Luhmann, Mind Mapping, Bloggen

Zur technischen Ausstattung des Zettelkastens gehören hölzerne Kästen mit nach vorne ausziehbaren Fächern und Zettel im Oktav-Format.Niklas Luhmann, Kommunikation mit Zettelkästen, Ein Erfahrungsbericht

Ich beschäftige mich nun schon seit einiger Zeit offline mit Möglichkeiten der Archivierung und Strukturen eigener Daten und solcher, die ich auch „auf Vorrat“ sammel. Vor allem verfolge ich das Ziel mein Schreiben hinsichtlich seiner Methodik nachhaltig zu verbessern. Als ich mal das Vergnügen hatte, dass ich gerne wiederholen würde, Julio in einem Cafè in Düsseldorf gegenüber zu sitzen, spürte ich deutlich die Verwunderung, als ich ihm nochmals meinen Beruf „offenbarte“: „Wie kommt ein Innenarchitekt dazu sich mit den Themen zu beschäftigen, mit denen sich nerone beschäftigt?“

Neben den ersten Fragestellungen rund um die Anthroposophie und Waldorfpädagogik, spürte ich auch den Wunsch mein Schreiben zu trainieren und das Denken natürlich auch. Die Funktionsweise der Blogs bildet ja den Luhmann’schen Zettelkasten ab, gerade durch die Möglichkeiten der Verlinkung. Auf Julios Blog Axonas findet man den Hinweis im Header: „Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Ich habe jetzt nochmal eine Software angepackt, die sich am Zettelkasten Luhmanns orientiert und – durch Daniel Lüdecke(kompliment) – sehr gut programmiert ist. Ich lerne Systeme und Werkzeuge kennen, die ich für mein Studium nie brauchte, deren Sinn mir allerdings hinsichtlich des Schreibens einleuchten. Allerdings – und hier liegt das Problem – wie organisiere ich nun das Schreiben und Wissen? Nehme ich den Zettelkasten? Was passiert dann mit meinen geliebten Notizbüchern? Lasse ich das Ganze als Journal laufen, ähnlich einem Tagebuch, als Offline-Blog? Lege ich einfach alles auf den Blog? (nicht meine bevorzugte Variante)

Wie arbeite ich im und am Zettelkasten, ist für mich als Wissenschaftslaien nach wie vor die große Frage. Gebe ich die Ideen für Texte dort ein? Wenn ich einen Text angehe, der zwar die Richtung kennt, aber noch nicht seine Elemente, beginne ich meist (direkt im Editor, wenn ich Blogge) in der Textverarbeitung, oder in meinem Notizbuch, für Unterwegs. Notizen werden in Textdateien erfasst und dabei schon redigiert. Innerhalb der Textdatei wird strukturiert. Auf ein zweites Gedächtnis a la Luhmann würde ich gerne zurückgreifen, da ich eher assoziativ arbeite. Allerdings habe ich Angst vor der strengen Form des Zettelkastens und keine Erfahrung mit dem Umgang. Ein weiteres spannendes Werkzeug ist Freemind. Ich teste das gerade. Ob ich damit arbeiten kann? Weissnicht. Werde berichten…

Jetzt warte ich auf Erfahrungen meiner Leser…

16 Antworten

  1. […] Allgemein fündig bzgl. “Führungstipps” wurde ich z.B. bei rebell.tv, bei dem Psychologen Moskaliuk, bei toolblog und dem WordPress-Kollegen nerone. […]

  2. […] die eine oder andere Hermeneutik z.B. von Siggi Freud vor. Etwa zu gleicher Zeit hat Marco vom nerone-Blog eine schmale Anwendung – den  Zettelkasten (800kb) von Daniel Lüdecke aufgetan. Daniel hat […]

  3. […] Luhmann, Mind Mapping, Bloggen […]

  4. Ich habe an dieser Stelle mal versucht, den oben genannten Artikel „Lesen lernen“ zu verarbeiten und mit einer möglichen Arbeitsweise eines Zettekastens zu verknüpfen.

  5. […] denkt Sebastian zu Luhmann, Mind Mapping, Bloggenpoetin zu Luhmann, Mind Mapping, BloggenQuerverweise » Fundstücke, Lesenswertes & Links – […]

  6. Ich glaube, wirklich kreative Ideen brauchen einfach ein gewisses Maß an Chaos – die Fähigkeit des Wissenschaftlers liegt dann darin, diese aus dem Chaos geborenen Ideen zu strukturieren, zu operationalisieren, in Beziehung zu schon Vorhandenem zu setzen und immer wieder (da bin ich ein Anhänger des hermeneutischen Zirkels) aufgrund neuer Erkenntnisse und Sichtweisen zu hinterfragen (und an dieser Stelle dann alle Achtung vor Luhmann, wie er das in einem so chaotischen Büro hingekriegt hat🙂 ).

  7. einerseits finde ich systemtheorie und systeme schon spannend.
    andererseits ist mir, während ich mir grad das luhmann-video angeschaut hab, erst mal dieses (okay, ziemlich abgelutschte) nietzsche-zitat eingefallen: nur wer noch chaos in sich trägt, kann einen tanzenden stern gebären …

    na ja, auch hier könnte die wahrheit in der schönen mitte liegen.
    liebe grüße, schön, dass ihr euch hier überhaupt mit wissenschaft beschäftigt!

  8. […] Niklas Luhmanns ins digitale Zeitalter überträgt. Nun stellt ganz aktuell Nerone auf seinem Blog die Frage, auf welche Weise die Inhalte, Texte und Gedanken des Zettelkastens am besten […]

  9. Vielleicht noch ein kleiner Erfahrungsbericht mit dem Zettelkasten von Daniel. Ich schreibe momentan an meiner Dissertation und arbeite in diesem Kontext seit ein paar Monaten mit dem Zettelkasten. Verwendet wird er von mir für alles mögliche – Ideen, Zitate, Exzerpte usw. Sprich, ich nutze ihn primär als „zweites Gedächtnis“. Richtig spannend wird der Zettelkasten aber erst durch die Möglichkeit der Verknüpfungen. Wenn er eine bestimmte Größe erreicht hat, ergeben sich so Zusammenhänge, Verbindungen bzw. Möglichkeiten wie man etwas zusammen denken kann, die ich vorher nicht gesehen habe – und hier liegt dann meines Erachtens der wirkliche Mehrwert des Zettelkastens gegenüber einer reinen Zitate- oder Notizensammlung.

  10. Es gibt viele Funktionen, die ganz gut sind – die Frage für mich ist dabei immer, ob und wie ich das umsetzen kann. Garantieren kann ich also nichts, aber ich versuche schon, sinnvolle und brauchbare Funktionen möglichst zu implementieren. Anregungen, Wünsche etc. können gerne in der Zettelkasten-Wiki eingetragen werden.

  11. Wollte mir die „Shortcuts“ in unserem 2001 vor Ort kaufen -nicht da! Egal. Ich werde mich mit etwas Zeit bewaffnen und meine Texte zur Anthroposophie aus diesem Blog in den Zettelkasten einpflegen. Ich werde den nächsten längeren Beitrag mal mit dem Zettelkasten konstruieren. Im Selbstversuch sozusagen. Übrigens: die Besucherzahlen für diesen Beitrag waren enorm.

    Daniel, mir fällt folgendes ein: Wäre es denkbar eine Importfunktion für Blogs zu entwickeln? Die haben doch ein bestimmtes programmiertes Schema. Die Verschlagwortung durch die Kategorien dient sozusagen eine Basisstruktur, die dann im Zettelkasten in der Überarbeitung verfeinert werden kann. Ich selbst werde das wohl mit Copy/Paste angehen. Aber da es im Grunde ähnliche Systeme sind, wäre doch eine Importfunktion nicht schlecht-oder?

  12. Noch ein Hinweis: Der Artikel „Lesen Lernen“ (aus den Shortcuts) finde ich sehr gut, da dort gut beschrieben wird, wie man den Unterscheidungen, die einem Text zugrunde liegen, auf die Spur kommt und lernt, die Perspektiven von Autoren besser zu erkennen und somit auch besser zu interpretieren.

  13. […] Zettelkastens in einem Interview beschreibt. Aber darüber hinaus möchte ich noch auf diesen Blogeintrag aufmerksam machen, wo eine interessante und vielleicht auch aufschlussreiche Diskussion zu diesem […]

  14. Ich arbeite je nach Situation, entweder direkt im Zettelkasten oder aber ich schreibe mir Dinge auf Papier (oder auch in ein Textverarbeitungsprogramm) und trage die Notizen später in den Zettelkasten.

    Ich versuche mich überwiegend an Luhmanns arbeitsweise zu orientieren, indem ich (bspw. bei Artikeln) ein Absatz/Kapitel lese und danach die Hauptaussagen mit eigenen Worten zusammenfasse. Dabei versuche ich bereits, die Aussagen des Autors einzuordnen („Mit welcher Unterscheidung arbeitet der Autor?“) und ggf. mit meinen Absichten und Ideen zu kontrastieren oder kombinieren („Was bedeutet das für meine Fragestellung bzw. wie lässt sich die Aussage des Artikels auf mein Thema beziehen und einordnen?“).

    Allerdings kommt es durchaus auch öfter vor, dass ich Zitate im Zettelkasten sammle, oder aber Exzerpte/Aussagen „unkritisch“ übernehme, einfach um den Gedanken zu sammeln. Es kann schließlich auch sein, dass ich im Moment die Aussage noch nicht einordnen, später aber auf andere Literatur, die ich dann lese, beziehen kann.

    Und ich sammle ziemlich alles, sei es eigene Gedanken, Zitate/Exzerpte, Diskussionen aus Emails/Mailingslisten etc.

    Mitunter kommt es vor, dass ich aus einzelnen Zetteln, die ich exzerpiert habe, einen Blogeintrag schreibe, und der gefällt mir dann ausformuliert so gut, dass ich diesen Eintrag wieder in den Zettelkasten eintrage. Aus dem Zettelkasten, in den Zettelkasten. Aber hauptsächlich formuliere ich die Blogeinträge, um zu sehen, was sich beim Schreiben so ergibt, und hoffe vor allem auch auf Kommentare, die mir wiederum weiterhelfen.

  15. Danke für die Aufmerksamkeit Daniel. Das Video zeigt übrigens, wenn man sich mit deinem Programm mal beschäftigt hat, wie präzise du an der Vorlage Luhmanns programmiert hast. Mich würde die Arbeitsweise der Leser interessieren, gerne auch Deine eigene Daniel. Mir geht es eher darum, ob du die Textefragmenten, Exzerpten, Paraphrasierungen, Notizen notierst. Tippst du weitestgehend direkt in den Zettelkasten?

    Ich habe wohl gelesen und finde es auch vernünftig, dass man sein „Gedächtnis“ auf einen Zettelkasten „reduziert“. Was mache ich mit literarischen Versuchen? Also nicht der Gattung theoretischer, abstrakter Überlegungen, sondern Erzählungen. Gehören die nicht in das Selbe Gedächtnis und werden sie nicht von dem Gedächtnis auch befruchtet. Erstmal würde ich das bejahen.

    Nächste Frage – nicht an dich Daniel, ich will dir nicht die Zeit stehlen, vieles von dem wirst du schon in etlichen Foren besprochen haben: Macht es Sinn die Arbeit des Blogs in den Zettelkasten einzupflegen? Oder reicht es -Online- darauf zurückzugreifen? Schwere Frage begegne ich doch sicherlich einigen Themen mit Sicherheit in der einen oder anderen Form wieder.

    Spannende Fragen, nicht nur für Daniel, sondern auch für die Leserschaft von nerone, wie ich finde, haben wir doch alle eine gewisse Leidenschaft

    a. für das Schreiben,
    b. für das Sammeln.

  16. Hallo, freut mich, dass dir mein Programm gefällt. Die eine Arbeitsweise gibt es natürlich nicht. In der Zettelkasten-Newsgroup gab es mal eine kleine Diskussion (auch an anderer Stelle) zum Verwendungszweck. Ich finde das Zettelkasten-Video von Luhmann sehr hilfreich zur Arbeitsweise: Er sagt, er kopiert keine Textstellen, sondern schreibt seine Überlegungen und Interpretation zu dem Gelesenen auf die Zettel, ggf. sogar bereits „Querverbindungen“ zu dem, was er las. Er setzt also weniger auf Zitate, sondern gleich direkt auf „ausformulierten“ Text, so als würde er das Gelesene direkt als eigenen Text verarbeiten. Und so streng ist die Form des Zettelkastens auch nicht, im Gegenteil. Gerade durch das Abstrahieren vom Kategorienschema hast du sehr lose Verbindungen und Vernetzungen, die im Prinzip jedesmal anders ausfallen, wenn du mit dem Zettelkasten arbeitest. Man muss sich einfach klarmachen, dass jeder Text immer wieder anders geschrieben wird, wenn man ihn nochmal schreibt. Also braucht man auch keine Angst haben, den entscheidenden Zettel verpasst zu haben. Daher kannst du den Zettelkasten ruhig locker und entspannt als Zusatzwerkzeug zu deiner Arbeitsweise verwenden.

    Gruß
    Daniel

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