Sinnhaftigkeit in Zeitgenossenschaft

Ich lese gerade in den Themen der Zeit einen Artikel von János Darvas. Der Autor stellt als die spirituelle Ausrichtung der Anthroposophie in seinem Artikel heraus. Die daraus abgeleitete Konsequenz durch eine Meditationspraxis in die Gesellschaft hineinzuwirken ist durchaus plausibel, wenn auch nicht ganz mein Thema. Es geht den Anthroposophen ja auch darum in die Gesellschaft hinein zu wirken und das im guten Sinne, ihren Erkenntnissen über die Welt folgend, so wie es jede gesellschaftliche Gruppe für sich in Anspruch nimmt. Dazu halt die Meditation als Transportmittel. Ferner sieht er die Rolle der Anthroposophen als Puffer zwischen den Polen der religiösen und säkularen, konservativen und progressiven gesellschaftlichen Bewegungen, als dritte Gruppe, jener der „spirituellen Kreativen“.

Ich finde spannend wie der Autor die derzeitige Konstitution der Anthroposophie beschreibt. Aus dem folgenden kurzen Absatz geht das m.E. ganz gut hervor. Zudem enthält es einen Satz, der darstellt warum diese Bewegung mir sympatisch ist und einen anderen Satz mit dem Hinweis, wann sie mich zutiefst langweilt.

Zwar ist der gelegentlich erhobene Vorwurf, Anthroposophen beriefen sich durchgehend auf die Autorität des großen Lehrers ohne selbst zureichend Einsichten und Fähigkeiten einzubringen, überzogen. Und doch springt die Diskrepanz zwischen den Vorgaben und Zielsetzungen einerseits, und den zwar soliden und kreativen, aber demgegenüber doch letztlich begrenzten Leistungen anthroposophischer Forscher und Praktiker ins Auge. Manchmal wird melancholisch darauf hingehofft, dass eine neue große Lehrergestalt nun endlich aktualisierte Durchbrüche bringe. Gerade um neue „Offenbarungen“ dürfte es aber im Kern nicht gehen. Denn Anthroposophie zeichnet sich eben dadurch aus, dass sie Anregung und kreatives Milieu sein will, um die autonome spirituelle Fähigkeitsbildung Vieler zu fördern. Ein neuer oder wiederkehrender Weltlehrer würde sich mit Sicherheit hüten, sein Können und Erkennen noch einmal den ohnehin großen Missverständnissen einer bloß enzyklopädischen Wissens-Anthroposophie und einer weiterhin existierenden latenten Autoritätsgläubigkeit auszuliefern.

Darvas zeigt am Ende seines Artikels auch auf, wo er die Chancen für eine Öffnung, hin zur Gesellschaft, sieht.

Sicher ist: Gesucht werden müsste eine Sprache, die sich nicht im Jargon einer geschlossenen Insidergruppe erschöpft. Gesucht werden müssten Aktionsformen und Zusammenschlüsse jenseits des Hergebrachten. Gesucht werden muss vor allem der Weg hin zu den Menschen im gesteigerten Interesse und Mitgefühl: Eine Anthroposophie, die sich auf dem Experimentierfeld der Zeitgenossenschaft selbst auf die Probe stellt. Keine Anthroposophie, die fertige Antworten parat hält, sondern eine, die das Wagnis eingeht, mit ihren eigenen Potentialitäten am Ende vielleicht doch ernst zu machen.

Dieses Ringen um Sinnhaftigkeit in Zeitgenossenschaft ist ein spannendes Motiv und vielleicht sogar der Humus einer neuen Ausrichtung, die über den „Meister“ hinaus weisen kann. Ich drücke die Daumen…

so oder ähnlich

2 Antworten

  1. Danke erstmal, ich habe korrigiert.
    Und dann: Ich habe deinen Text angelesen: Furios-prosaischer Anfang! Ich gehe gleich in die Inhalte. Wollte meine Leserschaft auf jeden Fall vorab die Lektüre empfehlen… So jetzt hüpfe ich nochmal rüber und lese fertig. Geh mal zu Segro, der Anthro aus nrw. Da entwickelt sich eine spannende Diskussion rund um Kunstauffassung. Schön ist, dass der Rüdiger Sünner sich eingeschaltet hat.

  2. Bei deinem ersten Zitat von János Darvas fehlt der Anfang.

    Und ansonsten hier ein manueller Trackback:

    Abenteuer oder Teestube? Bemerkungen zu Damen, die noch was vorhaben könnten

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