blau durch grün nach gelb

XX Arbeit und Gnade
Den Menschen vorzeitig zu trösten, ihm eine Zuflucht zu bieten, während doch der Kampf nicht ausgekämpft ist, noch nicht einmal begonnen hat, ihn zum Deserteur an der eigenen Sache zu machen: das ist der gefährlichste Charakter der verkappten Religionen.
Keiner von uns ist davon frei, nicht einmal in der Religion selbst. Wir alle sind noch geneigt, Gedanken und Spekulationen über Religion und ihre Notwendigkeit mit dem Erwachen der Religion zu verwechseln. Wir alle halten allzu leicht die religiöse Sehnsucht unserer Tage schon für eine Vorstufe religiöser Erfüllung, für eine Zuflucht und Geborgenheit.
Wir alle ziehen den bequemen Weg des vorzeitigen Abbrechens, der Flucht in irgendeine Idee vor.
Wir fliehen statt zu kämpfen: der eine in seine religiöse Sehnsucht, der andere zu den verkappten Religionen. Nicht selten gehen beide ein Bündnis ein und im schlimmsten Fall wird Religion zur verkappten Religion.
Was sollen wir tun?
Wir haben keinen Glauben, der uns alle umspannt, und wir wissen nicht, ob ein solcher Glaube kommen wird. Das eine aber sollten wir wissen, daß er nicht erzwungen, erarbeitet, durch allerlei Gedanken erlistet werden kann.
Die Arbeit, die wir tun und mit der wir rechnen können, ist, das eine vom anderen scheiden; scharf, bohrend, forschend und doch zuletzt unbekümmert in unserer Arbeit. Lassen wir erst die Zukunftshoffnung, den süßen und leichtsinnigen Trost der verkappten Religionen und der voreiligen religiösen Sehnsucht fahren; stehen wir uns erst einmal gegenüber, jeder mit einem bis ins Letzte klaren Bild davon, was er aus Welt und Menschen machen will: dann mag sich an uns das Wunder begeben: Liebet Eure Feinde. Haben wir nur ohne Stimulantien und Opiate, ohne Rausch und Leichtsinn und voreiligen Trost den [238] Mut, einander Feind zu sein, dann mögen wir uns noch als Feinde lieben, weil jeder dem anderen zu hellerer Klarheit, zu stärkerer Kraft hilft.
Das ist es, was in unserer Macht steht. Das kann unsere Arbeit erreichen.
Darüber hinaus liegt – Gnade. [239]C.C. Bry

– Als kleine Replik – via dalank – auf verbündete – das neue grün

2 Antworten

  1. Nachtrag: Wiederholen und immer weiter vertiefen möchte ich dasjenige, was mir gelungen ist zum Positiven zu transformieren. Prochnow verstehe ich in diese Richtung. Kultus soll ein Angebot sein für diejenigen, die diese Hilfe nutzen möchten. Selbstverständlich kann man es nur freiwillig, d.h. aus Liebe zu Christus, annehmen!

  2. Ja hallo, nerone, für einen Augenblick kam ich zu deiner Seite nicht mehr durch, aber jetzt ist sie wieder da. Also:
    Den inneren Kampf einfach abzubrechen/ zu unterbrechen/ davon abzulenken wäre die eine Versuchung. Die andere wäre der Rückfall in alte, schon längst erfolgreich überwundene Zustände!
    Religion ist ein exquisites Mittel, wenn ernsthaft gelebt, vor beidem zu bewahren. Kultus bietet, auf konzentriertem Raum, Möglichkeit den positiven Zustand der Mitte zwischen den Extremen zu erhalten.

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