Kreiskritik

Wo wir bei Impulsen sind: Sebastian Gronbach schreibt im Info3 vom Oktober 2006 mit deutlichen Worten über das Dreikönigsspiel, dass ich als junger Neuzugang tatsächlich auch mit Befremden erlebte. Ich erinnere nochmals daran: ich lerne die Szene über meine Kinder kennen – ich bin Laie. Bei Gronbach finde ich mich wieder. Die logische Ableitung das Stück in Kanack, Jugendsprache oder eben der regional üblichen Dialekte darzustellen kämen möglicherweise der Idee Steiners näher als das ewige Wiederholen eines entwurzelten und mehrfach verformten Stückes Bauernkultur. Den Impulsen widmet Herr Gronbach letztlich in dem Absatz zur Stereotypen Darstellung erschreckende Betrachtungen. Dem Impuls nämlich sitzen zu bleiben, sich nicht zu rühren – oder auch nicht zu merken, dass da mitunter etwas aufgeführt wird was nach ’45 so nicht mehr darstellbar sein darf/ kann.

Und weiter mit den Impulsen. Man kann im Info3 vom November die Antworten auf Herrn Gronbachs Artikel lesen. Gronbach scheint ungelitten zu sein (2:1 Herr Gronbach machen sie eigentlich nur Auswärtsspiele?) Jetzt wird es ja erst spannend. Da bemüht sich ritterlich ein Verfechter leiser Töne, spricht von der Bescheidenheit eines Herrn Ichmann dessen Artikel in info3/2000 große Wirkung hatte. Nun hatte ich noch keine Zeit das zu lesen, aber ich bin sicher der Artikel wird auch heute noch ausstrahlen. Dennoch der Impuls des Herrn Gronbach ist deswegen ja nicht falsch, seine Haltung deswegen verwerflich, nur weil der eine –womöglich, wie gesagt- gelassen referiert, wärend der andere in Scham und Wut brennt? Abgesehen davon – wo will der drakonische Briefeschreiber denn hin mit seinen Argumenten? Ich will ihm zugute halten, dass sein Leserbrief womöglich bis zur Unkenntlichkeit gekürzt worden sein mag. Ich befürchte jedoch Unkenntlichkeit aus Mangel an Verständnis oder auch Relflex. Womöglich ist Gronbach so eine Art anthroposophischer Prügelknabe. Der macht das Maul auf und kriegt eins drauf – sofort. Zum einen macht der Artikel Gronbachs an vielen Punkten genau das nicht: „… das Kind mit dem Bade ausgeschüttet…, ohne irgendeine Alternative aufzuzeigen,…“ – hier verweise ich auf die nahe liegende Idee der Sprachadaption; „… Einfachheit mit der Profanität verwechseln.“ – was ist hier eigentlich gemeint? Ist etwa nur Urtümliches bäuerliches Leben ein Kultuwert (Lob der Einfachheit), während der verrohte städtische Mensch – ach ich will es gar nicht weiter denken…Lang lebe das Prekariat!; Danach kommt hmm, hmm, hmm… „Klisches„, hmm, hmm „nahe am Abgrund„, hmmm, hmmm, „…wie alles, was mit dem Christlichen zu tun hat, war ja Jesus selbst ein Jude und der Schritt zu den Evangelien, wenn man sie „abklopft“ auf „latentem Antisemitismus“ hin, ist nicht weit…“ so nun aber? Verstehe ich das? Ziehen wir da die schicksalhafte Analogie durch die Tiefen der Zeit bis hin nach Oberufer, Gotheanum, Waldorfschulen? Ja ist es da nicht natürlich, dass das quasi immer wider kommt? – Als was? Als Impuls? womit wir zu einem Steiner Zitat kommen, der uns was sagt? Ja eigentlich nichts! Wahrscheinlich hatte Steiner eine besonders charismatische Stimme die lange im Raum nach klang, was seinen Worten mit Sicherheit so etwas besonderes gaben. Aber was soll das Zitat hier an dieser Stelle? Nur so zur Erinnerung? Inhaltlich steht da bei Steiner das Jesus heute nicht erkannt nach seinen Lehren hin beurteilt ebenso in die Ecke gestellt würde, wie es ihm bei den Hohepriestern damals geschah? Ja und? Nichts anderes als eine Abwehr legt er da hin um zu sagen keiner werfe den ersten Stein! Moralin? Und dann sagt der Schreiber etwas was ich ganz direkt mit Hilfe von Jürgen Habermas wiederlegen will. Der Gecko schreibt: „Ich glaube, dass das Dreikönigsspiel seinen “ latenten Antisemitismus“ überwinden kann, wenn wir es nicht schauspielern, sondern leben und zwischen uns bewegen, wenn wir gemeinsam unsere eigene dunkle Seite kennen lernen, um großzügiger und liebevoller werden zu können, …“

Toleranz kann nur greifen, wenn es für die Ablehnung konkurrierender Geltungsansprüche legitime Gründe gibt: „Wenn jemand Menschen mit schwarzer Hautfarbe ablehnt, sollten wir ihn nicht zu einer ‚Toleranz gegenüber Andersaussehenden‘ auffordern…Denn dann akzeptierten wir sein Vorurteil als ein ethisches Urteil, das der Ablehnung einer anderen Religion ähnlich ist. Ein Rassist soll nicht tolerant werden, er soll seinen Rassismus überwinden.“ (R. Forst, Der schmale Grat zwischen Ablehnung und Akzeptanz, Frankfurter Rundschau vom 28. Dez. 2001). In diesen und ähnlichen Fällen halten wir eine Kritik der Vorurteile und den Kampf gegen Diskriminierung und nicht etwa „mehr Toleranz“ für die angemessene Antwort. Erst religiöse Gleichberechtigung konfrontiert die Bürger mit der Frage, wie sie mit Andersgläubigen, die zugleich Mitbürger sind, sozial umgehen sollen.

Jürgen Habermas – „Wann müssen wir tolerant sein? Über die Konkurrenz von Weltbildern, Werten und Theorien“ – Festvortrag zum Leibniztag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften am 29. Juni 2002

Der andere Mahner übt Kritik an der Kritik und ich beiße auch noch mal zu. Der ruhige Mahner schlägt vor den Regisseur zur Diskussion dazu zu nehmen um Beweggründe erfahre und eine differenzierteres Bild zu den verschiedensten Aufführungen an den Schulen – oder so? Ja nun, sicherlich, sollte aus dem Artikel des Herrn Gronbach eine Debatte erwachsen wird das Not tun. Gemiensamkeiten schaffen, Gesprächsrunden und so. Aber hier sprach Herr Gronbach doch gänzlich als Rezipient! Da steht er doch alleine! Da steht er als Mensch seiner Wahrnehmung und seinem Gewissen gegenüber, nicht unähnlich mir selbst, während ich hier Nächtens in meine Tastatur hinein denke. Und der Regisseur der stand da , allein, als er das ganze zum laufen brachte und starb den kleinen Tod des Schöpfers, der einer Idee folgt und sie auf einer Bühne drapiert und dann eben eine Aussage macht. Er mutet sie dann dem Publikum zu und formuliert eine Aussage. Seine Verantwortung! Sein Lohn ist nicht zuletzt auch die Kritik. In der Kritik entsteht Raum für Neues. Ja ist denn das so schlimm?

%d Bloggern gefällt das: