Unverträgliches

Unter dem Titel sozialistische Denkpolizei widmet sich Jens Heisterkamp, Redakteur der Zeitschrift Inf03, Anthroposophie heute, dem Report der Asembleè parlamentaire, den diese dem Europarat vorlegte. Es handelt sich um eine Schmähschrift gegen Kreationismus und ID, getrieben von der Sorge um gesellschaftliche, politische und ethische Übereinkünfte und die Stabilität der Grundlagen der Bildung.

We are witnessing a growth of modes of thought which, the better to impose religious dogma, are attacking the very core of the knowledge that we have patiently built up on nature, evolution, our origins and our place in the universe.

Aus einigen Punkten des Berichtes lassen sich andere Schlussfolgerungen ableiten, als die der Verfasser. Es steht dort:

There is a real risk of a serious confusion being introduced into our children’s minds between what has to do with convictions, beliefs and ideals and what has to do with science, and of the advent of an “all things are equal” attitude, which may seem appealing and tolerant but is actually disastrous.

Hieraus ein Verbot kreationistischer Thesen abzuleiten ist in meinen Augen ein Eingeständnis gegenüber den Kritikern der Evolutionstheorie. Wer eine wissenschaftlich fundierte Theorie (wie die Evolutionstheorie) durch Verbote schützen muss gesteht die Angst um ihre Fallibilität ein. Aus der Erkenntnis, dass die fundamentalistischen Ideen auch in der EU auf fruchtbaren Boden treffen, lässt sich meines Erachtens nur mit Bildung antworten. Das bedeutet allerdings eine Aufnahme des ID in schulisches Kurrikulum. Schnell wird dort zu Beweisen sein, dass ID und Kreationismus in anderen Systemen zu Hause sind als die Evolutionstheorie. Solange nämlich ID keine positiven Beweise gegen die Evolutionstheorie vorbringen kann, kann die Evolutionstheorie nicht als widerlegt gelten. Die Evolutionstheorie hat ihrerseits genug Mittel an der Hand um den wissenschaftlichen Schlagabtausch argumentativ zu bestehen. Wer das „missing link“ mit Inhalten füllen will, der soll das gerne tun. Allerdings ist dies eine andere Dimension.
ID und Kreationismus müssten auch übergreifend im Religions- oder Ethikunterricht beleuchtet werden. Es würde gelten ihnen ihre Herkunft aus christlich/fundamentalen Bewegungen nachzuweisen. Nicht so sehr um sie zu desavouieren. Nur um den Kulturkreis zu offenbaren, dem sie entspringen. Heisterkamp selbst weist auf die Notwendigkeit hin, zu wissen aus welcher Richtung Kritik und Warnung kommt:

Das wollen die weltanschaulich verbohrten und radikalen Materialisten nicht wahrhaben.

Diese Art der Positionierung führt den ewigen Kreislauf radikalisierter Debatten fort und wird kaum dienen einen Dialog zu fördern. Wohin das wiederum führt, wenn sich das Evolutionisten erlauben kann man hier und hier und hier nachlesen. Wer glaubt, dass die dort geführten Streiche nur gegen einen Wissenschaftsapparat und Evolutionisten geführt wurden und die Gültigkeit der kreationistischen Theorien in irgendeiner Weise propagiere, irrt sich indes.

[UPDATE – 02.07.2007]

Die Komissionsteilnehmer die an dem Bericht mitwirkten besteht aus Mitgliedern der EVP (CD) (5), ADL (Liberale) (5), GDE (mitte-rechts) (5), SOC (10). Die Unterzeichner habe ich jetzt noch nicht nach Fraktion überprüft.

Der Vorsitzende, bzw. Berichterstatter ist Herr Lengagne, Sozialist.

Seiner Pressemitteilung ist die Enttäuschung über die Ablehnung seitens der parlamentarischen Versammlung, den Bericht öffentlich zu debattieren, heraus zu lesen. Der Bericht zu den Gefahren des Kreationismus in der Lehre und Bildung sei mit nur einer Gegenstimme und einer Enthaltung durch die Kommission mit ihren 18 teilnehmenden Parlamentariern aus verschiedenen politischen Gruppierungen ratifiziert worden.

Lengagne sieht hierin eine Manöver jener Kräfte, die mit allen Mitteln gegen die Evolutionstheorie opponierten und für eine Implementierung kreationistischer Ideen voran trieben. Extrem beunruhigend sei die Entscheidung des Europarates auch deswegen, weil diese beweise, dass der Kreationismus nicht mehr allein das evanglikalinische Amerika und einige türkische Schriftsteller beträfe, sondern nun in einem Europa Fuss fasse, dass nicht mehr auf der Hut ist vor diesen falschen Inhalten, die behaupten, sie könnten anerkannte wissenschaftliche Erkenntnisse ersetzen.

Lengagne stellt nach erstem Erstaunen über die Ablehnung des Rates mit Entsetzen fest, dass die Initiatoren des Berichtes mit ihren anfänglichen Befürchtungen recht behalten sollten.

Lengagne fordert die parlamentarische Vesammlung des Europarates auf, mit aller Schärfe die Intervention kreationistischer Ideen auf die Lehre/Bildung (education) als Angriff auf die Menschenrechte zu verurteilen.

Die Entscheidung der Versammlung lässt Lengagne schockiert zurück, vor allem die Rolle des Präsidenten René van der Linden (EVP), habe ihn enttäuscht.

Bleibt noch den Bericht in seiner Gänze zu lesen.

4 Antworten

  1. Der Bericht wurde vom zuständigen Ausschuss nur mit einer Gegenstimme angenommen. Das Problem war, das er nicht auf die Tagesordnung der Vollversammlung kam. Hintergründe gibt es in der Pressekonferenz von Lengagne, siehe hier als Video:

    mms://coenews.coe.int/vod/070625_w04_w.wmv

    Wie stark die parlamentarische Versammlung des Europäische Rats bereits im Mittelalter angekommen ist und den Kampf für die Menschenrechte verloren hat, merkt man doch an der anderen, verabschiedeten Resolution: „Human rights must ultimately take precedence over religious principles where they conflict„. Man sieht: Barbarei pur, die religiöse Intoleranz auf dem Siegesmarsch.

  2. UPDATE

  3. Das reale Risiko von ernsthafter Verwirrung

    Schöner Satz, den nerone da im Bericht des sozialistischen Rapporteurs im Wissenschaftsausschuss der parlamentarischen Versammlung des Europarats gefunden hat.

    „There is a real risk of a serious confusion being introduced into our children&#821…

  4. Schön, dann kann ich ja dann meinen Gesangsunterricht nehmen.

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