mit Lehrern reden

Heute komme ich ganz entspannt nach Hause. Ich hatte eine freundliche Begegnung mit einem Waldorflehrer. Endlich hatte es sich ergeben, dass ich in ein Gespräch über die begonnene Recherche und die ersten Ergebnisse meiner Untersuchung zur Anthroposophie, Steiner und der Waldorfpädagogik kam.

Hier in meiner Kammer, im Dialog mit meinem Bildschirm und schließlich mit Michael Eggert war ich dann doch der einsamen Kunst des Denkens verfallen. Zudem blieb ich ja nicht beim Schein der Normalität, die mir mein Bildschirm und Michael vermitteln können, sondern schlich mich immer wieder mal auf Abwegen in die Abgründe anthroposophischer Dialektik vor, die in dogmatisches Zwielicht hüllen.

Orte eben, wo man sich zwangsläufig unwohl fühlt. Die grausigsten Orte hierfür sind im Internet die Foren, in denen es vorkommt, dass beleidigt und gesteinigt wird, wenn man nicht Forenkonform auftritt. Nun die vergeistigten Denker griffen in dem einen Themenraum, in dem es um Steiner und Rassismus ging, recht schnell zu den großen Brocken und bewarfen einen kritischen Fragesteller mit allerhand Müll und den unschlagbaren Hinweis: Wer sich nicht an Steiners Werk abgearbeitet hat, der könne weder Vorwurf noch Kritik erheben! Das Thema wurde recht lange Diskutiert und ich habe mir nicht die Mühe gemacht das ganze durch zu lesen, dazu wurde mir schon bei der ersten Antwort auf den Frager die Laune verdorben. Aber ich fühlte mich doch abgestoßen. Das ganze machte den Eindruck eines Sandkastens, den eine Truppe halbstarker in Besitz genommen hatte.

Der Lehrer also. Wir hatten plötzlich Zeit. Wir standen uns gegenüber und fingen an. So dies und jenes. Und dann kam ich mit der Sprache heraus, ziemlich unvermittelt. Das man da plötzlich sich mit dem Vorwurf des Rassismus und des Antisemitismus konfrontiert sehe und das man das dann doch verstehen wolle, weshalb ich dem nachgegangen sei und einiges gefunden habe und ja, ja, auch das mit dem: Steiner ein Kind seiner Zeit, solle ja nicht einfach nur so: gesagt, gehört, gebongt bleiben, sondern das gehört überprüft und da müsse man, wenn man es verstehen wolle, eben selber ran. Und es gibt ja Quellen, sagte ich dem Lehrer, die es ermöglichten, nicht den ganzen Steiner zu lesen. Zum Glück – fügte ich noch hinzu und da konnten wir einvernehmlich lachen und wir gestanden uns gegenseitig – ganz subversiv und mitten auf dem Schulgelände, dass wir diese Sprache vom Spiritus Rector so gar nicht vertragen könnten, da hätten wir doch andere Vorbilder. Der Lehrer schmunzelte dann: „Jetzt stellen sie sich mal vor – und das ist wirklich so – es gibt Adepten aus anderen Ländern, die an Rudolf Steiners Werk die deutsche Sprache erlernen!“ Und wieder lachten wir leise und einvernehmlich. Vor allem sagte er mir, ich brauchte mich nicht zu sorgen, er habe das alles auch begierig und gründlich studiert. Wenn er auch nur den Deut eines Zweifels gefunden hätte, dann wäre er nicht an der Schule Lehrer. Dass auch ich nach Studium der Quellen zum selben Ergebnis komme, sagte ich ihm noch und wir philosophierten noch ein wenig über dieses und jenes. Er erzählte noch von seiner Waldorfausbildung und solchen die den Mysterien in der Steinerlehre anheim fallen und jenen die der Vernunft verschrieben bleiben. Denn so scheint es zu sein. Die Anthroposophie bildet keine homogene Denkstruktur. Auf der einen Seite folgen einige einem spirituellem Weg, der sich wiederum weit verzweigt. Auf den anderen Weg begeben sich die, die dem Intellekt folgen. Beide Richtungen nutzen die Lücken steinerscher Aussagen und den programmatisch wirkenden Mangel an Definitionen und Festlegungen, um Spiritualität und Intellekt schließlich wieder zusammen zu führen.

Der Lehrer sagte noch er genösse, bei aller Kritik zu diesem und jenem, an dieser Schulform und der Pädagogik denn doch, die Atmosphäre moralischer Individualität (oder individuellen Moral- er wusste selbst nicht mehr genau, wie er es nennen sollte). Jeder sei in dem was er tue verantwortlich für ein Ganzes – mit aller Konsequenz und unabhängig davon ob Schüler oder Lehrer oder Eltern. Wir trennten uns fröhlich und waren uns, wie ich denke ein Stückchen näher.

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Eine Antwort

  1. […] mit lehrern reden […]

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