hermeneutische Zirkel

Lese gerade etwas über hermeneutische Zirkel. Bin noch nicht durch, da stoße ich auf folgende Feststellung in Bezug auf Sprache, Aussagen und ihre Interpretation:

Bei der Quelleninterpretation ergibt sich die hermeneutische im wesentlichen aus der die historische Differenz, aus dem zeitlichen Abstand zwischen Interpret und Interpretationsobjekt. Dies bringt oft erhebliche Schwierigkeiten für Textverständnis und Interpretation mit sich. Jeder einmal fixierte Text altert unaufhaltsam – die historische Differenz zwischen ihm und dem (gegenwärtigen) Interpreten wächst mit zunehmendem zeitlichen (und/oder sozio-kulturellen) Abstand. So entstehen etwa Verständnisschwierigkeiten in sprachlicher Hinsicht (z.B. veraltete Wörter und Ausdrucksformen, Bedeutungsveränderungen) wie in sachlicher Hinsicht (z.B. erklärungsbedürftige Fakten, Namen, Zusammenhänge). Dies gilt gleichermaßen für die Wertsysteme, Handlungsmotivationen usw., die in den Quellen zum Ausdruck kommen. Wenn etwas überhaupt nicht verstanden wird oder überwiegend unverständlich ist, fällt dies in der Regel sofort auf. Es besteht aber die Gefahr, die hermeneutische Differenz zu unterschätzen
und scheinbar ‚alles’ sofort zu verstehen. Dies ist in der Regel der Fall, wenn der Interpret sein (oftmals unbewußtes und unreflektiertes) Vorverständnis auf den Text bzw. die Quelle projiziert und die von seinen Vorerwartungen und seinem Vorverständnis abweichende Informationen ignoriert und ausblendet. Die einsinnige Bestätigung des Vorverständnisses stellt dann jedoch keine Erweiterung der Erkenntnis dar, sondern gewissermaßen eine sich selbst bestätigenden Prophezeiung (self-fullfilling prophecy).

Hans Bernd Zöllner

Ich will hier nicht das große Relativieren beginnen, diese Erkenntnisse gelten in jede Richtung. Sie helfen vielleicht bei der eigenen Rezeption der Texte und der Rezeption der eigenen Interpretation.

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