Editorial

 

“Toleranz können wir nur gegenüber einer aus guten subjektiven Gründen abgelehnten Überzeugung üben, und zwar in der Weise, dass diese kognitive Ablehnung gleichwohl keine praktisch “unüberwindliche” Abneigung nach sich zieht.

Die Erwartung von Toleranz mutet uns zu, eine auf kognitiver Ebene fortbestehende Nicht-Übereinstimmung, die aus Gründen der Konsistenz nach der Auflösung von Widersprüchen drängt, auf der Ebene sozialer Interaktion in dem Sinne auszuhalten, dass wir sie for the time being dahin gestellt sein lassen. “

Jürgen Habermas - Festvortrag zum Leibniztag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften am 29. Juni 2002

Anthroposophie, Rudolf Steiner, Waldorfpädagogik -

alles Themen, die nur einige wenige Interessieren dürften. Vielleicht durch die Presse hin und wieder die Öffentlichkeit aufgescheucht, erlebt man plötzlich einen Recherche-Hype: der Blog wächst, die Kommentare strömen auf einen ein und dann ebbt das Interesse wieder auf ein normales Maß ab und es bleibt nur noch ein übler Beigeschmack nach der Hysterie zurück. Zudem zeigt sich bei vertiefter Einsicht in die Thematik z.B. zu den sich wiederholenden Vorwürfen gegen die Waldorfschulen oder den Ideen Steiners, dass zum einen der Diskurs sehr offensiv und öffentlich von der beschuldigten Seite aufgenommen und diskutiert wird. Das Interesse des Blogs lässt zudem nach, je mehr man den Eindruck hat nichts Neues zumThema denken zu können. Versteckt im Netz gibt es eine Menge Gegenöffentlichkeit zu den Kritikern der Anthros und Waldis, sowie fundierte Kritik und aktuelle Diskussionen, die die Fragen und Inhalte bei nerone bereits diskutieren. Sicherlich wird es einige Ergänzungen und neue Fragestellungen geben, die von nerone besprochen werden können. Der Reiz, die eignenen Gedanken hier mit anderen zu teilen und kommentieren zu lassen nimmt ja nicht ab.

Nachdem nerone Online ging, stellte ich sehr bald fest, dass die Auseinandersetzung mit der Anthroposophie Steiners, seiner Weltanschuung und seiner esoterischen “Wissenschaft” nach einer Abgrenzung zu eigenen Anschauungen und Überzeugungen verlangte. Dieser Überlegung, sowie der Tatsache folgend, dass das Interesse zu dem selbstgewählten Themenbereich rund um die üblichen Steinereien abnimmt, da mein persönlicher Informationsstatus eine gewisse Sättigung erreicht. Was aber die oben angeführte Abgrenzung betrifft geht es ja im positiven Sinne um eine Standortbestimmung. Nicht das nerone hier Innerstes zu Äußerst kehren will. Blogs haben jedoch interessanterweise tatsächlich starken Bekenntnischarakter. Also werden wir dem auch hier in Zukunft nachgehen.

Die Schlagworte, zu der Struktur auf nerone-

Das führt zu einer Neuordnung der Schlagworte, die als Menuepunkte in Zukunft durch das Blog führen werden. Da gibt es die bereits festgelegten Kategorien Anthroposophie, Waldprfpädagogik, Waldorfschule und Waldorfkindergarten. Sicherlich wird es den Bereich Logbuch weiterhin geben. Das Logbuch soll laufende Recherchen und Projekte auf dem Blog sekundieren, Quellen in der Vorschau oder der Nachsicht eines reflektierenden Beitrages besprechen. Um Kulturthemen herum werden sich Literatur und Kunst gruppieren können. In wie weit das dauerhaft realisierbar ist, wird sich zeigen. Mir schwebt so etwas wie Interwiews vor, Fragestellungen zu Themenkreisen, die auf nerone besprochen werden.

Falls der intime Kries meiner Leser zu dieser konzeptionellen Einleitung Anregungen haben, den HInweis finden mein Anliegen sei vermessen oder es würde sich lohnen den Weg zu beschreiten, dann lasst doch ruhig Kommentare fallen.

22 November 2006


2 Responses to “Editorial”

  1. Na, ich las dieses Editorial unvermittelt und konnte erst nicht glauben das es schon im November 2006 geschrieben war. Es schien mir das es nach alle Erfahrungen im letzten Jahr reif geworden und verfasst war. Aber… es stimmt doch, es ist offenbar einundhalb Jahr alt.
    Wie ist es jetzt mit der Sättigung der eigene persönliche Informationsstatus? Das Vorhaben um selbst Interwiews (!) aufzunehmen hat sich leider nicht erfüllt. Vielleicht ist das einen nächsten Schritt?

  2. Hi Michel,

    mir geht es gerade genauso. Hab ich das geschrieben? Ich sollte mich dem Inhalt nochmal widmen und es überarbeiten.

    Ich gehe mit einem Interview schwanger, dass ich zu führen mir vornahm. Ich bin bisher nicht dazu gekommen es zu realisieren. Es kommt noch.

    Mit der Sättigung ist es so, dass die Notwendigkeit Steiner zu lesen sich aufdrängt. Damit wird mir leider einiges genommen. Andererseits ändert es nichts an der Sympathie für die bekannten Aktuere und den Respekt vor ihrer Tradition. Ich denke darüber nach in loser Folge meine Lektüren kommentiert hier abzubilden. Das wird mir wahrscheinlich den Ruf verderben, aber vielleicht kommt man ja ins Gespräch über Wahrnehmung, Wirklichkeit und Wahrheit…

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