Aus meinen Entwürfen

Hier eine Überlegung die schon älter ist, aber jetzt Sinn macht veröffentlicht zu werden, finde ich.

Ich habe mich in eine Diskussion hineien begeben, die scheinbar eine klare Grenzziehung verlangt. Allerdings betone ich das Wörtchen „scheinbar“.

Ich dachte Anfangs die Sache sei klar: ein wenig Hysterie auf der einen Seite ein wenig Ignoranz auf der anderen. Allerdings stimmte weder meine erste Annahme, noch die zweite.

Tatsächlich entwickle ich eine klare Haltung gegenüber Steiners Theorien, kann aber nicht sagen, dass ich aufgrund dessen anthroposophisches Engagement und Institutionen ablehne. Im Gegenteil! In ihnen sehe ich humanistische und christliche Werte verwirklicht, erkenne die Forderung nach Eigenverantwortung und demokratischen Strukturen. Überhaupt gliedert sich anthroposophische (Sub-) Kultur nahtlos in die Demokratie der Bundesrepublik ein und realisiert die Grundsätze der Einigkeit und Gleichheit.

Wir haben es sicherlich mit einer in ihren Grundlagen esoterischen und weltanschaulichen Bewegung zu tun. Dass diese Grundlagen, wenn man sie in ihrer Gänze berücksichtigt, allerdings im Widerspruch zur Gesellschaft stünden oder gar Menschenverachtend seine, kann ich nicht erkennen.

Ich fürchte die erhobenen Einsprüche haben allerdings durchaus das Potential, die in sich guten, weil sozialen Institutionen, wie Pflegeheime, Kindergärten und Schulen empfindlich zu treffen, wenn die Anthroposophie nicht von sich aus nach Antworten auf die Kritik sucht. Aber auch da finde ich zu meiner ehrlichen Verwunderung weitaus mehr Auseinandersetzung und Rechtferigungen, als ich nach der Sondierung -vor allem der Medien (Fernsehen, Zeitungen, etc.)- vermutet hatte. Ich dachte ja wirklich die Anthroposophie igle sich einfach ein! Aber dem ist nicht so. Natürlich erfolgt auf die Rede der Kritiker eine Gegenrede. Dabei kommen zuweilen sonderliche Stilblüten zu Vorschein. Allen ist aber Grundlegend gemein, dass sie sich GEGEN Rassismus und Antisemitismus verwehren. So kann in der Mottenkiste der Anthroposophie sicherlich so manches gefunden werden, aber das betrifft die gesamte deutsche/europäische Geschichte. Nach vielen Jahren der Kontinuität aber sieht sich die Gemeinschaft der Anthroposophen seit etwa 15 Jahren den Vorwürfen ausgesetzt. Wo war die Kritik zuvor? Immer wieder finden sich seither neue Anschuldigungen, das ist wahr. Nicht jede Anschuldigung würde einer Überprüfung standhalten, aber alle eignen sich für eine Nachricht.

Warum, frage ich mich abschließend, hat die Anthroposophie immer nur auf Kritik reagieren können und nicht aus sich heraus, mit einem aktuellen demokratischen Verständnis Steiners Aussagen reflektiert?

so oder ähnlich

5 Antworten

  1. Hallo Julio,

    Ich denke Götz Werner ist auch eher ein Phänomen, als ein Vorbild. Seine Ideen zerreiben sich an der Wirklichkeit der Zwänge. Mehr als ein Modell hat er zunächst (scheinbar) nicht zu bieten. Aber das Phänomen Götz Werner liefert immerhin eine interessante Sichtweise auf Erwerbs“tätigkeit“ und „Grund“einkommen und somit auf eine wesentliche Realität moderner Industriegesellschaften, nämlich der strukturellen Arbeitslosigkeit. Den Minderwert der Erwerbslosigkeit, bzw. Arbeitslosgikeit entgegen zu wirken durch eine Umstellung der Werkzeuge ist ein spannender Ansatz.
    Den Anspruch auf Hilfe – aus Sicht der Bedürftigen – derart zu verlagern, dass dieser wieder in Erwerbstätigkeit führen kann erscheint näher an der Natur des Menschen gebaut, als die eine Politik einer vermeintlichen sozialen Gerechtigkeit, die eher wie eine Entwicklungshilfe daher kommt, ohne die Betroffenen auf die Füße stellen zu können.

    Huch, das war jetzt am Thema vorbei….

  2. Unter Umständen haben solche Versuche, wie du sie einforderst und „Buchtip-Barbara“ sie schildert, auch deswegen keine große Beachtung gefunden, weil die Möglichkeiten zum Auffinden von Gleichgesinnten in einem so verstreuten Milieu ja doch eher beschränkt sind und andererseits sich die Anzahl von Kernaktivisten bei Avantgarden ohnehin nur im hinteren Kommabereich einer Promille bewegt – ganz gleich bei welchem weltanschaulichen Milieu.

    Unter Umständen bieten ja heute die neuen Medien verbesserte Möglichkeiten. Schau ich mir deine Blogroll an und denke an die Etabliertheit der in weiche Gewandungen gepackten über den Bodenschlurfern, dann scheint das für mich eine Frage der Zeit, wann eine neue vernetze Generation einerseits intern Rabbatz macht und andererseits sich mit neuen Schwung und eigener Sichtweise die Gesellschaft offensiv bei den eigenen Ansprüchen (Pluralismus, Demokratie, Gerechtigkeit, Verantwortung, Nachhalitgkeit) und Hörner packt. Ich bin mir noch nicht im Klaren, wie stark da ein Phänomen wie Götz Werner als Vorbild wirken wird, aktiv Wirtschaft und Gesellschaft zu gestalten.

  3. Danke für den Hinweis „barbara“. Demnach bist du Jury-Mitglied.
    Während „Barbara“ als Kennerin der Materie schon mehrere Buchtipps zum Thema abgegeben hat.

    Liebe Barbara,

    könnte ich Dich um eine Liste mit Büchern zum Thema bitten, die Du selbst gelesen hast, mit kurzer Rezension (jetzt wird er unverschämt). Sozusagen als Gastgeschenk und nur wenn es Dir möglich ist? Ich würde das gerne hier veröffentlichen (rechts unter den Rubriken). Nein im Ernst, war nur so eine verrückte Idee von mir.
    Alternativ könnte ich eine entsprechende Rubrik installieren, in dem jeder kommentierte Literaturhinweise hineinstellen kann. Oder so. Das Problem an der Diskussion ist ja auch die mangelnde Zeit alles gleichzeitig auf zu arbeiten. Was stellt man also einer oberflächlichen Argumentation entgegen? Vertiefung. Dachte ich. Für Anregungen bin ich weiterhin Dankbar, vor allem wenn sich auch Leute beteiligen, die offensichtlich schon mal das ganze durchgedacht haben und einiges dazu gelesen haben.

    so oder ähnlich

  4. uff da gibts noch eine barbara;-) also das da oben bin ich nicht;-) sollte ich doch wieder als persilchen durch dei lande ziehen oder als gotenfürst
    herzlich barbara 1 das original

  5. Auch das ist schon versucht worden, aber kaum beachtet: Günther Röschert: „Anthroposophie als Aufklärung“ Trithemius Verlag 1997 (jetzt bei Novalis) „Anthroposophie als Aufklärung“
    „gelangt zum Verzicht auf den Glauben an die Irrtumslosigkeit in der Geistesforschung und gebietet vorurteilsfreie Prüfung aller geisteswissenschaftlichen Aussagen“ Das Buch ist „ein engagierter Aufruf zu selbstkritischem Umgang mit den eigennen Erkenntnisvoraussetzungen und Handlungsformen“ und für mich sind Teil 2 „Studium der Geisteswissenschaft“ und Teil 3 „Soziologische Aufklärung“ ein unverzichtbar lesenswert.

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