Erfahrungen

nerone hat Kinder an der Waldorfschule und hat folgende Erfahrungen:

Im ganzen existieren im Schulalltag an der Schule meiner Kinder die kritisierten Punkte der Medienmagazine nicht. Steiner kommt, außer im Namen der Schule, im Unterricht nicht vor. Die Mythen stehen gleichberechtigt nebeneinander, eine Wertung kann ich nicht feststellen. Die Fortschritte meiner Tochter (5 Klasse) sind beachtlich. Ich bin durchweg zufrieden, mit wenigen Ausnahmen, die aber nicht weltanschaulicher Natur sind oder so. Wenn man so will habe ich keinen Grund -what so ever- mich mit dem Thema zu beschäftigen, wenn nicht die Medien die Wirkung gehabt hätten, dass ich mich dem Thema eben zugewandt habe.

Zielsetzung für mich persönlich ist die inhaltlichen Vorwürfe gegenüber Steiner zu bewerten und so eine Haltung zu den Grundlagen der Waldorfpädagogik zu entwickeln. Der Weg zu dieser Bewertung könnte exemplarisch denen eine Hilfe sein, die auf Grund der lauten Kritik nach leisen Tönen suchen, die eine Abwegung suchen. Das in etwa ist mein „öffentliches Anliegen“.

Interessant ist ja, das das Thema mich irgendwie aufsaugt. Man kommt nicht umhin sich mit Steiner zu beschäftigen und eine Haltung ihm gegenüber zu entwickeln. Ich muss zugeben, dass sich meine Distanz zu ihm vergrößert, die Nähe aber zu den Institutionen – Schulen, Altenpflege, Kindergärten, etc. wächst. Weder kann ich in ihm geniales, überhöhtes sehen, noch finde ich seine Sprache anziehend. Auch seine Esotherik sagt mir nicht viel. Mitunter gelingt es mir die Standpunkt jener einzunehmen, die mir Steiner erklären können, weil sie in authentischer Weise darstellen, wie er ihr Denken anregt (www.egoisten.de). Auch kann ich Herrn Sünners Einwänden folgen. Ihm gelingt es zuweilen Bezüge für mich zu schaffen um okkulten, esoterischen Inhalten mir verständlich zu machen. Ich bin gespannt auf den Film von Herrn Sünner und freue mich auf sein erscheinen. Ich hoffe er findet auch seinen Weg in eine breitere mediale Öffentlichkeit, denn ich bin überzeugt der Film wird einen Ausgleich bieten zu dem bisher so einseitigen Blick auf Steiner etc.

Auf der anderen Seite stand in der Auseinandersetzung im halböffentlichen Milieu der Blogs die Reaktion der Kritiker, die in der Frage an mich kumulierte: Wann wachen sie endlich auf? Der Waldorfkritiker, so wie andere sicher auch, unterstellt mir eine gewisse Schläfrigkeit, bzw. Blindheit. Es sind diese Unterstellungen, die mich reizen die Untersuchung um meine eigene weltanschaulichen Ansichten zu erweitern und die decken sich nun mal nicht mit denen Steiners (weswegen ich einfach andere Helden habe). Das wiederum, davon bin ich überzeugt, teile ich mit der Mehrzahl der Eltern mit Kindern an Waldorfschulen.

Neben meiner Tätigkeit als Blogautor und Hobbyintellektueller, stehe ich früh auf und versorge unsere gemeinsamen Kinder „mit Liebe, Kreativität und viel Tatkraft“ und bin auch für sie da, wenn sie aus der Schule kommen. Meistens. Dann noch so ein Ehrenamt für eine soziale Einrichtung und während die Kinder in der Schule sind verdiene ich manchmal ein wenig Geld.

Das ich ein Kerl bin gehört halt mal gesagt. Kann ja nicht jeder wissen. Brauch ich aber für meine Identität. Dachte „nerone“ sei klar. Weiblich müsste es „nerona“ heißen.

Ich mag Pizza.

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4 Antworten

  1. Kennt jemand das Buch: Lorenzo Ravagli „Unter Hammer und Hakenkreuz – Der völkisch – nationalsozialistische Kampf gegen die Anthroposophie“ Verlag freies Geistesleben Stuttgart 2004 ???

  2. Ich habe Zander neulich bei einem Vortrag erlebt, der ein einziger Dekonstruktionsversuch der Anthroposophie war (wie es heute in der Wissenschaft allem Spirituellen und Mythologischen gegenüber üblich ist). Steiner ist wohl für Zander lediglich jemand, der theosophisches Gedankengut übernommen, letztlich nichts Eigenes zustandegebracht hat.
    Ich habe schon viel Steiner gelesen, manchmal komme ich „hoch“ und manchmal auch wieder „runter“. So ist das eben.

  3. @Rüdiger: Woher weißt du, dass der Helmut Zander den Rudolf Steiner „nicht sonderlich schätzt“? Vielleicht hat Zander einfach nur große Freude an geschichtswissenschaftlicher Geistesarbeit?

    Die ab und zu bei Steiner ins Extrem gehende “Völkerpsychologie” kann man kritisieren, seine Faszinationskraft nicht.

    Um letztere ging es Nerone auch gar nicht. Dich hat sie aber wohl voll in Beschlag genommen. Ließ mal wieder Steiner, dann kommst du auch wieder runter.

  4. Danke für diese sehr klare und sympathisch offene Auskunft. Spannend ist Nerones Beobachtung, wie stark einen das Steiner-Thema „aufsaugen“ kann. Mir geht es ähnlich. Und die Kritiker scheinen ja auch nicht von ihm loszukommen, etwa Helmut Zander, der im Sommer seine zweitausendseitige kritische „Geschichte der Anthroposophie in Deutschland“ veröffentlichen wird, an der er 10 Jahre gearbeitet hat: http://www.v-r.de/de/titel/352555452/
    Solch eine Masse von Zeit und Gedanken für jemanden, den man eigentlich nicht sonderlich schätzt!!?? Also scheint Steiner irgendwas Wesentliches auch für unsere Zeit zu treffen. Ich glaube, sein Sog besteht daraus, dass sein Werk die grösste Herausforderng und Zumutung für den „rationalen Diskurs“ darstellt, in den sich vor allem Deutschland nach den mythisch-irrationalen Exzessen des Dritten Reiches wie in eine Schutzburg geflüchtet hat. Wir glauben, nun alles mit wissenschaftlichen Experten beantworten zu können (von der Babynahrung über Erziehung, Partnerwahl, Religionsfragen, Entstehung des Lebens, Mythologie, Gesundheit, Kriminalität bis hin zu Sexproblemen und Angst vor dem Tod) und dann kommt einer daher, der Fakten und Urkunden, Zahlen und Statistiken weniger traut als intuitiven Einblicken in die sogenannte „Akasha-Chronik“ (über diesen Begriff müsste hier mal grundlegend debattiert werden!) Und das noch mit einem schier umwerfenden Selbstbewusstsein und sogar einer grossen Belesenheit auch auf philosophisch-naturwissenschaftlichen Gebieten! Dazu begründet der Kerl noch eine alternative Medizin, Pädagogik, Ernährungswissenschaft, Behindertenarbeit, Tanzform und Soziallehre und inspiriert Hunderttausende von Menschen weltweit, diese Impulse weiterzuentwickeln und Schulen, Banken, Krankenhäuser und Akademien zu gründen. Welcher „Denker“ hat so etwas jemals geschafft? Bei aller Kritik und Distanz muss ich Steiner immer wieder auch als unerklärbares Phänomen anstaunen. Diese eigentümliche Kraft ist rational zunächst einmal nicht so einfach zu erklären. Vielleicht aktivieren seine z.T. abenteuerlichen Denkfiguren Ahnungen in uns, dass vieles in der Welt doch möglicherweise ganz anders ist, als es unser von „Wissenschaft“ bestimmtes Erklärungssystem deutet. Aber wir kommen nicht näher heran, was manche aggressiv macht und andere unterwürfig. Ich für meinen Teil brauche weder aggressiv noch unterwürfig zu sein und empfehle einen gelassen Umgang mit dem „Seher“ aus Niederdörfl. Er provoziert eben grösste Herausforderungen an unser Denken, das doch oft sehr in bestimmten Gewohnheiten gefangen ist, die wir gar nicht mehr wahrnehmen. Nietzsches Denken ist – bei aller Sympathie – eigentlich Flachland-Philosophie dagegen. Liest man Biographien von Künstlern, z.B. Paul Klee, Cezanne, Giacometti, Beuys, dann merkt man, dass es noch andere Formen des Denkens gibt, die sich ähnlich weit auf den Ozean des Nicht-Rationalen und Nicht-Logischen hinauswagen, aber dennoch grosse Präzision und leuchtende Erweiterungskraft in sich tragen. Hätte Steiner sich als Künstler definiert und Romane geschrieben, würde man sich heute nicht so aufregen. Aber er definierte seine Schauungen als „Geisteswissenschaft“ und behauptete, dass sie einmal wissenschaftlich nachvollzogen werden könnten. Das muss nun auch gemacht werden. Dafür braucht es allerdings so viel Wissen in Gebieten wie Wissenschaftstheorie, Biologie, Quantenphysik, Mathematik, Nahtodforschung, Parapsychologie, Religionswissenschaft, Mythologie, Frühgeschichte etc., dass ein Leben kaum ausreicht für diese Aufgabe. Leichter ist es, Steiner als wahnhaften Okkultisten und Spinner zu entsorgen. Andere freuen sich auf diese Wahnsinnsaufgabe und haben regelrecht Lust daran, ihre Denkkategorien zu dehnen, bis es weh tut. Zu welcher Kategorie man gehört, ist – glaube ich – irgendwie vorbestimmt. Eine Frage der inneren Disposition, des geistigen Temperamentes, der künstlerischen Veranlagung, des Mutes, auch ein Risiko einzugehen und scheitern zu können. Die ab und zu bei Steiner ins Extrem gehende „Völkerpsychologie“ kann man kritisieren, seine Faszinationskraft nicht.

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