Offene Post

Damit liegen wir richtig im Trend. Offene Post wird hierzulande viel diskutiert. Heiligendamm wirft weite Schatten voraus. Den Trends der Zeit folgend zieht nerone mit. Und die Anthrosphäre ebenso. Nachdem auf einen Beitrag der egoisten zu dem Weg der anthroposophischen Informatikerzunächst ein offener Brief eines alten Haudegen der Redaktion folgt, bezog nerone Stellung (aus Freundschaft, nicht aus Eitelkeit – obwohl, kann man es wissen.) Was nun folgt ist ein Gastbeitrag von Thomas, der in der Sache auch etwas zu sagen hat. Er beschreibt sein Anliegen mit zwei, drei einleitenden Zeilen. Die meisten werden den Inhalt aus den Kommentaren bei Eggerts Blog und mir bereits kennen. Ich fand ihn spannend. Danke Thomas, dass ich ihn einstellen darf.

Lieber Nerone, Michael Eggert hat sicher nichts dagegen, wenn ich Dir meinen Brief an FELIX HAU auch in die Kommentare stelle, da Du Dich ja schließlich für Ihn schlägst. Den Brief habe ich 2 x in die info 3 – Kommentarseite gestellt, er ist aber in den Tiefen der Web verschwunden.

Zu diesem offenen Brief an Michael Eggert (durch Felix Hau im info 3) habe ich doch einige Anmerkungen: “Schwellenüberschreitung” oder “Spontaneinweihungen” sind seit der Antike bekannt. Die Caesaren haben sich ihre Einweihung erzwungen, besaßen aber die menschlichen Qualitäten nicht, die man dazu brauchte. Die Folgen sind bekannt: Macht, Geld, sex and crime um es mit heutigen Begriffen zu beschreiben, und der “Caesarenwahnsinn” ist ein feststehender Begriff geworden. –
Sie halten die Spontaneinweihung des 16 jkährigen Cohen für glaubwürdig und es ist durchaus möglich, dass er durch Manipulation seines Lehrers (man nennt das auch “Gehirnwäsche”) ein Schockerlebnis hatte und dadurch, durch eine pathologische Vertschiebung seiner “Wesensglieder”, einen Schwellenübertritt erlebte. Sie fragen nur nicht nach der Sphäre, von der Cohen erleuchtet wurde. “Erleuchtung” ist nämlich nicht per se positiv zu sehen. Da Cohen autoritäre Macht über seine Schüler ausübt und auch sexuell nicht integer ist, zeigt er durch seine Handlöungen, dass er mit dem Christentum nichts zu tun hat, auch wenn er das eine oder andere Richtige sagt. In der Bergpredigt wird auch schon auf das Thema “Falsche Propheten” eingegangen, dort findet man: “Seid auf der Hut vor denen, die sich zu Werkzeugen der Truggeister machen. In der Maske des Lammes kommen sie zu euch, obwohl sie im Innern reißende Wölfe sind. An ihren Früchten könnt iohr sie erkennen.” Das Erkenntnis – Kriterium sind also nicht die schönen Worte sondern die Handlungen gegenüber den Mitmenschen. – Die vehemente Kritik am Aussteiger offenbart auch ihr sektenhaftes Denken: der Aussteiger ist selbst schuld, hat nicht verstanden, um was es ging, hat das gesetzte Ziel nicht erreicht – das sind die üblichen Platitüden, die ja auch Gronbach in den Kommentaren zu Eggerts Artikel benutzt hat. Michael Eggert hat auch Cohen im Original gelesen, wie Sie aus seinem Blog – Artikeln lesen könnten. Ihm “deutlich unter Normal – Null” liegendes Niveau vorzuwerfen, ist angesichts Ihres eigenen (Diskussions-) Stils unangebracht, zumal Sie, und ganz besonders auch Gronbach, in Ihren Artikeln meist nicht aus dem Stammtisch – Diskussions – Niveau herauskommen. Schade, dass info 3 zum Sektiererblatt verkommen ist.

10 Antworten

  1. Lieber Rüdiger Sünner,

    danke! Das war zum einen die konkrete Antwort, die ich mir erhofft hatte. Und was Sie, zum anderen, über die – ich nenne das jetzt mal so – „kulturschaffende Kraft“ gerade des „Ego“ und seiner Implikationen schreiben, findet meine vollste Sympathie. So sehe ich’s auch und schreibe das gerne auch hin und wieder (z.B.: http://www.info3.de/ycms/printartikel_1283.shtml)

    Herzlich,
    Felix Hau

  2. sehr schön rüdiger,

    glatte eins, würde ich sagen. inhaltlich schöne formulierungen. auch die rückführung der verantwortung auf den schüler (innerhalb der beziehung lehrer-schüler) ist ein aspekt der hilfreich ist für ein reflektion.

    andererseits lese ich hier noch die sehr persönliche ebene, die eigene erfahreung heraus. die antwort auf die frage von felix hau, durchaus. deine fragestellung, die ich ausserhalb nochmal gepostet hatte, schien aber auf einen gesellschaftlichen ansatz hinzuweisen. eine fragestellung, die ja Cohen, wilbur und gronbach zu bewegen scheint. hinzu kommt die frage nach der spirituellen bedürftigkeit der gesellschaft. wiewohl ich keine antwort darauf geben könnte interessiert mich schon ob ein gesellschaftlicher „bedarf“ von spirituelität gesehen wird. und wie gehen wir mit der zunehmenden diversifizierung der spirituellen angebote, wege, etc um. die miesten leser dieses blogs haben ja sicherlich ein entsprechendes spirituelles bedürfnis (thema: sinnsuche) und einige haben darüber einigkeit erlangt, benutzen also dieselben codes um ihre einigkeit entsprechend zu manifestieren. andere benutzen für dieselben sehnsüchte andere codes und schon geraten wir in so eine art saalschlacht, weil die einen die codes der anderen ablehen MÜSSEN (oder eben vielleicht auch nicht, jedenfalls geschah das hier). das alles finde ich spannend.

    so oder ähnlich

    ps

    ich tauge ja nicht viel als moderator.
    ich werde den beitrag jetzt mal hier und noch mal in dem neueren post hineinlegen zu der spirituellen führerschaft… als guter gastgeber überlasse ich es meinen leser wo sie weiterdiskutieren wollen.

  3. Lieber Felix Hau,
    Eine konkrete Antwort auf Ihre Fragen ist nicht möglich, da ich nicht für andere sprechen kann. Ich kann doch nicht sagen, welche Konsequenz meine Gedanken für Cohens Gruppe hat. Das muss dort jeder selbst entscheiden. Es kann sich auch jeder einen Lehrer aussuchen, wie er möchte, er soll nur vorher ein bisschen über die möglichen Folgen nachdenken und nachher nicht alle Verantwortung an scheinbar menschlich unzureichende Gurus abtreten.
    Ich finde übrigens die Negativbezeichnung eines Begriffes wie „Ego“ höchst unzureichend. Wer weiss schon, ob wir nicht auch die Macken, den Trotz und die Ängste unseres armen „Egos“ manchmal brauchen. Vieles davon kann das Leben selbst abschleifen, auch eine gute Liebesbeziehung, der Kontakt mit Kunst, Philosophie, Reisen zu anderen Kulturen etc. Beethoven hätte nicht seine wundervollen, im übrigen z.T. höchst spirituellen Werke geschaffen ohne all die Neurosen, Regressionen und cholerischen Wutanfälle seines kleinen „Ego“. Er hat Türen geknallt, Widmungen zerrissen, Leute vor den Kopf gestossen, viel gelitten und doch erhebende musikalische Sphären geschaffen, wie es kein Guru mit seinem dauernden Direktkontakt zum „kosmischen Universalgeist“ je hinbekommen würde. Vielleicht ist das die abendländische Version von „Erweckung“: ein lebenslanges Hin und Her zwischen armseligem Ego und Visionen von höherem Selbst, ohne letzteres jemals wirklich zu erreichen. Alle Literatur, Musik und Malerei des Westens ist voll von diesem Kampf. Auch Kafkas wunderbarer Satz: „Es gibt keine Erlösung, aber wir sollten uns jeden Moment ihrer würdig erweisen.“ Er gefällt mir besser als das Raunen vieler esoterischer Texte, die oft nur ein Wollen und eine Sehnsucht behaupten, als an wirkliche Lebenserfahrungen gebunden zu sein.

  4. Lieber Rüdiger Sünner,

    wie gesagt: ich teile Ihre Einschätzungen – hinsichtlich Ihres letzten postings kann ich sogar sagen: komplett. Ich halte die in den meisten spirituellen Weltanschauungen – übrigens: inclusive der anthroposophischen – vorgenommene Dichotomisierung des Ichs in zwei Teile für vollkommen absurd. Und um die Folgerungen aus dieser Annahme an dieser Stelle kurz zu machen: Ich nehme an, dass Andrew permanent seine Schüler verlieren wird – die Fähigsten jeweils erst kurz vor Ultimo. Ich kann nur hoffen, dass sich der eine oder die andere vielleicht doch noch besinnt, bevor ihn der Chor der „Opfer“ in sich aufgesogen hat und für seine Zwecke Posaune blasen lässt. Ich halte es allerdings für möglich, dass sogar die Fähigsten schließlich zu vehementen Kritikern mutieren; das liegt in der Natur der Sache. Leider.

    Meine beiden Fragen bleiben aber trotzdem bestehen.

    Könnten nicht wenigstens Sie sich zu einer konkreten Antwort bewegen?
    Differenzierte Urteile erwarte ich ja gar nicht von allen.

    Herzlich,
    Felix Hau

  5. Ich kann über Andrew Cohen und seine Bewegung nicht wirklich urteilen, da ich beide nur unzureichend kenne. Ich habe aber aus einer langjährigen Zen-Praxis Erfahrungen mit so etwas wie spiritueller Lehrer- und Schülerschaft und kann nur sagen: viele überheben sich damit! Weder sind die selbsternannten „Lehrer“ so weise, souverän und geläutert wie sie vorgeben, noch die „Schüler“ in der Lage, die selbstgewählten Hierarchien zu ertragen. Gerade hier im Westen, wo doch Sozialisierungen ganz anders laufen als z.B. in Asien, wird im Gewand von Begriffen wie „Erleuchtung“ und „Ego-Überwindung“ viel Missbrauch getrieben. C.G. Jung hat dazu mal ganz richtig gesagt, erst der könne sein Ich überwinden, der überhaupt erst mal ein starkes erworben hat. Ich habe zu oft erlebt, dass vermeintliche „Lehrer“ gar nicht wirklich stark waren, sondern nur Rollen ausgefüllt haben und sich „Schüler“ von der Exotik fernöstlicher Mystik – wie von Räucherstäbchen – haben betäuben lassen. Daher bevorzuge ich einen individuellen Weg spiritueller Suche, der verschiedene Traditonen befragt und sich immer auch Selbstkritik, Humor und Distanz bewahrt. Ein spiritueller Lehrer ist etwas anderes als ein Klavier- oder Tennislehrer. Hier kann es schnell fest werden, kann auch Gruppendynamik Unheil anrichten, wenn man ihr nicht gewachsen ist. Dann fängt man an zu leiden, wird Aussteiger und veröffentlicht Bücher über das, was man einst liebte und nun verabscheut. Warum steigen solche Leute nicht rechtzeitiger aus und ertragen so viel, das sie dann in langjähriger Publizistik abarbeiten müssen. Es gibt auch ohne Gruppen und Gurus viel spirituell zu lernen.

  6. Lieber Rüdiger Sünner,

    ich teile Ihre Auffassung größtenteils.
    Zwei Fragen habe ich allerdings:
    1. Gesetzt, Sie kämen zu dem wie auch immer gut begründeten Schluss, dass „wir“ keine Gurus und vielleicht sogar, allgemeiner, keine spirituelle Lehrer- und Schülerschaft mehr brauchen. Welche Konsequenz hätte das Ihrer Ansicht nach für Bewegungen wie diejenige von Andrew Cohen?
    2. Sie fragen: „Wo hört das ‚Lehren‘ auf und beginnt der Eingriff in Willenssphären, der zu Verletzungen führen kann?“ – In Bezug auf eine explizit herausfordernde Lehrerschaft wie diejenige Andrew Cohens würde ich, um Ihrer Unterscheidung genüge zu tun, sagen: an der Eingangstür zu Foxhollow. Ich möchte aber auch etwas gegenfragen: Warum sollte es nicht möglich sein (dürfen), dass ich mir einen Lehrer aussuche, von dem ich verlange und erwarte, dass er alles tut, um mich dazu zu bringen, mein „Ego“ (und dessen Willen!) zu überwinden, insoweit ich eine spirituelle Auffassung habe, in der genau dieses Ego als größtes Hindernis meines Lebens betrachtet wird?

    Herzliche Grüße,
    Felix Hau

  7. Hallo Rüdiger,

    Du bringst es auf den Punkt.

    Ich bin auch von Felix ein bisserl enttäuscht, der anscheinend trotz seiner sehr Ich-betonten Info3-Beiträge einen sogenannten spirituellen Lehrer verteidigen zu müssen glaubt.

    Es sit schon ok, dass sich Info3 mit der Zoologie der modernen „Erweckungswege“ beschäftigt. Das hat Unterhaltungswert und kann dazu führen, die eigene Position zu überdenken. Desweiteren ziehe ich die Inspiration einer “spirituelle Lehrer- und Schülerschaft” vor.

    Gruß
    Robert

  8. Verfolge mit Interesse die Debatte um Andrew Cohen, die – wie meist in den Weblogs – nun wieder ins polemische Gleis kippt und in gegenseitigen Beschuldigungen und Beleidigungen zu enden droht. Wie wäre es mit einer viel grundsätzlicheren Diskussion über die Frage: Brauchen wir heute noch so etwas wie „spirituelle Lehrer“ und was ist ein solcher überhaupt? Wo hört das „Lehren“ auf und beginnt der Eingriff in Willenssphären, der zu Verletzungen führen kann? Wo umgekehrt schlägt „Lernen“ in Hörigkeit und Abhängigkeit um? Woraus besteht genau die „Gefahr“ eines Gurus, wo doch Cohen niemanden zwingt, sein Schüler zu werden?
    Hält unsere Gesellschaft möglicherweise keine Erfahrungsmuster mehr dafür bereit, um gute von schlechten „Lehrer“, „Erleuchtete“ von egoistischen Machtstrategen zu unterscheiden? Ich persönlich mag Begriffe wie „spiritueller Lehrer“, „Erleuchtung“ oder „Einweihung“ nicht besonders, hätte es lieber eine Nummer kleiner. Für mich ist auch Steiner kein „Lehrer“, sondern bestenfalls ein Anreger oder Inspirator. Reicht das nicht? Wozu also „spirituelle Lehrer- und Schülerschaft“ im 21. Jahrhundert?

    Grüsse von
    Rüdiger Sünner (auch ab und zu info3-Autor)

  9. Halten wir es mal wieder mit Goethe: „Wenns man hört, möchts leidlich scheinen,Steht aber doch immer schief darum; Denn Du hast kein Christentum.“
    Margarete zu Faust in Marthens Garten (FaustI)

  10. [habe den Beitrag hierher verschoben…nerone]

    Lieber Thomas,
    Sie schreiben:
    “Sie halten die Spontaneinweihung des 16 jährigen Cohen für glaubwürdig und es ist durchaus möglich, dass er durch Manipulation seines Lehrers (man nennt das auch “Gehirnwäsche”) ein Schockerlebnis hatte und dadurch, durch eine pathologische Vertschiebung seiner “Wesensglieder”, einen Schwellenübertritt erlebte.”
    Mit 16 hatte Andrew noch keinen Lehrer. Er hat nicht einmal irgend etwas gesucht.
    Wie wäre es, wenn Sie es mal probeweise für “durchaus möglich” hielten, dass daran überhaupt nichts Pathologisches gewesen ist. Wie kommen Sie überhaupt zu dem Urteil?
    “Sie fragen nur nicht nach der Sphäre, von der Cohen erleuchtet wurde.”
    In der Tat nicht. Ich frage übrigens auch nicht nach Schweinchen Dick.
    Wenn Sie den Eindruck haben, von Sphären erleuchtet zu werden (statt von sich selbst), empfehle ich den Wechsel des Schlafmittels (um den freundlichen Pathologie-Verweis zurückzugeben).
    “‘Erleuchtung’ ist nämlich nicht per se positiv zu sehen.”
    Natüüüürlich nicht. Erleuchtung ist sowas wie Buchweizengrütze: die einen mögen’s, die andren hassen’s – und wenn’s nicht anständig mit Pimpernell gewürzt wurde, ist es des Teufels. Weia, Mr. Thomas – ich sehe: Sie haben Ahnung.
    “Da Cohen autoritäre Macht über seine Schüler ausübt und auch sexuell nicht integer ist, zeigt er durch seine Handlöungen, dass er mit dem Christentum nichts zu tun hat, auch wenn er das eine oder andere Richtige sagt.”
    Mal abgesehen von dem Umstand, dass es u.a. die “autoritäre Macht” ist, deretwegen seine Schüler ihn aufsuchen und auch abgesehen von der Frage, woher Sie das Sexding haben: Wo galoppieren Sie denn jetzt hin? Weder hat Andrew Cohen jemals behauptet, er habe etwas mit dem Christentum zu tun, noch will er damit etwas zu tun haben, noch braucht er damit etwas zu tun zu haben – und wenn Sie mich fragen, hat er _dankenswerterweise_ damit nichts zu tun.
    Milliarden Menschen haben nichts mit dem Christentum zu tun; unter ihnen einige der weitaus interessantesten spirituellen Lehrer.
    “Das Erkenntnis – Kriterium sind also nicht die schönen Worte sondern die Handlungen gegenüber den Mitmenschen.”
    Dann versuchen Sie’s doch mal damit. Sie werden allerdings nicht um eine Befassung mit Andrews Sicht der Dinge herumkommen.
    “Schade, dass info 3 zum Sektiererblatt verkommen ist.”
    Jetzt sagen Sie bloß noch, Sie haben uns abonniert?
    Herzliche Grüße,
    Felix Hau

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