Erste Gedanken zu Ravagli

Ravagli hatte seinen Vortrag so gestaltet, dass er den Vorwürfen nicht nur entgegen treten wollte, sondern zudem aufweisen wollte, dass die Anthroposophie den Weg aus dem Rassismus weist. Ein spannender Abend war zu erwarten, da Ravagli durch die Riege der Kritiker, darunter der Historiker Helmut Zander, als anthroposophische Stimme umstritten ist. Natürlich wird ihm Parteinahme unterstellt, bzw. eine all zu große Nähe zu Rudolf Steiner und seinem Werk, als dass Ravagli eine objektive Haltung gegenüber den Schriften und den kritisierten Aussagen einnehmen könnte. Selbst ohne tiefere Kenntnis von Kritik und Gegenkiritik, von Anschuldigung und Abwehr, sollte der Stoff des Abends genügend interessante Informationen bieten, die den Hintergrund kritischer, medialer Aufmerksamkeit für unsere Schulen, beleuchten würden.

Ravagli teilt den Vortrag in zwei Abschnitte. Im ersten Teil referiert er über Rassimus und versucht eine Definition des Begriffes, sowie eine Darstellung rassistischer Auswüchse und der Rezeption der Athroposophie seitens der Nazis.

Es folgt eine Darstellung des Denkens Steiners. Hierfür werden die zahlreichen Aussagen Steiners wider dem Rassismus, Nationalismus und Antisemitismus dargestellt. Nur in einem kurzen Exkurs wird auf die von der Theosophie beeinflussten Äußerungen eingegangen, die zu dem umstrittenen Rassenmodell Steiners führten. In einer ersten Beurteilung des Vortrages komme ich zu folgendem Schluss:

Ravagli hat zwar recht auf den eigentlichen Duktus in der Anthroposophie und bei Steiner hin zu weisen. Allerdings unterzieht er nicht wirklich die beanstandeten Aussagen einer Kritik. Ravagli erwiedert den Kritikern letztlich mit Zitaten, ein Mittel, dass er andererseits zur (Ver-) Beurteilung Steiners ablehnt. Ihm gelingt es nicht den ausgleichenden Argumneten die er vorträgt, eine distanzierte Haltung zu Steiners Werk entgegen zu setzen. Der Einwand Ravaglils, Steiner im Kotext seiner Zeit zu verstehen ist etwas halbherzig, wenn man die Meinung einiger Anthroposophen kennt, die ihn als Erleuchteten ansehen. Ob Ravagli das tut, weis ich freilich nicht. Fest steht, dass auch für Ravagli Steiner eine Institution ist (deswegen der häufige Verweis auf das Gesamtwerk). Es entsteht ein Verwirrspiel zwischen dem Menschen Steiner und der Institution und letztlich ein (unkritisches, unkomentiertes) fortführen von Steiners Rassenmodell, als Teil des Gesamtwerkes. Kritiker beanstanden vor allem, dass es Inhalt der Ausbildung der Waldorflehrer sei. (Steiner lesen, Menschenkunde, etc.) Am Ende ist es Heutzutage unerheblich ob Steiner ein Antirassist war oder das Gesagte anders gemeint hatte, wenn Inhalte vorgetragen werden, die aus heutiger Sicht rassistisch sind. Die Erfahrungen der Geschichte lassen sich nicht abstreifen.

Als Nächstes will ich auf die Argumentation von Herrn Ravagli im Einzelnen eingehen, sobald ich meine Aufzeichnungen und Quellen weiter sortiert habe.

Bitte auch lesen:

2 Antworten

  1. Ich gebe dir recht, es müsste eine Diskussion über Lehrinhalte geben, Christoph.

    Ich beschäftige mich allerdings nicht lange genug mit dem Thema – weder mit Steiner, noch mit der Waldorfpädagogik, um eine solche Diskussion hier führen zu können. Die Problemstellung sehe ich aber auch und die Medien greifen ja genau diesen Faden auf und gehen sozusagen direkt an den wunden Punkt.

    Allerdings werfen die Medien mit Steiners Texten als Grundlage die entscheidenden Fragen und Argumentationsstränge auf, weswegen ich noch immer noch daran bin diese Figur zu verstehen und ihre Aussagen.

    Für Ravagli, der die Szene, Steiner und wahrscheinlich auch die Waldorfpädagogik besser und länger kennt als ich, wünschte ich mir eine Beantwortung der Textstellen und nicht ein verlustreiche Argumentation, warum nicht sein kann, was nicht sein darf. Und schließlich eine Position oder Empfehlung für den Umgang* mit Textfragmenten und Inhalten, die aus heutiger Sicht rassistisch sind. (Ich mein das kann man doch machen, oder?)

    *siehe Niederlande

  2. Nerone: Am Ende ist es Heutzutage unerheblich ob Steiner ein Antirassist war oder das Gesagte anders gemeint hatte, wenn Inhalte vorgetragen werden, die aus heutiger Sicht rassistisch sind.

    Müsste die Diskussion dann nicht von den heutigen Lehrinhalten an Waldorfschulen und damit auch von der Waldorflehrerausbildung handeln?

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: