliebsamen Kommentare. Ich habe dort zweimal jeweils einen weder unsinnigen noch beleidigenden Kommentar geschrieben. Beide und auch die anderer Leser wurden gelöscht. Das ist schade, denn ich finde das Thema „Rassismus und Anthroposophie“ nach wie vor für dringend diskussionsbedürftig. Ich habe aber das Interesse an NWA verloren.

  3. Ich lese gerade Bertrand Russels Philosophiegeschichte von 1945, bei Zweitausendeins erschienen (Europa Verlag). Dabei wird mir klar, dass der Konflikt zwischen wissenschaftlicher und religiöser (spiritueller) Weltauffassung schon weit zurück liegt und geradezu klassisch genannt werden kann. Bei den Griechen gab es diese intuitive Kraft und sie wurde genutzt. Ich bin überzeugt, dass man „Hellsehen“ verschiedentlich erklären und benennen kann und dass seine Ergebnisse von Bedeutung sind. Ich habe weniger mit Steiners Rekurs auf diese „Technik des Verstehens“ Probleme, als mit der Technik einer Priesterschaft, die darum herum Dogmen baut, denen, ihrer Natur des Dogmas entsprechend, die Möglichkeit fehlt, sich anderen Traditionen zu erklären (so wie sie es ja gerade oben – und immer wieder – taten, den Begriff nicht relativiert sondern „übersetzt“, sozusagen), oder mit Wittgenstein (ich versuch den gerade): „5.6 Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt. [Tractatus]
    Diese Wechselwirkung verlangt, wo echtes Verstehen erwünscht ist eine gewisse Beweglichkeit, vor allem, wenn man nicht das Glück hat, auf einen eclats zurück greifen zu können. (Ohne diesen werde ich allerdings den Wittgenstein wohl kaum in seiner Gänze verstehen. Aber das ist ein anderes Thema…)

    Sie sagen zu Recht:

    „So gibts noch in unserer Kultur Residuen dieses – früher ganz selbstverständlichen – vorrationalen Wissens. Daß die Theosophen und die Ethnologen anderswo besser erhaltene Restbestände sammelten und sammeln ist unser Glück.“

    Das macht die Faszination dieser Tradition für mich ein wenig aus, zumal sie eine gewisse Beständigkeit aufweisen kann, die esoterischen Bewegungen eigentlich sonst nicht aufweisen und dabei in der Anthroposophie grundlegende Züge einer individuellen Verantwortung für „Gott und die Welt“ und sich selbst zu finden sind.

    Sie laufen nicht Gefahr frömmelnd rüber zu kommen. Da gibt es jüngere Entflammte, die frömmelnder und älter wirken und mit denen Sie gar nicht zu vergleichen sind.

    Liebe Grüße

  4. Lieber Nerone,
    nun habe ich die Kommentare zum letzten Beitrag im „Seitenspiegel“ gelesen und möchte noch was zu „geistige Welt“, „Hellsehen“ etc. bemerken (velleicht auch, weil ich nicht als frömmelnder Anthro-Oldie dastehn möchte). Einfälle, Intuitionen, plötzliche gute Ideen, die nicht schwer erarbeitet und systematisch erstrebert wurden, kennen Sie gewiß auch. Den „eclat“ z.B.: habe ich bei Jacques Lacan gestiebitzt, der (gegenüber der aus Übertragung und Gegenübertragung penibel rekonstruierenden Analyse) das sich im plötzlichen Einfall Enthüllende behauptete. So gibts noch in unserer Kultur Residuen dieses – früher ganz selbstverständlichen – vorrationalen Wissens. Daß die Theosophen und die Ethnologen anderswo besser erhaltene Restbestände sammelten und sammeln ist unser Glück.
    Zu diesem Bereich von Wissen und Lebensweisheit gehört das Hellsehen; es ist nichts Ungeheuerliches.
    Daß aber solcher – mühelose – Wissensgewinn das eigentliche Skandalosum für die Kritiker ist, damit liegen Sie richtig, denke ich. Auch Ihre Beobachtung, daß Zander gar nicht so bös
    mit den Anthrop. umgeht und ein bißchen Historisierung nicht gleich umbringt scheint mir sehr zutreffend.

  5. lovely gundo

    it is always a pleasure to have such precise readers, like you are. And it is very much like you are writing about table bars…

    soorso

  6. Dearezt Nerony Boy! You ara writing about commentz, but the commentz on this article now, are about something lika ’selbstdarstellung‘, anda at same time they are ’selbstdarstellung‘, because they tell more about you anda otha mister commentator, as they comment your writing about commentz, etc. etc.
    Also, let me say something about reading commentz firzt: mostly they are short, anda easy to read, anda it makes also lotz of fun to read discussionz between commentatorz (also if you know them meanwhile). Ofcourse sometimez a discussion between commentatorz it is such a personal thing, that a) it is hard to follow b) it is boring 3) it is like hearing people talking very private thingies on other table in bar, which you don’t wanna hear, but you must hear them. Then it is time to read the article, maybe for the firzt time.
    Overstreaming anda reading, Mat Gundo

  7. Ach so zerknirscht war es gar nicht gemeint. Es ist meine Art mich nicht auszuschließen wenn ich über die Wunderlichkeiten anderer Nachdenke. Das ist ein Erbe meiner Sozialisation, dass ich den Spruch nicht vergessen kann: „Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge?“
    (http://www.bibel-online.net/buch/40.matthaeus/7.html) [musste doch noch mal nachschlagen, lobe mir aber das Zwischennettz, das mittlerweile fast alles weiß. Ich vermute fast, dass wenn ich eines Tages „Gott“ eingebe, eine verlässliche Adresse ausgespuckt wird.]

    Ansonsten und ganz im geheimen: Sie haben recht!

    match and game (danke für die guten Worte)

  8. Lieber Nerone,
    nun seien Sie mal nicht so zerknirscht!
    Ihr blog vernetzt großflächig und ist schon dadurch sehr verdienstvoll; überdies sind Sie ein großzügiger und sehr geduldiger Gastgeber, manchmal fast schon ein Heiliger !
    Orthodoxie ist eigentlich immer hermetisch, die Exclusivität entschädigt die damit Beschäftigten so auch ein bißchen für ihre Wirkungslosigkeit und ihr Abseits. Sagen wir eben besser Exegese statt Phantasien. Wenn man es nicht versteht, braucht man nicht traurig sein, es ist auch so angelegt, daß man sich etwas dümmer vorkommt. In der Anthroposophie ist Schriftgelehrtentum auch nicht wichtig: ein, zwei Passagen, seis bei Steiner oder in Sekundärliteratur können ein richtiger „eclat“ sein und lange, erhellende Schlaglichter werfen.
    So ist das mit der geistigen Welt, sie berührt uns nicht in der Logelei, sondern im eclat.
    Sicherlich, lieber Nerone, habe Sie selbst schon solche Erfahrungen gemacht.
    herzlichen Gruß!

  9. Lieber Majordomus,

    „matching und marketing“ in eigener Sache, würde ich sagen. Ich kann mich nur unschwer daran gewöhnen, dass die Blogs, so auch meiner, der Selbstdarstellung dienen. So sehr ich mir darüber im Klaren bin, dass auch auf nerone angreifbar aber unantastbar die eigene Meinung steht, so sehr befremdet mich das dann wiederum, wenn ich bei anderen auf diese „Schau “ stoße. Dann gibt es auch so Momente, in denen ich mich freue durch „matching und marketing“ z.B. Sie zu einem Kommentar herauszufordern.

    Warum „orthodoxe Phantasien“? Ich vermute, Sie könnten mir zu der Überschrift noch ein paar erhellende Schlagworte liefern. Ich stocher da immer eher im Trüben, aufgeladen mit Vorurteilen, wenn ich ehrlich bin.

    …hopefully matching…

  10. Lieber Nerone,
    ja richtig, um Jelle van der Meulen gehts nicht, denn die Positionen sind nicht wirklich different. Es geht auch ein bißchen ums matching und marketing. Aber so ist das halt mit der Aufmerksamkeitsökonomie. Die Kommentare dazu sind sozusagen orthodoxe Phantasien.
    Aber danke für den link und van der Meulen lesen wird Sie – ja! – beglücken.

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