Ick hab verschiedene Versuche untanommen

Mittlerweile werde ich von Lesern auf für mich interessante Artikel hingewiesen. Danke dafür.

SPON hat etwas über die Novalis-Schule in Friedrichhagen, Berlin, gebracht, die im eigentlichen Sinne nicht als Waldorfschule von der Waldorfvereinigung anerkannt worden war.

Dennoch sind die Vorfälle natürlich berichtenswert. Der Spiegel macht das mit der ihm üblichen Nähe zum Boulevard. Natürlich sind einige Spitzen gegen Steiner, Anthroposophie, Waldorf, etc. aus dem Artikel heraus zu lesen. Fraglich ist, ob die Persönlichkeiten die in dem Artikel beschrieben werden tatsächlich portraitiert oder karikiert werden. So oder so, müssen Waldorfkenner zugeben, dass es solche Figuren (Eltern, Lehrer, Gurus) gibt und auch diese Art der Auseinandersetzung zwischen Lehrerschaft und Elternschaft, wenn es um den Versuch geht, Einblicke in das Klassengeschehen der eigenen Kinder zu erhalten (*). Die Argumente sind nicht unbekannt, auch wenn man sie vielleicht nur als präventive Argumente gegen eine „feindliche “ Öffentlichkeit benutzt.:

Er schimpft […] immer wieder auf die Eltern, die nicht bereit waren für seine Idee einer völlig freien Erkenntnissuche.

„Am Anfang kannten die Ostleute hier Waldorf gar nicht, die wollten einfach etwas Neues“, sagt Wacker. „Aber wahrscheinlich fehlt ihnen das Bewusstsein und die Phantasie.“

Ausserdem weist der Artikel auf ein Problem hin, mit dem sich die Waldrofschulen zunehmend auseinandersetzen werden müssen:

Vielleicht ist es kein Wunder, dass ausgerechnet ein nichtgläubiger Ost-Berliner Vater Wackers Welt zerschlug. Er heißt Martin Schneider und arbeitet als Schichtingenieur in einem Vattenfall-Kraftwerk. Schneider hat seine drei Töchter nur auf eine anthroposophische Schule geschickt, weil seine „Frau in der Schwangerschaft so ’n Tick bekam“ und er keinen Ehekrach wollte.
„Ick hab mit Anthroposophie nüscht am Hut“, sagt Schneider. „Ick brauch keene Lebenshilfe. Ick komm so klar.“

[…] irgendwann, etwa zu der Zeit, als der Senat anfing, die Schule zu fördern, begann sich Schneider von Wacker zu entfernen. Wacker sagt, Schneider sei eifersüchtig auf ihn gewesen, weil seine drei Töchter lieber in die Schule gingen als nach Hause. Schneider sagt, er wollte wissen, was mit dem staatlichen Geld passierte, wie es unter den Lehrern verteilt wurde. (*)Wacker gab ihm keine Auskunft, weil er der Meinung ist, „dass sich Eltern aus schulischen Dingen herauszuhalten haben“. Wie Rudolf Steiner betrachtet Wacker den Lehrer als Künstler. Der Ingenieur Martin Schneider ist für ihn „ein Schlosser oder so was, der Schalter drückt, wenn ein Lichtlein blinkt“.

„Ein Arzt fragt seinen Patienten ja auch nicht um Rat“, sagte Wacker.

Das Irrenhaus von Friedrichshagen Von Alexander Osang – SPON

Meine Symphatien tendieren hier eher zum wackeren Schneiderlein, denn zum schneidenden Ton des Wackersteins.

Eine Antwort

  1. Rumpeln im Kopf

    Vor kurzem habe ich jemanden kennengelernt, der sich mit Anthroposophie beschäftigt. Ich habe mit ihm nicht über das Thema gesprochen, auch weil ich mich damit nicht auskenne. Dennoch war ich interessiert, als ich heute bei Spiegel Online diesen Arti…

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