Literarische Bekenntnisse

Wegen der schnellen und netten Kommentare will ich diese, hier, mit einem neuen Beitrag, beantworten und meinerseits kommentieren:

Arno Schmidt klang lange Zeit für mich nach Politik. So sperrig, abgesehen davon, dass der Name auch ebendort vorkommt. Dieser Arno hat sich, glaube ich auch an Joyce Übersetzung versucht? Für mich ist Joyce ein Dauerbrenner. Steht im Regal. Bombastisch der erste Auftritt von Stefan-oder war es der Freund?- rasierend, im Morgenrock. Man möchte meinen da geht einer marmorne Stufen herab und plötzlich steht man bei einem Dubliner Boheme in der Bude, so eine Art WG. Grandios! Aber die eigen Zeit lässt sich nicht auf einen Tag Odysee strecken. Und daran scheitere ich immer wieder. Proust wird noch kommen müssen. Ich umtanze seine Werke bei Amazon und in der Buchhandlung. Mich reizt und lockt die lange Weile von Musils „Mann ohne Eigenschaften“, aber auch davor scheue ich noch. Es gibt zuwenig Orte, die einem die notwendige Konzentration bieten – vielleicht in ein paar Jahren.

Ich freue mich gerade über das bei zweitausendeins erschienene Buch von Italo Svevo – Zenos Gewissen, La coscienza di Zeno. Man könnte „coscienza“ auch als „Bewusstsein“ des Zeno Cosini verstehen, der Titel im Original ist vielschichtiger. Svevo, der mit 37 Jahren seine ersten Roman veröffentlichte schrieb hier in einer unmittelbaren Sprache, eine Sprache, die den Umgangston des Erzählers nicht verfemdete. Das gibt dem persönliches Geständnis welches Zeno ablegt, indem er seinem Psychater (von dem er wohl nicht viel hält) eine autobiographische Arbeit in mehreren Heften vorlegt, eine besondere Lebhaftigkeit. Sein Umgang mit der italienischen Sprache ist recht sallop und angereichrt von – aus dem deutschen entlehnten – Formulierungen, die in Italien zunächst nicht wirklich verstanden wurden (ebenso wie diese „unliterarische“ Sprache, die auch promt in der deutschen Sprache vom wohlmeinenden Übersetzer gehöt wurde). Die Übersetzerin erzählt dies in einem interessanten Nachwort. Svevos Buch kam 1925 in die Buchläden in Italien.

Diese Übersetzung, die im Verlag Zweitausnedeins veröffentlicht wurde, und die als zweisprachige Ausgabe ganz aktuell im Jahre 2007 in der ersten Auflage vorliegt, bleibt eng am Text. Die Sprache wirkt direkt und modern. Keine künstlerische Staubigkeit umhüllt den Inhalt und den Humor von Svevos schwachen Helden, der sich das Rauchen abgewöhnen will. Dieses erste Kapitel ist ein Glanzstück moderner Prosa. Neben der brillianten Einfachheit, mit dem Svevo uns den Gedankenkonstruktionen des Helden folgen lässt, entfaltet der Autor zudem raffinierte Einblicke in die coscienza des Zeno.

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