[iv] Ein paar Gedanken

[iv] Es tritt spätestens dann ein klassisches Glaubens- und Identitätsproblem zu Tage, wie er derzeit durch die katholische Kirche durchdekliniert wird. Stellvertretend sozusagen – aber er nimmt vorweg, was kreationistischen Thesen bevorsteht, wenn erst einmal die Frage nach der wahren Auslegung der Schöpfung gestellt ist. Derzeit schießt Ratzinger auf die Gläubigen mit scharfen Abgrenzungen und theologischen Standortbestimmungen, die wenig Zustimmung im eher praxisorientierten, verweichlichten westlichen Kirchenvolk genießt. Ich denke Ratzinger wird hierzulande einige Schäfchen auf den Weiden anderer christlichen Glaubensgemeinschaften verlieren, viele suchen ihre Spiritualität sowieso lieber im Diffusen, von Zwängen freien, individualisierten Glauben jenseits der Kirchen und der Traditionen. Was Ratzinger sagt, ist der Klassiker patriarchaler Argumentation: „Es ist mir Egal, was deine Freunde sagen. Solange du deine Füße unter meinen Tisch…“ und damit aber auch ein höchst konsequente Feststellung des katholischen Oberhirten, konstatiert er doch lediglich die einzige und letzte Rechtfertigung für die Trennung der großen christlichen Kirchen. Würde die Kirche sich dieser selbst verfassten Wahrheit, die einzige Nachfolgerin der Kirche Jesu zu sein, nicht annehmen, so gäbe es außer einiger Probleme theologischer Praxis kaum nennenswerte Unterschiede. Diesen Wahrheitsanspruch zu behaupten zementiert aber die Existenz (oder frei nach Feyerabend: die Tradition) der katholischen, sowie – im Umkehrschluß – der evangelischen Kirche.

 

Diese Existenz durch Abgrenzung ist die selbe Politik und notwendige Konsequenz glaubensorientierter Wahrheiten und Grundlage des Kreationismus (aber auch des Wissenschaftsglauben). Wie sollen sich also westlich geprägte, christlich-judaistische, mit islam-osmanischen Traditionen über eine Schöpferfigur, der Schöpfung und ihrer Zeiträume laut der Urschriften dieser Traditionen überein kommen? Die letzte und die erste Frage (Antwort) hinter den kreationistischen Traditionen ist ja immer auch die Frage nach der Gültigkeit der Heiligen Schriften. Oder bescheidet man sich unter Kreationisten mit der Erkenntnis der Designer ist Buddhist oder naturreligiös oder Muslim? Wie Konsistent ist die kreationistische Theorie dann eigentlich noch? Ist es dann nicht vielleicht doch attraktiver zumindest in den Wissenschaften mit einem Modell zu arbeiten, dass sowohl am Rhein, dem Missisippi, am Bosperus und dem Indus gültig sein kann. Für mich wäre das eine zentrale Frage, die sich dem Kreationismus stellte: Wie geht die Idee mit Religionen und Traditionen um, wenn diese kreationistisch fundierte Ableitungen der Schöpfung erstellen, die nicht mit den evanglikal-amerikanischen Modell übereinstimmen?

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