Subkultur – Die Angst der Eliten

Liegt der Ablehnung von Subkulturen seitens der Eliten die Angst vor Kontrollverlust zugrunde?

Der Kontrollverlust droht dann, wenn sich die Mittel der Kommunikation derart ändern, dass das bürgerliche Establishment bestimmte Gruppen nicht mehr versteht. Was wenn sich die aufkeimenden Gruppen zu aufstrebneden Verstärkern werden, die sich allerdings selbstreferentiell auf die Traditionen ihrer eigenen Kultur beziehen? Was wenn nicht mehr Goethe, Humbold oder Adenauer Bezugspunkte sind, Wagner, Brecht und Che Guevara, sondern Johnny, Slobo, Tony und nerone?

Spiegelt sich der Kontrollverlust in einem Sprachverlust? Ist nicht die Konstatierung einer Dekadenz und Dekonstruktion der Sprache seitens der bildungsbürgerlichen Eliten ein Ausdruck der eigenen Ohnmacht gegenüber den Kodierungen subversiever Strömungen?

Andererseits:
Die sogenannte Subkultur bezieht sich immer auf den Mainstream. Ihre Sprache lehnt sich an -, ihre Codes beziehen sich auf -, ihre Themen spiegeln das was Gesellschaft ist. Subkultur ist auch Elite. Sie ist vielleicht die angstlose Elite, weil sie Ziele kennt und nicht Besitz. Noch nicht.

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8 Antworten

  1. „Was wenn nicht mehr Goethe, Humbold oder Adenauer Bezugspunkte sind, Wagner, Brecht und Che Guevara, sondern Johnny, Slobo, Tony und nerone?“

    Che Guevara war ein Terrorist, und Goethe war für die Todesstrafe. Dann doch lieber nerone, ein echtes Vorbild.

  2. Ich denke Felix, wie gesagt ich bin mir nicht sicher, ich stocher da im Trüben – ich denke der Elitebegriff kann nur für Eliten funktionieren, die ähnliche Voraussetzungen und ähnliche Schnittmengen haben. Das anderer sind soziale Variationen, die aber für den Elitebegriff keine Relevanz haben. Vielleicht hat ja Traugoth recht wenn er schreibt:

    „… es gibt gar kein Bildungsbürgertum mehr, nur noch Besitzbürgertum auf der einen und hedonistische Postmaterielle auf der anderen Seite – in fließenden Übergängen“

    Damit löste sich die Fragestellung auf und du könntest deinen individuellen Blickwinkel nutzen und meinetwegen auch behaupten die einen sind blöder als die anderen. Wie gesagt glaube ich nicht, dass es darum geht. Auch ist der Vergleich mit „Vera am Mittag“ und Neudeck ein Vergleich zwischen Konsum und Engagement, zweier Welten, die sich im Grunde nicht berühren (außer bei LiveAid un’so).

    Für mich geht es in dem Beitrag eigentlich um Kreativität und Stagnation. An diesem Punkt setzt eigentlich eine Mengenlehre ein, die bestimmte Schnittmengen feststellt und die Gruppen, die an der Schnittmenge partizipieren analysiert. Dabei interessiert mich wiederum die Notwendigkeit des Elitebegriffes. Als Definition einer Gruppe taugt er meines Erachtens nicht viel. Anthroposophen mögen sich ja als Elite definieren, dass lässt sie dennoch nicht Teil der Gruppe der Eliten sein, die sich nicht als Anthroposophen definieren. In deren Kreis sind die Anthroposophen womöglich Subkultur. Ich merke schon, jetzt wird es kompliziert. Jetzt mal eben schnell ein Tafelbild…

    Ich verstehe Spergels Rückfrage in etwa so: Wozu dient das Selbstbekenntnis; Ich bin Elite! Führt es tatsächlich in die Verantwortung, wie Gronbach schreibt? Gibt es nicht hundertfach Beispiele für eine verantwortliches Handeln jenseits des Elitebegriffes? Mir fielen da einige ein.

  3. F. Spergel: Elite ist ja ein etwas negativ behafteter Begriff im heutigen Sprachgebrauch

    Ja – leider.
    Und auf der anderen Seite ist „Unterschicht“ derjenige Begriff, der „gar nicht geht“, dessen Inhalt – angeblich – gar nicht existiert.
    Ich frage mich allerdings allmählich, wie man denn dann vielleicht wenigstens das Gefälle benennen könnte, das – nur als spontane Beispiele – von Rupert Neudeck zu den Gästen von „Vera am Mittag“ führt.

    Grüße,
    Felix Hau

  4. „Wenn Subkulur, aus Deinen beschriebenen Gründen, die angstlose Elite ist (echt schön formuliert), dann fehlt ihr zum Durchbruch nur noch eines: Das Bekenntnis dazu.“

    So ganz genau kann ich nicht verstehen, was Gronbach damit meint, aber demnach wäre Slatko (wer kann sich noch an ihn erinnern?) vielleicht ein Vertreter der angstfreien Elite. Was meinen Sie mit Durchbruch? Zu bekennen, dass man Elite ist oder zu bekennen dass man angstfrei ist? Und was würde der Durchbruch für Folgen haben? Elite ist ja ein etwas negativ behafteter Begriff im heutigen Sprachgebrauch.
    F. Spergel

  5. @nerone statt goethe ? 🙂 …qualität hängt nicht an großen namen, aber ohne kultur gibt es auch keine subkultur!

  6. Ehrlich gesagt glaube ich, kommt man ganz gut ohne das Label „Elite“ aus. Ich denke, so wie ich es im Text andeute, ist der Begriff Elite eng mit dem Bewusstsein eines Besitzes verknüpft. Es geht dabei um das Haben, nicht um das Sein, wenn man so will.

    Wenn Elite handelt, dann von oben nach unten. Bildung ist so ein Thema (übrigens auch in Waldorfschulen). Ich denke Subkulturen fehlt das Bekenntnis zur Elite nicht. Im Gegenteil: die Migration zur Elite fördert den Stillstand der Tradition.

    Zu dem „so oder ähnlich“ bereite ich einen Artikel vor, um dem Missverständnis, das aus dem Kommentar heraus zu lesen ist, aufzulösen.

    so

  7. Lieber Nerone,

    klasse Text, der das Thema von einer spannenden anderen Perspektive beleuchtet. Danke!

    Wenn Subkulur, aus Deinen beschriebenen Gründen, die angstlose Elite ist (echt schön formuliert), dann fehlt ihr zum Durchbruch nur noch eines: Das Bekenntnis dazu.
    Fehlt dies und endet es mit einem „so, oder ähnlich“, dann bedeutet das, man lässt sich ein Hintertürchen offen und will am Ende nicht für ein mögliches Scheitern verantwortlich gemacht werden. Wie auch: War ja nur „so, oder ähnlich“ gemeint…

    Einen schönen Tag!
    Herzlich
    Sebastian Gronbach

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