In der Freizeit Domina spielen

Ich hatte da neulich eine Freundin zu Besuch. Die ist Psychologin. Ich bin mir nicht sicher, wie Ihr zu diesem Berufsstand stehst, aber diese eine - und noch ein paar andere - für die lege ich meine Hand ins Feuer. Sie erzählte von ihrer Fortbildung, denn obwohl das Studium nach mehreren Jahren auf dem zweiten Bildungswege etc mit Mühe aber auch mit Bravour abgeschlossen wurde, wird sie, wie alle anderen “Anfänger” auch durch die Therapien ihrer zukünftigen Kollegen gejagt. Lehrtherapeuten, Seminare, etc. je nach Ausbildungsweg. kostet das 25.000 bis 70.000 euro. Unsere Freundin hat sich entschlossen bei 25 Schluß zu machen. Sie erzählte außerdem von den Arbeitsbedingungen vieler ihrer (vor allem jüngerer Kollegen unter den “Anfängern”) die Arbeitsstellen bekommen im vollen klinischen Einsatz, allerdings nicht bezahlt werden, da Praktikumsverträge abgeschlossen werden. Auf Bewerbungen bekam unsere Freundin sogar Anrufe der angeschriebenen Institute, die freundlich erklärten, sie könne sofort anfangen, allerdings natürlich ohne Bezahlung! Ich weis nicht mehr was diese überaus kluge Frau ins Telefon schrie, jedenfalls lehnte sie ab. Während die jungen Psychologen also kein Geld verdienen, müssen sie das Risiko hoher Kredite in Kauf nehmen - kaum eine Bank wird auf diese Wette setzen wollen, vor allem wenn -wie in dem uns bekannten Fall- von Hause aus keine Reichtümer durchscheinen, die den Aufwand finanzieren. In jedem Fall ist Geld auf zu bringen, denn bis zu ihrem zweiten “Lehrjahr” ist kein zumindest aber nicht ausreichend Geld mit der Arbeit zu verdienen. Was bleibt einem da? In der Freizeit Domina spielen - als Nebenverdienst? Was man dazu braucht hat man ja gelernt.

Mittlerweile kotzt sie das System derart an, dass sie sich fragt was man da machen kann. Ja was kann man da machen? Mich erinnern die Strukturen stark an so Sekten (hui), die ihren Jüngern das Geld aus der Tasche ziehen um so eine nach der anderen Stufe zu erklimmen, dachte ein wenig an Scientology, die ja auf einem ähnlichen Markt fischen.

17 Responses to “In der Freizeit Domina spielen”

  1. …ja das ist wirklich schrecklich! Mit Ausbilden kann mehr Geld gemacht werden als mit Therapie, außerdem gibt es ein völlig unübersichtliches Therapie-und Beratungsangebot auf allen Levels von Qualifikation und non-Qualifikation. Das Psychologiestudium ist fast gänzlich entwertet, Hoffnung auf klinische Tätigkeit gibts nur nach diesen Zusatzausbildungen. Aber auch bei anderen Berufsfeldern ist das so: z.B.: Medien. Die Absolventen geiern sich um Gratisarbeit in der Hoffnung irgendeinen Einstieg zu schaffen und lassen sich viel zu viel gefallen! Allerdings kommt es in diesem Bereich dann doch zu kleinen Firmengründungen und Initiativen, während die Psychologen diesen Ausweg nicht haben.
    In den 70ern waren z.B.: die psychoanalytischen Vereinigungen überhaupt froh wenn irgendwelche Lehranalysanden kamen, manche waren auch recht komisch, wurden aber trotzdem genommen; mit dem Boom der Endsiebziger und Achziger stieg der Zulauf an Interessenten enorm, die Zulassungskriterien ebenfalls. Leute die mit 2 Wochenstunden Couch ihre Ausbildung absolviert hatten, verlangten von den jüngeren nun 5 Wochenstunden (schafft das mal: finanziell, zeitlich, sozial - jeden Abend Couch!) und verlangten dafür auch das dreifache von dem was sie selbst schon schwer finanziert hatten. So erhält man sich die Idealisierung, die Exclusivität und hält die nachwachsende Konkurrenz klein; außerdem bleiben die Azubis, während Patienten oft abspringen und das Einkommen labilisieren. Ähnliches mit den vielen neugegründeten Privatunis, Ausbildungsinstituten , etc. Zu Beginn trugen dort Leute einfach den Inhalt von 10,-DM Taschenbüchern vor, konnten selbst kein Skriptum verfassen, hätten die Zulassung fürs Unterrichten an einer Uni nie geschafft. Mittlerweile lehren dort auch Unileute gern: zusätzliche Knete. Sigmund Freud Privatunis u.ä., bieten die Chance doch auch noch ein Rektor zu werden und sich im Talar (mit Kragen und Kette etc… ;) fotographieren zu lassen, darunter natürlich mit dem für die Männer meiner Generation typischen Schlemmerbauch.
    Betriebswirte schnallen wenigstens daß MBAs und teure Seminare nicht der weihevollen Tradierung geheiligter Inhalte dienen, sondern dem Verdienen und evtl. selber dann auch Knete machen. Warum vor allem PsychologInnen sich diesen beruflichen Initiationsriten so widerspruchslos unterwerfen und nicht revoltieren - ehrlich, ich kapier es nicht!
    Oder doch? ja, Nerone Du hast recht: da gibt es Parallellen zu Religiösem: dem mühevollen Erwerb oder Wiedererwerb psychischer Unverletztheit, dem Ungeschehenmachen narzißtischer Verletzungen, eine Art mythischer Heilung, darshan, durch einen idealisierten Lehrer, Guru etc. suchen. Dafür Strapazen auf sich nehmen. Berufsausbildung und Heilung werden vermischt, Übertragungsabhängigkeiten unanalysiert belassen.
    Scientology ist auch im Marketing und servicetraining Bereich großer Firmen (Telekom) aktiv; in HR-und Personalabteilungen, sales-trainings. Gewerkschaften kennen die damit verbundenen Probleme :Parallelstrukturen im Betrieb, Mobbing etc

  2. Der Witz ist ja, dass die widerspruchslos ein System aktzeptieren, dass sie wahrscheinlich sogar durchschauen. Die Analogie, wie du sie interpretierst mit Initiationsriten und idealisierten Lehrern konnte ich weniger feststellen und habe ich auch nicht so gemeint. Fräulein Freud weiß, dass die Stunde, die sie auf der Couch liegt für den Therapeuten Entspannung ist. Schließlich ist ihre Analyse nicht die eines pathologischen Patienten. Dass heißt, dass die jungen Adepten durchaus differenzieren können und die ihnen vor die Nase gesetzten Kollegen durchaus als Dienstleister wahrnehmen und nicht als Gurus. Liegt vielleicht auch am Berufsethos, wenn sie auf solche stoßen, alles andere - und ich bin sicher, dass es das auch gibt - wäre ja auch höchst Unanständig. Die Berufsverbände scheinen mir hier eher wie eine Krake zu wirken, die sich wie Scientology, Strukturen verschafft, die in eine Abhängigkeit führen, jedoch weniger seelischer, als ökonomischer Natur. Der Berufsstand agiert wie ein Vampier, der die Nachfolgenden Aussaugt um den schwer erworbenen Status zu halten und aus zu bauen, so wie du die Entwicklung ja schön beschrieben hast.

  3. naja, diese Art von Ausbildung funktioniert wie die Kettenbriefe, die letzten sind die Dummen.
    Warum wird so viel strukturelle Gewalt in therapeutischen Ausbildungen akzeptiert ? Allein kann man sich nicht dagegen auflehnen, wenn man durch das soziale Nadelöhr dann glücklich durch ist und seine Zulassung hat gibts bei den meisten doch Identifikation mit dem Aggressor und business as usual, wenn man Klienten findet (und das hängt von Institutionszugehörigkeit, Publikationen, Medienauftritten und auch von der eigenen sozialen Herkunft und dem damit erleichterten Zugang zu Patientengruppen ab).
    Diese Unzufriedenheit während der Ausbildung, darüber reden und lästern hat bloß Ventilfunktion. Durch die Studienbeschränkung gibts - doch - wieder Jobs und damit auch Motivation durchzuhalten.

  4. Fräulein Freud weiß, dass die Stunde, die sie auf der Couch liegt für den Therapeuten Entspannung ist. Schließlich ist ihre Analyse nicht die eines pathologischen Patienten.

    :-)))
    Lieber Marco,
    ich entstamme einer Psychoanalytiker-Familie (ist ‘ne echte Krankheit bei uns) - will in diesem Kontext hier also heißen: aus einem Umfeld, das der teuersten möglichen Weiterbildung auf psychotherapeutischem Sektor gefrönt hat und deren Protagonisten ausnahmslos alle auch Lehranalytiker (gewesen) sind. Diejenigen Lehranalytiker, die kaum noch “freie Wildbahn” im Patientenkader haben, belächeln sich darob zwar bisweilen selbst - aber einig sind sie sich alle: es ist *wesentlich* ennervierender sich mit Ausbildungskandidaten herumzuschlagen als mit wirklich leidenden Patienten. Denn letztere haben im Unterschied zu ersteren eine meist eine sehr authentische Motivation zur Mitarbeit ;-).

    Herzlich,
    Felix

  5. PS

    Siehe auch:

    http://www.berzengeschnetz.de/blog/?page_id=2

  6. …also jetzt kann ich Sie mir viel besser vorstellen, Felix, und Sie haben auch noch ein paar dicke Provokationen gut! Wie schwer ist der Paco jetzt?
    Vielleicht sagt Fräulein Freud auch was dazu, das wär interessant!

  7. ;)
    Fräulein Freud war derart schwer begeistert von meinem kleinen Blog und “der ganzen Technik”, dass ich vermute sie ist wegen Zeitmangels oder aber auch aus reiner Vernunft nicht ganz “up-to-date”, was unser kleines Universum hier im Netz angeht. Aber ich werde sie mal hierher führen, damit sie mal alles raus lassen kann…macht dann 80 Euro! :)

  8. Nun, dieses Blog ist wirklich phantastisch und man kann wirklich alles Mögliche durchdiskutieren. Ich lerne viel, da hat man wirklich nicht immer Zeit, aber soviel dann doch, um inzwischen Dankeschön für all die Mühe zu sagen. Ich lese Marco, dann bin ich immer up-to-date.

    Mr Freud hat viel für uns getan, zeigen wir uns würdig und gehen wir mit seiner Wissenschaft und seinen Kindern entsprechend um, sagt Annette.

  9. Wie nett, ich hab gerade Berzengeschnetz gelesen, jetzt bin ich noch up-to-dater und noch entzückter von gewissen Hundfreundinnen.

    Liebe Grüsse Annette

  10. ” die jungen Ärzte werden möglichst lange vom Futtertrog ferngehalten damit sie wenn sie richtig hungrig sind das System nicht mehr ändern, sondern nur mehr fressen wollen.”

    das ist ein Zitat aus einer Diskussion über ärztl. Standesvertretungen und Gesundheitspolitik

  11. Liebe Liesel,

    lustig - der Link-Nachtrag zum Berzengeschnetz ist mal wieder nicht von mir gepostet worden. Aber wieder ist er ja nicht unsinnvoll - drum macht’s nichts.
    Paco wiegt inzwischen 53 kg, ist ein waschechter Alpharüde und - solange er nicht an der Leine anderen Rüden begegnet - eine Seele von Hund.
    Sie finden ihn hier: http://www.pitris.de/paco.htm (Bild ist zwar schon älter, aber trotzdem noch ziemlich passend).

    Herzlich,
    Felix Hau

  12. Lieber Felix,

    tut mir leid, aber solange es nicht stört. Ich bitte dich mir einfach mit zu teilen, wenn es gar nicht geht. Ich habe jetzt mal die Unterscheidungsmerkmale und wenn mir etwas spanisch vorkommt moderiere ich das. Im Zweifel musst du mich darauf hinweisen, bitte.

  13. Lieber Felix,
    danke! Was für ein schöner Leonberger!

  14. Hihihi!

  15. Liebe Lisel,

    ich habe gerade noch ein aktuelleres Foto entdeckt: Hier finden Sie Paco im Gespräch mit Kollege Sebastian Gronbach im Dezember letzten Jahres. Im Vordergrund: Freund Flo, der immer sehr genau aufpasst, dass sein großer kleiner Bruder sich zumindest ansatzweise so benimmt, wie es die Etikette fordert:
    http://www.berzengeschnetz.de/weltbild/paco_segro.jpg

    Herzlich,
    Felix

  16. Sehr lieb die beiden!! Schön, daß es zwei sind!
    Wo aber bleibt Fräulein Freud?

  17. Fräulein Freud kommt grad vom Gassigehen und hat jetzt Zeit für ein paar Minuten.

    Haben Sie übrigens CGs wunderbares Bild von Angie und George im Auto gesehen. Hochanständig! Tiefbeeindruckend!

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