meine Quellen, erste Schlüsse

meine Quelle
Ralf Sonnenberg ist Historiker und Religionwissenschaftler. Er veröffentlichte seine Studie Judentum, Zionismus und Antisemitismus aus der Sicht Rudolf Steiners, in: Wolfgang Benz (Hg).“Jahrbuch für Antisemitismusforschung“, Bd. 12, Metropol-Verlag, Berlin 2003, S. 185-209 und http://www.antisemitismus.net/deutschland/steiner.htm.
Außerdem veröffentlicht Ralf Sonneberg auch in anthropospophischen Zeitschriften. Ob er selbst Anthroposoph ist, ist mir nicht bekannt. In jedem Fall ist seine Stimme im Kanon derer, die sich einen kritischen Blick auf das Allerheiligste der Anthroposophie erlauben, sicherlich eine fundierte. Ich habe keine Konnotation in seinem Text gefunden, die Schlüsse zulässt seine Analyse sei tendenziös. Weder wird die Figur Steiners demontiert, noch werden schwierige Aussagen Steiners in der Untersuchung ausgelassen, die aus heutiger Sicht nicht nur befremdlich sondern bald schmerzhaft „anmuten“. Diese
sollten auf jeden FAll weiterhin diskutiert werden .

ertse Schlüsse
Nach der Lektüre der Studie, einiger Aussagen Steiners und schließlich auch der Replik Hardrops , stellt sich mir die Frage, ob die Interpretationsvielfalt anthroposophischer Grundlagen nicht genau dem Vorschub leistet, was in der öffentlichen Wahrnehmung zu dem Rassismusvorwurf führt. Schlimmer noch ist die scheinbare Anfälligkeit zur Assimilation oder auch Verfremdung anthroposophischer Argumente und Denkweisen für eine verdeckte oder auch offene rassisch begründete Gesinnung, die ich in den Strukturen anthroposophischer Weltanschauung, so wie sie sich mir bisher darstellt, erkenne. Sollte meine Befürchtung sich letztlich wiederlegen lassen, möchte ich dennoch zu bedenken geben, dass zum einen Menschen wie mir die Menge an Diskursen Steiners aus zeitlichen Gründen nicht zugänglichen sind aber dennoch in dieser Welt gilt: gesagt ist gesagt. Zum anderen gilt das natürlich auch für die interessierte Öffentlichkeit: den Feinden, Gegenern; den Wächtern und Hütern; Presse, Politik, Eltern und und und. Sie alle werden immer das Gesagte hinterfragen auch wenn das natürlilch gegenüber Erleuchteten, als der Steiner angesehen wird, eine Zumutung ist – Steiner hat gemeint.

Interessant ist der Weg, den die niederländischen Anthroposophen einschlagen. Offensichtlich distanzieren sie sich von solchen Aussagen Steiners, die als rassistisch oder antisemitisch verstanden werden (können). Ob er in sich richtig ist muss ich letztlich nicht beurteilen, allerdings liegt in ihm die Möglichkeit sich kritisch mit den Ansätzen steinerscher Lehren auseinanderzusetzen, die zu den oben genannten Dünkeln und Befürchtungen führen.

Dass die Anthroposophie und ihre Anhänger (en gros) eine antisemitische oder rassistische Ausrichtung hat, konnte ich bisher nicht bestätigt finden. Im Gegenteil zeigt der Diskurs, der auch unter Anthroposophen offen und zugänglich geführt wird nicht nur, dass hier nicht hinter den Berg gehalten wird, sondern auch dass jene, die beschuldigt werden, offensichtlich keine Nähe zu solchen Inhalten gelten lassen wollen. Darin verhalten sie sich doch diametral zu Rechtsradikalen und Rassisten, die ihre Gesinnung niemals verstecken würden sondern deren Richtigkeit propagieren würden (oder irre ich mich da und ich habe , naiv wie ich bin, irgendeine Verschwörung übersehen?).

Anderes und in anderem Zusammenhang berichtet Michael Eggert auf seinem Blog. Er recherchierte, einem Hinweis aus Schweden folgend, die Geschichte des Anthroposophen und Pfarrer der Christengemeinschaft Benesch. Dessen Mitgliedschaft in der SS und Gesinnung jener Zeit bis 1945 dokumentiert Herr Eggert in einer Folge von Artikeln . Michael Eggert ist insgesamt lesenswert, wenn man mit Inhalten der Anthroposophie in Berührung gerät, aber dazu womöglich an anderer Stelle mehr.

Eine Antwort

  1. Nachtrag:

    Michael Eggert konnte für mich zu Ralf Sonnenberg ergänzen, dass er als Redakteur der Zeitschrift die Drei (www.diedrei.org) tätig ist. „Die Drei war früher die offizielle anthroposophische Zeitschrift überhaupt, das Kernorgan des Verlags Freies Geistesleben.“, klärt Eggert auf.

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